Nein, die NATO ist nicht in den Krieg eingetreten. Und ein Weltkrieg ist eher unwahrscheinlich.

Der russische Außenminister Lawrow versucht gerade, den Westen zu beunruhigen. Einerseits sei angeblich die NATO durch ihre Waffenlieferungen in den Krieg eingetreten, den Russland gegen die Ukraine führt, andererseits könne ein Weltkrieg entstehen.

Die erste Behauptung ist komplett falsch, die zweite unwahrscheinlich.

Baltische Staaten bezeichnen Lawrows Warnung vor einem Atomkrieg als „Erpressung“

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Lettland und Litauen zeigen sich nach Aussagen des russischen Außenministers, der Krieg könne zu einem globalen Konflikt eskalieren, unbeeindruckt. „Wenn Russland den dritten Weltkrieg androht, dann ist das ein klares Zeichen dafür, dass die Ukraine Erfolg hat“, schrieb der lettische Außenminister auf Twitter.

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„Wir sollten der russischen Erpressung nicht nachgeben, sondern unsere Unterstützung für die Ukraine und die Sanktionen gegen Russland verdoppeln„, ergänzte Edgars Rinkēvičs. Nur ein entschlossenes Vorgehen könne internationales Recht wiederherstellen.

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Zuvor hatte Russlands Außenminister vor der Gefahr eines dritten Weltkriegs gewarnt. Sie dürfe nicht unterschätzt werden, sagte Sergej Lawrow im Staatsfernsehen. Gleichzeitig drohte er mit Angriffen auf westliche Waffenlieferungen an die Ukraine. Die Ukraine sei ein „Stellvertreter“, über den die Nato „de facto in einen Krieg mit Russland tritt“. 

Quelle ZEIT ONLINE

Es ist völkerrechtlich völlig legitim, einem angegriffenen Land Waffen zu liefern, damit es sich verteidigen kann. Genau das tut die NATO. Die NATO greift Russland nicht an. Russland jedoch greift entgegen dem Völkerrecht die Ukraine, ein freies und demokratisches Land, an und zerstört es. Völkerrechtlich darf man der Ukraine Waffen liefern, man wird dadurch keine Kriegspartei.

Allerdings deutet sich hier schon an, dass der Kreml, wie bisher auch, sich seine Argumente so bastelt, wie er sie gerade eben braucht. Eine tiefere Logik wird man im Westen hier nicht erkennen können, nur eine Logik dergestalt, dass die Dinge, die beispielsweise Lawrow sagt, für die russischen Medien gedacht sind, weniger für die westlichen Medien.

Und das zweite: droht nun ein Weltkrieg? Lawrow spielt offensichtlich bewusst mit dieser Angst.

Antwort: Ein Weltkrieg droht dann, wenn Putin einen führen möchte. Das ist aber unabhängig davon, wie der Westen sich verhält. Hätte Putin die Überzeugung, er könnte einen Weltkrieg gewinnen, dann würde er ihn sicherlich führen. In derselben Logik, in welcher er Tschetschenien im Grund und Boden gebombt hatte, in welcher er Syrien im Grund und Boden gebombt hatte und in welcher er die Ukraine in Grund und Boden bombt.

Dass es bislang keinen Weltkrieg gibt, dürfte einzig und allein an Putins Einschätzung liegen, dass er solch einen Krieg in keinster Weise gewinnen könnte. Diese Einschätzung ist richtig. Würde Russland die NATO angreifen, würde die sich vielleicht ein bisschen sammeln müssen, dann aber so massiv zurückschlagen, dass es nichts mehr gäbe, wofür der Machtmensch Putin noch irgendwie regieren oder leben wollte. Ein Machtmensch wie Putin aber möchte natürlich nicht alles verlieren, was er hat, er denkt sicherlich nicht wie ein potentieller Selbstmörder, sondern wie einer, der seine Macht erhalten möchte.

Selbst, wenn diese Macht dezimiert wird, wovon man ausgehen muss, dürfte Putin immer noch an seinem gigantischen Reichtum hängen und könnte sich in sein gewaltiges und immens teures Anwesen irgendwo in Russland zurückziehen und dort sein Leben fristen, bewacht von gut bezahlten Leibwachen. Auch das wäre immer noch besser für ihn, als alles zu verlieren.

Insofern ist ein Weltkrieg eher unwahrscheinlich. Denn wie gesagt, wenn Putin es irgendwie so einschätzen würde, dass Chancen für ihn bestünden, einen solchen Krieg zu gewinnen, hätte er ihn längst begonnen. Das hat er aber nicht, weil sonst Putin nichts mehr hätte, wofür er leben sollte. Kein Russland mehr, aber auch keinen privaten Reichtum mehr und keine gewaltigen Anwesen.

Insofern: der Westen tut gut daran, auf die Drohungen aus dem Kreml nicht weiter einzugehen, weil der Westen sonst immer weiter zurückweichen müsste. Putin und Russland, das Putin zu einer faschistischen Diktatur umgeformt hat, greifen die Demokratie und die Freiheit an.

Das kann der Westen unter keinen Umständen geschehen lassen, wenn er selbst an Freiheit und Demokratie hängt.

Denn würde der Westen hier nachgeben, müsste er immer weiter zurückweichen, bis Putin die ganze EU bis an den Atlantik mit seiner atomaren Drohung erobert hätte. Das ist völlig inakzeptabel, die rote Linie beginnt in der Ukraine. Putin hat sie bereits massiv und blutig und völkerrechtswidrig überschritten. Er muss hinter die rote Linie zurücktreten. Eine andere Möglichkeit wird es nicht geben können.

Deutschland kennt aus der eigenen Geschichte des letzten Jahrhunderts eine faschistische Diktatur, eine faschistische Diktatur hat nun auch Putin in Russland errichtet.

Weder mit Hitler, noch mit Putin konnte bzw kann man verlässliche Deals machen. Beide nehmen sich das, was in ihrer Macht steht. Daran kann man sie nur hindern, wenn man verhindert, dass sie diese Macht haben.

Und wann ist eigentlich der Krieg in der Ukraine zu Ende? Er ist genau dann zu Ende, wenn Russland seine Truppen aus der Ukraine zurückzieht und zu schießen aufhört.

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