
Inmitten des endlosen Tanzes von Sternen und Galaxien scheint der Mensch wie ein flüchtiger Gedanke. Ein Funke in der Weite des Universums, das weder Anfang noch Ende zu kennen scheint. Für uns aber, begrenzt durch Zeit und Körper, gibt es Abende – einen Abschluss nach Tagen des Schaffens, des Suchens, des Hoffens.
Doch wann, so fragen wir, ist „aller Tage Abend“? Die Redewendung klingt wie ein Trost: Solange der Abend noch nicht gekommen ist, bleibt Zeit – für Liebe, Fehler, Erkenntnis. Und doch stellt sich die Frage: Wird es je einen solchen Abend geben?
Das Universum kennt keine Abende. Es expandiert unermüdlich, treibt voran, während Sterne sterben und neue geboren werden. Ein menschlicher „Abend“ ist nur ein Konstrukt, ein Rahmen, um das Unfassbare zu begreifen. Vielleicht bedeutet „aller Tage Abend“ nicht das Ende des Kosmos, sondern das Erreichen eines letzten Punktes – unserer Erkenntnisgrenze, des endgültigen Friedens, oder des Moments, in dem der Mensch begreift, dass er Teil von etwas ist, das seine eigenen Grenzen übersteigt.
Bis dahin aber bleibt das Leben wie ein nie endendes Morgenrot – stets neu, stets offen.
Der Abend kommt nicht, solange der Mensch noch fragt.



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