
Wenn Wissen zur Ware wird – warum wir Elon Musk jetzt ausbremsen sollten
Die Wikipedia war lange das Paradebeispiel dafür, dass freies Wissen für alle erreichbar sein kann. Doch gegenwärtig droht das größte offene Lexikon der Menschheit zu einem Spielball milliardenschwerer Machtpolitik zu werden. Elon Musk – unterstützt von der Heritage Foundation und dem trump-nahen Staatsanwalt Edward Martin – diffamiert die Enzyklopädie als „Wokepedia“, ruft zum Spendenboykott auf und stellt ihren Gemeinnützigkeitsstatus infrage. Ihr gemeinsames Ziel: die Glaubwürdigkeit der Plattform zu zerstören, Autor*innen einzuschüchtern – und damit den Zugang zu geprüften Fakten zu privatisieren.
Der Angriff auf das offene Netz
- Musk nutzt seine riesige Reichweite, um den Vorwurf der „unausgewogenen Berichterstattung“ aufzublasen.
- Die Heritage Foundation erwägt, anonyme Mitarbeitende zu doxen und so mundtot zu machen.
- Staatsanwalt Martin droht mit rechtlichen Schritten und stellt die Wikipedia in eine Reihe mit „Sicherheitsrisiken“.
Diese Strategie folgt dem klassischen Kulturkampf-Playbook: Man beruft sich lautstark auf „Meinungsfreiheit“, um anschließend jene Institution zu attackieren, die eben diese Freiheit durch Quellennachweise und Konsensorientierung schützt.
Was auf dem Spiel steht
- Demokratischer Diskurs: Ohne ein allgemein zugängliches Nachschlagewerk zerfällt die gemeinsame Faktengrundlage.
- Chancengleichheit: Wenn Recherche hinter Bezahlschranken verschwindet, wird Wissen ein Luxusgut – nur Reiche können es sich leisten, gründlich informiert zu sein.
- Autor*innensicherheit: Einschüchterungskampagnen führen bereits dazu, dass Freiwillige weniger zu Klimakrise, Gesundheit oder Menschenrechten beitragen – Themen, die machthabende Kreise gerne kontrollieren möchten.
Was jetzt passieren muss
- Zivilgesellschaftliche Unterstützung: Jede zusätzliche Spende stärkt Server, Rechtsschutz und digitale Sicherheitsprogramme.
- Politischer Rückenwind: Demokratien sollten klarstellen, dass offene Wissensallmende keinen Raum für wirtschaftliche oder staatliche Erpressung bietet.
- Öffentliche Solidarität: Sichtbare Rückendeckung für Autor*innen senkt die Kosten des Engagements und erhöht die Kosten der Angriffe.
Wenn wir nicht handeln, geraten Fakten selbst in Privatbesitz – kuratiert von milliardenschweren Akteuren, deren Interesse nicht die Wahrheit, sondern die Profit- und Machtmaximierung ist. Wissen ist ein Menschenrecht, kein Luxusartikel. Wer der Wikipedia den Boden entzieht, öffnet die Tür zu einer Welt, in der sich nur noch wenige das Recht auf Information leisten können.
Quelle – ZEIT ONLINE: „Wikipedia: Angriff auf das Wissen der Welt“, 1. Mai 2025.
Im Artikel bedeutet „doxen“, dass die Identität von Wikipedia-Autor*innen, die normalerweise unter Pseudonym schreiben, öffentlich gemacht wird – oft mit dem Ziel, sie einzuschüchtern, zu bedrohen oder gesellschaftlich oder beruflich zu schädigen.
Das Wort kommt von „documents“ und beschreibt die Praxis, persönliche Daten wie Namen, Adressen oder Arbeitsplätze ohne Zustimmung zu veröffentlichen. In diesem Kontext soll das sogenannte Doxing die Beteiligten davon abhalten, weiterhin zur Wikipedia beizutragen – besonders bei kontroversen Themen.



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