„Die russischen Soldaten hatten Kinderköpfe auf ihren Bajonetten aufgespießt“

Eigentlich wollte ich diesen Artikel, den ich schon vor Wochen geschrieben hatte, nicht veröffentlichen, bis dann heute diese Meldung aus der Ukraine kam:

Will Russia be able to recover from this & come back to the community of civilised nations?
For now, it brings the darkness of the middle ages to its neighbours & peoples around the globe

russianworld arrived to the occupied Popasna in Donbas

A head of a Ukrainian PoW on a stick https://t.co/bnbRxt8o8q

Kürzlich erzählte mir meine Cousine Dinge aus dem Zweiten Weltkrieg aus unserer Familie, die ihre Eltern erst auf dem Sterbebett preisgegeben haben, vorher konnten sie nicht darüber sprechen.

Meine Tante erzählte meiner Cousine, also ihrer Tochter, auf dem Sterbebett, was sie seit der Flucht aus Ostpreußen an grauenvollen Erlebnissen tief in ihrem Inneren mit sich herumtragen musste. Das Schlimmste für meine Tante war gewesen, dass russische Soldaten in ihr Dorf kamen. Auf den Bajonetten ihrer Gewehre hatten sie Kinderköpfe aufgespießt. Dieses Bild konnte meine Tante ihr ganzes Leben nicht mehr vergessen.

Sie berichtete auch davon, wie russische Soldaten Kinder zerteilt hatten, deren kleine Körper dann herumlagen. Besonders schlimm war auch, dass russische Soldaten Kinder vor den Augen ihrer Mütter erschossen, dann die Mütter vergewaltigten, oft zu mehreren, und danach die Mütter ebenfalls erschossen.

Und meine Tante berichtete auch davon, wie in den Gräben an den Landstraßen immer wieder von den russischen Soldaten vergewaltigte und danach ermordete Mädchen und Frauen lagen.

Mein Onkel hatte es auch nicht besser. Als er 16 Jahre alt war und gerade in dem Laden stand, in dem er eine Lehre machte, kamen russische Soldaten und verschleppten ihn nach Sibirien. 8 Jahre Straflager. Ein Freund hatte ihn warnen wollen, er meinte, sie müssten jetzt unbedingt fliehen, die Russen würden sie holen, aber mein Onkel meinte, er habe doch nichts getan. Er konnte sich die Brutalität des russischen Militärs nicht vorstellen. Der Freund floh und gelangte in die USA, mein Onkel wurde ins sibirische Straflager verschleppt.

Dort saß er lange Zeit in einer Einzelzelle in Haft. Besonders schrecklich ist ihm in Erinnerung geblieben, dass nachts immer die Soldaten kamen, Zellen aufsperrten und andere Inhaftierte herausholten zur Exekution. Manche von ihnen wehrten sich so stark, dass sie dann gleich auf dem Gang erschossen wurden. Irgendwann betete mein Onkel nur noch darum, dass sie als nächstes ihn holen mögen, weil er diese Todesangst nicht mehr ertragen konnte. Sie holten ihn nicht.

Und dann die Schwester meiner Cousine. Ihre Schwiegermutter war ebenfalls aus Ostpreußen auf der Flucht, sie wurde von ihrer Familie getrennt. Sie war damals 14 Jahre alt. Russische Soldaten auf einem Lastwagen sammelten sie auf und nahmen sie mit. Irgendwann bemerkte sie, dass die Soldaten auf russisch über sie redeten, während der Fahrt sprang sie ab. Es half nichts, sie wurde von russischen Soldaten vergewaltigt. Sie konnte fliehen und fand Zuflucht bei einem Bauern. Er nahm sie nicht etwa in die warme Stube hinein, es war Winter, aber immerhin durfte sie sich in der Scheune von ihrer Peinigung ein wenig erholen. Zusammen mit einer Weggefährtin setzte sie ihre Flucht fort, sie lebten in Wäldern und Höhlen. Manchmal bettelte sie bei Bauern um eine Karotte oder etwas ähnliches, oft bekam sie nichts.

Nach dem Krieg machte sie sich auf die Suche nach ihren Eltern, schließlich fand sie sie wieder.

Mein Onkel auf dem Sterbebett schreckte immer wieder hoch und schrie, die Russen kommen, die Russen kommen ! Meine Cousine, die nächtelang bei ihm wachte, tat irgendwann so, als hätte sie ein imaginäres Gewehr in der Hand und machte Gewehrgeräusche mit dem Mund und teilte ihm mit, keine Sorge, ich habe sie alle erschossen, sie können nicht kommen, sie können dir nichts tun! Dann sank er, etwas erlöst für den Augenblick, wieder zurück in die Kissen seines Sterbebettes, bis die Panikattacken einige Zeit später wieder von neuem losgingen.

Wenn man sich die Massaker in den Medien durchliest und ansieht, die von russischen Soldaten in unseren Tagen heute in der Ukraine verübt worden sind und aktuell sicher auch verübt werden, stellt man ernüchtert und erschrocken fest, dass sich an deren Brutalität offensichtlich nicht viel verändert hat.

Quelle: Mikhail Khodorkowsky auf Twitter

2 Gedanken zu “„Die russischen Soldaten hatten Kinderköpfe auf ihren Bajonetten aufgespießt“

  1. Es ist erstaunlich, das die Kriegsgeneration mit diesem grausamen Erlebnissen leben und alt werden konnten, manche sogar sehr alt wurden.

    Meine Eltern erlebten die Krieg ebenfalls mit und erzählten uns Kinder so gut wie gar nichts darüber. Es fielen hier und da mal ein paar Sätze und das war´ s dann auch schon. Trotzdem blieben die wenigen Sätze in meiner Erinnerung bis heute haften. Die Schwerpunkte waren jedoch unterschiedlich. Mein Vater erlebte die Grausamkeit in den eigenen Reihen. Er musste ja schon als junger Mann in den Krieg ziehen.
    Während meine Mutter vor den Russen fliehen musste, weil die Frauen, wie in Beitrag beschrieben wurden, gejagt und vergewaltigt wurden. beide wurden jedoch nicht so schwer verletzt, weder körperlich, noch mental, dass man sie als „kaputt“ bezeichnen konnte. Mein Vater besaß – obwohl ein kleiner Mann – eine starke mentale Kraft.

    Aber diese grausamen Beschreibungen zeigen auf, wie sehr die Menschen durch die permanente Hetze und Demagogie aggressiv und verroht werden und vor jeden Menschenleben den Respekt verlieren. Die meisten Männer kehrten mental kaputt aus dem Krieg heim und tyrannisierten anschließend zu Hause ihre Familien.

    Bei einem der wenigen Gespräche, die ich mit meinem Vater darüber führte, fragte ich ihn, ob die Demagogie heute noch funktionieren würde. Er glaubte das nicht, weil „die Menschen heute klüger geworden sind, haben gelernt und ein sicheres Leben im Wohlstand und würden sich nicht mehr verblenden lassen“ Das beruhigte mich damals und ich sah meine Zukunft ohne Kriegshetze und Krieg. Die Menschen sind ja klüger geworden. Doch die Aussage meines Vaters wurde durch Putin nun nun wieder ausgelöscht.

    Ich denke, dass die Verrohung der Menschen schon mit der Demagogie beginnt, ein starken Feindbild wird aufgebaut und werden sie dann auf den angeblichen Feind losgelassen, kennt die Verrohung, mit ihrer einhergehenden Grausamkeit keine Grenzen mehr.

    Wer die Gräueltaten begeht, zerstört nicht nur das Leben der anderen, sondern auch sein eigenes Leben, denn dessen Leben wird nie mehr das sein, was es vorher war. Ihre menschliche Seele wird ausgebrannt sein.

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    1. Danke für deinen Kommentar. Meine Cousine meinte, dass diese Generation von damals auch nie gelernt hatte, über diese Erlebnisse zu reden. Sie kamen zurück aus dem Krieg und mussten einfach funktionieren. Eigentlich hätten sie eine Psychotherapie gebraucht. Aber das gab es damals nicht. Und so funktionierten sie. Meine Tante und mein Onkel funktionierten soweit auch ganz gut, aber wie man dann eben auf dem Sterbebett sah, gab es diese ganz tiefen Verletzungen, die nie wieder weggegangen waren.
      Und ja, Menschen, die im Krieg Gräueltaten begehren, zerstören dadurch sicher zu einem Teil auch ihr eigenes Leben, weil sie ein Monster in sich geweckt haben, dass sie wahrscheinlich nie wieder aus dem Kopf bekommen.

      Gegen Demagogie hilft meines Erachtens Bildung, Aufklärung und auch Herzensbildung. Ganz sicher ist man davor aber wahrscheinlich nie. Hier in den westlichen Demokratien und Rechtsstaaten mit unterschiedlichen Medien, die aufmerksam sind, ist man insgesamt aber wahrscheinlich sicherer, als in autokratischen Staaten, wo Bürgerinnen und Bürger von vornherein überhaupt nicht aufmerksam sein sollen.
      Aber wenn man sich einmal anschaut, wie Donald Trump seinen versuchten Staatsstreich, den Sturm auf das Kapitol, angezettelt hatte, wenn man sich ansieht, wie gespalten die US-amerikanische Gesellschaft ist, dann merkt man, dass Demokratie und Rechtsstaat wohl kein Automatismus sind, um vor autokratischen Tendenzen wirksam zu schützen. Es gilt immer, wachsam zu bleiben.

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