Jahr 2040: Rückblick auf den Ukraine-Krieg, der zum gesamteuropäischen Krieg wurde

Ein fiktiver Rückblick aus der Zukunft.

Im Nachhinein ist man ja immer klüger, so sagt man. Aber ganz so ist es nicht. Einige Stimmen hatten bereits zu Kriegsbeginn, der am 24.2.22 war, davor gewarnt, was passieren könnte, wenn der Westen nicht glaubhaft reagieren würde.

Zunächst beschränkte sich der russische Angriffskrieg für mehrere Jahre tatsächlich auf die Ukraine. Eine Stadt nach der anderen wurde dem Erdboden gleichgemacht, die Flüchtlingszahlen gingen weit über 10 Millionen hinaus, irgendwann waren es an die 30 Millionen. Der Krieg kam bis ganz in den Westen der Ukraine, bis nach Lemberg. Die Infrastruktur des Landes wurde so zerstört, dass auf Jahrzehnte dort niemand mehr leben konnte.

Und irgendwann machte die russische Führung ernst mit dem, was der russische Diktator Putin vor Kriegsbeginn gesagt hatte, es gab Angriffe auf Polen und aufs Baltikum.

Die NATO reagierte, allerdings moderat, man wollte die Lage nicht weiter hochschaukeln. Dies führte dazu, dass die russische Führung sich bemüßigt sah, die Angriffe fortzusetzen und zu intensivieren. Irgendwann kam auch Deutschland an die Reihe, weil die russische Propaganda behauptete, dort würden die Nachfahren von Nazis leben, man müsse Deutschland von Nazis befreien, und außerdem sei Ostdeutschland früher einmal russisches Einflussgebiet gewesen. Die russische Propaganda wurde in Europa selbst wenig geglaubt, aber sie war auch nicht für Europa gedacht, sondern für den asiatischen Raum, für Afrika und für Südamerika. Und auch der Sender Fox News in den USA machte sich zum Sprachrohr der russischen Propaganda. Es entstanden zwei unterschiedliche Narrative, das westliche, das die Realität abbildete, und das russische, das die Realität in ihr Gegenteil verdrehte, aber am Schluss wussten viele Menschen nicht mehr, welches Narrativ das richtige war.

Insgesamt weitete sich der Krieg auf die EU aus, er ging bis nach Deutschland, Italien, das Baltikum, Polen, die Niederlande, Tschechien, Ungarn, aber sogar bis nach Spanien und Portugal. Es war nicht etwa so, dass überall die russische Armee einmarschiert wäre, sondern sie beschränkte sich darauf, zielgenau Städte mit Marschflugkörpern zu beschießen und zu zerstören. Die Atommächte Frankreich und Großbritannien sowie die USA blieben unbehelligt. Sie wagten jedoch auch nicht, weiter in den Krieg einzugreifen, um nicht selber in die Schusslinie des russischen Militärs zu beraten.

Die NATO-Beistandsverpflichtung funktionierte einigermaßen, verschiedene Länder stellten Deutschland Waffensysteme und Soldaten zur Verfügung, allerdings zu wenige, zumal auch die deutsche Bundeswehr nicht in der Lage war, die Landesverteidigung umfassend zu gewährleisten. Schließlich fiel nach jahrelangem Beschluss auch Deutschland, nachdem die meisten großen deutschen Städte weitgehend durch russische Raketen zerstört worden waren.

Man sagt ja, im Nachhinein sei man klüger. Und ja, im Nachhinein, aus dem Jahr 2040, würde man sagen, es war nicht sonderlich klug von der EU, besonders auch nicht von Deutschland, das Energie-Embargo gegen Russland nur so äußerst schwach umzusetzen, so dass man den russischen Staat noch über Jahre hinaus massiv finanzierte. Ganz besonders Deutschland hatte immer wieder betont, man sei auf das russische Erdöl und Erdgas angewiesen und außerdem dürfe man deswegen auch nicht den gesamten russischen Bankensektor aus dem Swift Zahlungssystem ausschließen.

Wie gesagt, im Nachhinein ist man immer klüger. Aber einige hatten das vorher auch schon kommen sehen, da sind sich Historiker mittlerweile einig.

Wirtschaftlich machte der russische Angriffskrieg für Russland letztlich überhaupt keinen Sinn, Russland zerfiel nach und nach und die russische Wirtschaft existierte irgendwann nicht mehr. Aber auch große Teile der EU-Wirtschaft existierten nicht mehr. In dieses Vakuum hinein expandierte schließlich China, welches dieses Vakuum militärisch und wirtschaftlich füllte. Immerhin ist nun, seit 2039, seit einem Jahr also, Frieden. Chinesischer Frieden – Demokratie und Freiheit ist das allerdings nicht.

5 russische Raketenangriffe auf Lemberg ganz im Westen der Ukraine am Ostermontag, 18.4.22.

8 Gedanken zu “Jahr 2040: Rückblick auf den Ukraine-Krieg, der zum gesamteuropäischen Krieg wurde

  1. Kann man so sehen, muß man aber nicht. Vielleicht wird man auch zu dem Schluß kommen, daß der Westen Rußland in die Enge getrieben hat und so für die russische Führung nur noch die Wahl zwischen einem schmählichen Untergang oder einer nuklearen Eskalation bestand.

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    1. Ihrer Logik nach MUSS der Westen also russisches Erdgas und Erdöl kaufen, ob er will oder nicht, damit Putin nicht eskaliert?
      Nein, das kann es nicht sein, dann würde Putins Diktatur auch den Westen umfassen.
      Es ist umgekehrt: Putin hat die russische Presse gleichgeschaltet und könnte sein Militär komplett aus der Ukraine abziehen und sogar Reparationszahlungen leisten und das ganze in Russland als Sieg über die sogenannten Nazis, die es in der Ukraine nicht gibt, und als Wiederaufbauhilfe für das sogenannte Brudervolk, das er gerade tötet, verkaufen. Nein, Putin steht nicht mit dem Rücken an der Wand, solange er die Medien kontrolliert.

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      1. Als die Mütter der in Afghanistan gefallenen Sowjetsoldaten ihre Söhne vermißten, wurde es für die Kommunisten auch verdammt ungemütlich. Das war keine Frage der Kontrolle der Presse.
        Selbstverständlich darf Putin diesen Krieg nicht gewinnen. Aber er darf ihn auch nicht demütigend verlieren. Letzteres mögen sich zwar die ukrainischen Oligarchen (und vielleicht ein paar amerikanische Kriegsprofiteure) wünschen, aber im Interesse Deutschlands und Europas kann das nicht sein.

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      2. Ob sich jemand gedemütigt fühlt oder nicht, hängt ganz von ihm selbst ab. Man wird hier nicht weiterkommen, wenn man vermutete Gefühle Putins zu respektieren versucht. Wie es in ihm psychisch ausschaut, wird bestenfalls Putin wissen, sofern er überhaupt Zugang zu sich selbst hat.
        Für die westliche Welt sollten nur die Fakten zählen: Putin bringt Vernichtung über ein freies und demokratisches Land und hat im Vorfeld des Krieges bereits auch das Baltikum und Polen bedroht. Aus diesem Grund macht es Sinn, den russischen Angriff nach besten Kräften abzuwehren und zurückzudrängen. Militärisch oder wirtschaftlich oder vielleicht beides – das kann ich nicht entscheiden.

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      3. Infolge dieser Verträge wurde Hitler stark und griff die halbe Welt an. Putin greift aber schon die halbe Welt an, vorerst die Ukraine, er hat aber schon das Baltikum und Polen ins Gespräch gebracht und Putins Sprachrohr, Medwedew, schwärmt schon von einem russischen wirtschaftlichen Reich bis nach Portugal, was in diesen Zeiten wohl nur militärisch gedacht sein kann. Insofern hinkt dieser Vergleich doch ziemlich.

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      4. Vor dem Versailler Vertrag fand – nur so zur Erinnerung – ein etwas größerer Krieg statt, in dem auf allen Seiten ein Politikverständnis zum Waffengebrauch führte, das sich von dem heutigen Verständnis Putins nur in Nuancen unterscheidet.
        Dieser Krieg war schon schlimm genug. Aber als er dann endlich endete, hatten die Politiker bereits den Grundstein für den nächsten gelegt, der dann alles in den Schatten stellte.
        Noch kann man so eine Entwicklung verhindern. Aber um das zu erreichen, müßten vorher noch ein paar Mächtige ihre Träume begraben, Rußland für alle Zeiten als wirtschaftlichen und militärischen Konkurrenten eliminieren zu können.

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      5. Russland wird wohl nicht für alle Zeiten wirtschaftlich sanktioniert sein. Aber solange es eine Diktatur ist wohl schon.
        Deutschland konnte den Neuanfang erst schaffen, nachdem die faschistische Diktatur unter Hitler beendet worden war. Vorher wäre es nicht möglich gewesen. Das dürfte in Russland analog sein.

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