
In einer Zeit, in der Europa vor geringfügigen Herausforderungen wie Klimawandel, wirtschaftlicher Instabilität und geopolitischen Spannungen steht, hat das EU-Parlament endlich seine wahre Priorität erkannt: die Rettung des Bürgers vor der existenziellen Bedrohung durch den „Veggie-Burger“. In einem Akt heroischer Entschlossenheit wurde beschlossen, Bezeichnungen wie „Burger“ oder „Schnitzel“ für pflanzliche Produkte zu verbieten, um eine angebliche Massenverwirrung zu beenden.
Man muss den tapferen Abgeordneten, allen voran den Teilen der konservativen Fraktion, dankbar sein. Sie haben das drängendste Problem unserer Generation identifiziert: Den armen, intellektuell offenbar völlig überforderten Verbraucher, der zitternd vor dem Kühlregal steht und nicht mehr weiß, ob er gerade im Begriff ist, ein Stück Fleisch oder eine Soja-Frikadelle zu erwerben. Das Wort „Veggie“ vor „Burger“ ist ja auch ein diabolischer Trick, eine kaum zu entschlüsselnde Chiffre, die nur dazu dient, arglose Bürger in die Irre zu führen.
Die französische Abgeordnete Céline Imart sprach von einem „echten Verwechslungsrisiko“. Man kann sich die dramatischen Szenen in den Supermärkten bildlich vorstellen. Familienväter, die versehentlich „Sojaschnitzel“ kaufen und zu Hause einen Aufstand erleben. Rentner, die in eine „Tofuwurst“ beißen und in eine tiefe Identitätskrise stürzen. Welch ein Glück, dass die Politik hier endlich durchgreift und uns vor uns selbst schützt. Bundeskanzler Friedrich Merz fasste die ganze geistige Tiefe des Vorhabens in dem Satz zusammen: „Eine Wurst ist eine Wurst. Wurst ist nicht vegan.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Das ist politische Führung.
Dass Kritiker wie der CDU-Abgeordnete Peter Liese von „Unsinn“ sprechen und darauf hinweisen, dass es „wirklich andere Probleme“ gäbe, ist offensichtlich Schwarzmalerei. Und die Behauptung von Verbraucherschützern, dies sei kein Verbraucherschutz, sondern „Lobbyismus im Dienste der Fleischindustrie“, ist eine bösartige Unterstellung. Es geht allein um die Klarheit. Niemand soll mehr getäuscht werden.
Wenn wir diesen Gedanken konsequent zu Ende denken, eröffnet sich ein ganzes Universum neuer Regelungen. Was ist mit dem Fleischsalat, der oft mehr aus Mayonnaise als aus Fleisch besteht? Was ist mit den Blutorangen, die glücklicherweise blutfrei sind? Und die Sonnenmilch darf man auch nicht trinken! Hier besteht dringender Handlungsbedarf.
Und vielleicht sollten wir gleich beim Wort „Europa“ anfangen. Es wird für einen Kontinent, eine politische Union und eine Gestalt aus der griechischen Mythologie verwendet. Ein untragbarer Zustand der Verwirrung! Wir fordern daher, dass die Verwendung des Wortes „Europa“ künftig nur noch unter strengen Auflagen erlaubt ist, um jedes Verwechslungsrisiko auszuschließen. Die neue Wortpolizei, die gerade erfolgreich den Burger gerettet hat, wird sicher bald Kapazitäten frei haben.
Quelle: DIE ZEIT, EU-Parlament will Bezeichnungen wie „Veggieburger“ verbieten.



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