Drohnen-Realität trifft auf deutsche Tagträume

Die Welt rüstet auf, Drohnen revolutionieren die Kriegsführung und sind in Konflikten wie der Ukraine längst kriegsentscheidend. Sie jagen Panzer, zerstören Infrastruktur und sind für einen Großteil der Opfer verantwortlich. Experten sind sich einig: Ohne Drohnen – sowohl zur Aufklärung und zum Angriff als auch zur Abwehr – ist moderne Verteidigung undenkbar. Deutsche Start-ups, insbesondere im Raum München, entwickeln Spitzentechnologie im Drohnenbereich, die international Beachtung findet und in der Ukraine bereits im Einsatz ist.

Doch während andere Nationen handeln und ihre Arsenale füllen, testet die Bundeswehr noch, gründet Arbeitskreise und bestaunt, wie unbekannte Drohnen ungestört über ihre eigenen Kasernen fliegen.

Die Diskrepanz zwischen technologischer Möglichkeit und realer Ausstattung bei der Truppe könnte kaum größer sein.

Deutsche Gemütlichkeit und die SPD: Wenn Bürokratie zur Sicherheitslücke wird

Man möchte fast applaudieren – wenn es nicht so brandgefährlich wäre. Deutschland, das Land der Dichter, Denker und offenbar auch der weltmeisterlichen Zauderer, steht einmal mehr vor einer technologischen Revolution im Militärwesen und drückt genüsslich die Schlummertaste. Während andere Nationen die Zeichen der Zeit erkannt haben und ihre Armeen mit Kampfdrohnen ausstatten, hat Deutschland dank der jahrelangen moralisierenden Nabelschau insbesondere der SPD die Beschaffung bewaffneter Drohnen wie der Heron-TP effektiv blockiert. Nun, da der Wecker namens Realität ohrenbetäubend schrillt, hat man zwar fünf Drohnen geleast – eine ist da, die Bewaffnung kommt irgendwann. Ein Tropfen auf den heißen Stein, während die Uhr tickt.

Die Task Force Drohne im Verteidigungsministerium? Hat nach getaner Arbeit einen Bericht vorgelegt. Man stelle sich das vor: Ein Bericht! Wahrscheinlich in schönster Amtssprache und mit ausreichend Begründungslyrik, warum alles so kompliziert und langwierig sein muss. Währenddessen testen die Beschaffer in Koblenz ein paar Kamikazedrohnen. Eine Entscheidung über einen möglichen Kauf? Vielleicht bis Ende des Jahres. Dann jährt sich der russische Angriff auf die Ukraine bald zum vierten Mal – ein Tempo, das Schnecken vor Neid erblassen ließe.

Es ist ja nicht so, als gäbe es keine deutschen Firmen, die liefern könnten. Im Gegenteil, Start-ups wie Tytan, Quantum Systems und Helsing beweisen Innovationskraft und sind teilweise bereits „schlachterprobt“. Doch diese Dynamik prallt auf die gemütliche Bundeswehrverwaltung, die den Begriff „dringend“ offenbar als dehnbares Konzept interpretiert. Man kann es nicht anders sagen: Es ist ein Armutszeugnis, wenn deutsche Unternehmen im Ausland Erfolge feiern, während die eigene Armee hilflos zusehen muss, wie fremde Drohnen über ihrem Hoheitsgebiet und ihren Bundeswehrstandorten kreisen.

Diese fahrlässige Trägheit ist nicht nur peinlich, sie ist existenzbedrohend. Geheimdienste warnen, dass Russland schon in den kommenden Jahren die NATO herausfordern könnte. Eine Armee jedoch, die weder über nennenswerte Drohnenkapazitäten verfügt noch sich effektiv gegen sie verteidigen kann, wird zu einem leichten Ziel. Deutschland verschläft hier nicht nur den Anschluss an eine militärische Schlüsseltechnologie, sondern setzt fahrlässig seine eigene Sicherheit und die seiner Bündnispartner aufs Spiel. Aber keine Sorge, wir haben ja Bürokraten und Berichte. Das wird den Gegner sicher mächtig beeindrucken. Danke auch, SPD, für die wertvollen Jahre des Zögerns, die uns jetzt so bitter fehlen.

Quelle: DIE ZEIT, 23/2025, „Kampfdrohnen: Die anderen haben Kampfdrohnen. Wir haben Bürokraten“, von Dr. Hauke Friederichs und Marc Widmann, aktualisiert am 3. Juni 2025.


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