Die Diener von heute – Klick, klick

Es klingelt an der Haustür, ich mache auf und wenig später kommt er aus dem Aufzug, auf einem Wagen vor sich ein paar Kisten mit Getränken. Hatte ich online geordert, sehr bequem.

Er ist ein bisschen mürrisch, aber ich sage, stellen Sie die Kästen einfach hier ab, den Rest mache ich. Ich drücke ihm noch 2 € in die Hand und bedanke mich.

Dann taut er ein bisschen auf und sagt, wenn es immer so wäre wie bei Ihnen, das wäre so einfach. Mit Aufzug! Aber es gibt Leute, die wohnen im fünften Stock, ohne Aufzug ! Dort schleppt er dann fünf Stockwerke die Kästen nach oben. Und die leeren Pfandkästen wieder nach unten.

Es gibt sie also noch: Diener. Oder genauer gesagt, es gibt sie wieder. Sie sind nicht abgeschafft, sie sind nur anders als damals in der guten alten schlechten Zeit. Man kann sie mieten mit einem Klick und sie machen sich dann den Rücken für einen kaputt. Aber manchmal hat so ein Diener Glück und man hat einen Aufzug.

Nun ist ihre Arbeit vielleicht nicht die schlechteste. Es gibt sicher unangenehmere Arbeiten. Wer einmal am Fließband in einer Fabrik gestanden hat, wüsste es vermutlich zu schätzen, in Kastenwagen der Firma herumzufahren und Getränke auszuliefern und wieder mitzunehmen. Eine gewisse Freiheit ist das doch. Aber es sind Jobs, die schwer sind, die wohl nicht sonderlich gut bezahlt sind und die, wie in diesem Fall, sicherlich auf Dauer den Rücken kaputt machen. Oder die Gesundheit. Wenig Geld für harte Arbeit.

Und daher kommt es wohl, dass Menschen mit höherer Bildung länger leben, einfach schon deswegen, weil sie Jobs und Berufe finden, in denen sie sich körperlich weniger aufopfern müssen. Und dass sie höhere Bildung genießen, ist zwar einerseits in Deutschland für alle Menschen theoretisch und prinzipiell möglich, de facto kommt es aber doch auf die Herkunftsfamilie an. Auf die Eltern, die einen auf eine höhere Schule schicken, oder eben nicht, die einen bei Schwierigkeiten in der Schule und in der Pubertät unterstützen, oder eben nicht. Wenn Kinder und Jugendliche in den entscheidenden Phasen nicht die unterstützung erhalten, die sie brauchen, dann verlieren sie viel. Denn Kinder und Jugendliche überblicken nicht das, was ein erwachsener Mensch überblicken kann.

In Deutschland ist das angestrebte Ziel zwar Bildungsgerechtigkeit, aber die Messlatte ist noch weit oben und es dürfte wohl noch dauern, bis sie gesamtgesellschaftlich tatsächlich erreicht wird. Es gibt sicher noch viel zu tun.

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