
Wenn ein Zeitungsartikel Milliarden kostet
Es scheint, als hätte Donald Trump eine neue Strategie im Kampf gegen unliebsame Berichterstattung: einfach mal Klage einreichen, am besten gleich auf Milliardenhöhe. Wenn Medienhäuser dann brav zahlen, wie im Fall von Paramount, ABC und Meta geschehen, und unliebsame Stimmen wie die von Stephen Colbert verstummen, dann ist das doch sicher nur guter Geschäftssinn, oder? Und jetzt hat es sogar Rupert Murdoch erwischt, den Medienmogul, dessen „Wall Street Journal“ es wagte, über eine etwas pikante Angelegenheit im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein zu berichten.
Der „Epstein-Brief“ und die zehn Milliarden Dollar Schmerzensgeld
Stellt euch vor, einflussreiche Zeitungen berichten über einen „anzüglichen“ Geburtstagsgruß von Donald Trump an Jeffrey Epstein, inklusive der Zeichnung einer nackten Dame und einer Unterschrift, die verdächtig nach Schamhaaren aussieht. Und dann soll dieser Brief auch noch ein „gemeinsames Geheimnis“ zwischen den beiden anspielen. Das „Wall Street Journal“ hat’s gebracht, und Präsident Trump? Der bestreitet natürlich alles und schlägt mit einer 10-Milliarden-Dollar-Klage zu. Zehn Milliarden! Da kann man nur den Kopf schütteln und sich fragen: Ist das noch Verleumdung oder schon die kreative Preisgestaltung der Wahrheit?
Das Zynische daran: Trump beschuldigt die Journalisten, die Story erfunden zu haben, um seinen Ruf zu schädigen. Er behauptet, er zeichne überhaupt keine nackten Frauen. Ja, klar. Man stelle sich vor, ein sehr mächtiger Politiker verklagt eine renommierte Zeitung auf eine absurde Summe, weil sie über einen Brief berichtet, der ihn mit einem verurteilten Sexualstraftäter in Verbindung bringt. Und das Justizministerium soll dann auch noch Akten freigeben, die Trump eigentlich schon längst versprochen hatte, die aber bisher nie auftauchten. Das ist schon ein spektakuläres Schauspiel, das uns da geboten wird. Man könnte fast meinen, es geht gar nicht um die Wahrheit, sondern darum, Medienunternehmen so massiv unter Druck zu setzen, dass sie zukünftig vielleicht zweimal überlegen, ob sie überhaupt noch kritisch berichten wollen. Schließlich ist so ein 10-Milliarden-Euro-Rechtsstreit nicht gerade förderlich für die Geschäftszahlen, oder?
Wenn der Humor verstummt und die Kassen klingeln
Was lernen wir daraus? Medienfreiheit ist ein hohes Gut, aber offenbar auch ein sehr teures. Erst Paramount, ABC und Meta, die mit Millionen-Vergleichen die Klagen vom Tisch wischten und damit unfreiwillig das Geschäftsmodell „Klage gegen unliebsame Berichterstattung“ etablierten. Und dann plötzlich die Einstellung von Stephen Colberts Late Show, dem prominentesten Comedy-Kontrahenten von Trump, angeblich aus „finanziellen Gründen“. Welch ein Zufall, nicht wahr? Nun trifft es also auch Murdoch, der mit seinem Medienimperium vielleicht geglaubt hat, er sei unangreifbar. Doch wenn selbst ein solcher Gigant mit einem zweistelligen Milliardenbetrag konfrontiert wird, dann wird es eng für die Pressefreiheit – oder zumindest für die Kassen der Medienunternehmen.
Es ist fast so, als ob man die Medienlandschaft der USA in eine Art Stillekammer verwandeln will, wo nur noch das zu hören ist, was dem Präsidenten gefällt. Wer seine Meinung kundtun will, muss eben damit rechnen, dass er dafür zur Kasse gebeten wird. Ein cleverer Schachzug, wenn man bedenkt, wie effektiv Klagen Medien dazu bringen können, sich selbst zu zensieren.
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