Die Wahrheit über die Morgendämmerung der Überarbeiteten

In den stillen Stunden, wenn die Nacht langsam ihren dunklen Mantel lüftet und die Welt noch in tiefem Schlummer liegt, gibt es eine seltene Spezies, die bereits wach ist: den Früharbeiter. Dieser faszinierende Homo Sapiens, oft gesichtet in seinem natürlichen Habitat – dem heimischen Schreibtisch oder, für die besonders Exotischen, in einem 24-Stunden-Café – beginnt seinen Tag, wenn andere ihn gerade erst beenden. Doch was treibt dieses nachtaktive Wesen an, zu solch unchristlicher Stunde seine Arbeit zu verrichten? Die Antwort ist so einfach wie vielschichtig: unruhiger Schlaf, eine schier endlose To-do-Liste oder, in den meisten Fällen, eine Kombination aus beidem.

Die erste Kategorie, die Schlaflosen, sind jene, die von der rastlosen Muse der Insomnie geküsst wurden. Sie wälzen sich im Bett, zählen Schafe, Sterne, ja, sogar die Muster in der Tapete, doch nichts vermag es, sie in die süßen Arme Morpheus‘ zu führen. Also, was bleibt ihnen anderes übrig, als aufzustehen und sich an den Schreibtisch zu setzen? Es ist eine traurige Ironie, dass gerade der Versuch, dem Gehirn eine sinnvolle Beschäftigung zu geben, um es vom endlosen Überdenken abzulenken, oft dazu führt, dass es erst recht auf Hochtouren läuft.

Dann gibt es die zweite Gruppe, die Überarbeiteten. Für sie ist der Tag mit seinen läppischen 24 Stunden einfach zu kurz für all die Meetings, E-Mails, Projekte und Deadlines, die sich wie ein Damoklesschwert über ihren Köpfen aufbauen. Sie greifen nach den ungenutzten Stunden vor Sonnenaufgang wie ein Ertrinkender nach einem Rettungsring, in der Hoffnung, ein wenig Vorsprung in ihrem unaufhörlichen Rennen gegen die Zeit zu gewinnen. Doch wie jeder weiß, der schon einmal versucht hat, gegen die Zeit anzukämpfen, ist sie ein Gegner, der sich nicht besiegen lässt. Für jeden Punkt, den man von seiner Liste streichen kann, kommen zwei neue hinzu, und so wird der frühe Morgen schnell zum besten Freund und schlimmsten Feind.

Und schließlich gibt es jene tapferen Seelen, die in beiden Welten leben – geplagt von Schlaflosigkeit und einem Berg von Arbeit, der sich niemals zu verringern scheint. Sie sind die wahren Helden unserer Zeit, die mit leeren Kaffeetassen bewaffnet in den Kampf ziehen, immer bereit, die Dunkelheit mit dem schwachen Licht ihrer Bildschirme zu bekämpfen.

Doch egal, zu welcher Gruppe man gehört, eines bleibt unbestreitbar: Wenn man morgens um 4 Uhr bereits am Schreibtisch sitzt, dann ist man entweder ein unermüdlicher Krieger im Kampf gegen die Widrigkeiten des Lebens oder einfach nur jemand, der die Snooze-Taste seines Weckers nicht gefunden hat. In beiden Fällen ist eines sicher – der nächste Tag wird mit ziemlicher Sicherheit mit einem großen Becher Kaffee beginnen. Oder zwei. Oder drei.


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Kommentare

3 Kommentare zu „Die Wahrheit über die Morgendämmerung der Überarbeiteten“

  1. Mein Mann war ein Frühaufsteher – sein Tag begann gegen fünf, endete allerdings auch spätestens um 22 Uhr. Zu tun hatte er immer etwas, vor allem Gedanken sortieren und aufschreiben. Mein Jüngster lebt nach dem gleichen Rhythmus, ganz der Vater; nur Schreiben liegt ihm nicht. Ich bin eher die Nachteule.

  2. Ja, ich bin auch eine Nachteule.
    Oder sagen wir so: prinzipiell auch eine Lärche – so ab 11 Uhr in etwa.

  3. 🤗

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