Stammstrecken-Sperrung: München entdeckt die Sardine neu

München atmet auf! Endlich ist es so weit: Die Stammstrecke gönnt sich eine wohlverdiente Pause. Jene langweilige Röhre, durch die man sonst viel zu effizient und mit erschreckend viel persönlichem Freiraum von Pasing zum Ostbahnhof kam. Doch die Götter der Verkehrsplanung meinen es gut mit uns. Sie schenken uns ein neues Abenteuer, eine Frischzellenkur für das soziale Miteinander.

Dieses Abenteuer heißt: U-Bahn.

Das neue Premium-Erlebnis

Wir sprechen hier nicht von einer gewöhnlichen U-Bahn-Fahrt. Wir sprechen von der Premium-Erlebnis-U-Bahn zur Stoßzeit. Eine Art mobiler Escape-Room, bei dem das erste Ziel lautet, überhaupt erst hineinzukommen. Wer braucht schon Sauerstoff, wenn er menschliche Nähe haben kann?

Die Vorteile dieser genialen Maßnahme liegen auf der Hand:

  1. Intensives Gemeinschaftsgefühl: Man steht nicht mehr anonym nebeneinander. Man ist eine Einheit. Man verschmilzt. Man teilt Atemluft, man teilt Körperwärme, man teilt den Inhalt der Einkaufstasche des Vordermanns, der sich gerade unfreiwillig in die eigene Magengrube bohrt. Es ist wie eine Dauergruppenumarmung mit gefühlten Milliarden von Mitbürgern.
  2. Fitness-Programm inklusive: Wer braucht schon ein teures Fitnessstudio? Das morgendliche Einsteigen ist ein Ganzkörper-Workout. Der elegante „Münchner Quetsch-Schritt“ ist eine Mischung aus Ballett und Sumo-Ringen: Einatmen (falls überhaupt noch möglich), Körpermasse auf ein Minimum reduzieren, eine Lücke suchen (Spoiler: es gibt keine) und sich dann mit der sanften Gewalt der nachdrängenden Masse in den Waggon pressen lassen. Die Türschließ-Automatik ist dabei Ihr persönlicher Trainer, der Sie motiviert, auch noch den letzten Quadratmillimeter zu füllen.
  3. Ein Fest für die Sinne: Die Großstadt macht einsam? Ein Gerücht! In der U5 am Sendlinger Tor lernt man neue Freunde kennen. Und deren Freunde. Und die Tante des Freundes. Man erfährt, was der Nachbar zum Frühstück hatte (Knoblauch) und welche Deomarke die Dame drei Reihen weiter (vermutlich) vergessen hat. Es ist ein wahres Duft-Potpourri.

Die neue Lebensqualität

Also, liebe Münchner: Seien wir dankbar. Dankbar für diese Lektion in Demut und physikalischer Kompression. Es ist wunderbar. Es ist kuschelig. Man steht sehr gerne sehr gequetscht, weil man weiß: Man ist nicht allein.

Und wer weiß? Vielleicht wollen wir diese sterilelangweilige und leere Stammstrecke nach dieser Erfahrung gar nicht mehr zurück.


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Kommentare

2 Kommentare zu „Stammstrecken-Sperrung: München entdeckt die Sardine neu“

  1. Avatar von Klaus K.
    Klaus K.

    Warum sollte in einem Land, das seine eigenen Kraftwerke sprengt, der öffentliche Nahverkehr funktionieren?
    Über München lacht die Sonne, über Deutschland die ganze Welt.

  2. Na ja gut, die Stammstrecke ist gesperrt, weil sie modernisiert wird und eine zweite hinzugebaut wird.

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