Ein fiktiver Rückblick aus der Zukunft.
Im Nachhinein ist man ja immer klüger, so sagt man. Aber ganz so ist es nicht. Einige Stimmen hatten bereits zu Kriegsbeginn, der am 24.2.22 war, davor gewarnt, was passieren könnte, wenn der Westen nicht glaubhaft reagieren würde.
Zunächst beschränkte sich der russische Angriffskrieg für mehrere Jahre tatsächlich auf die Ukraine. Eine Stadt nach der anderen wurde dem Erdboden gleichgemacht, die Flüchtlingszahlen gingen weit über 10 Millionen hinaus, irgendwann waren es an die 30 Millionen. Der Krieg kam bis ganz in den Westen der Ukraine, bis nach Lemberg. Die Infrastruktur des Landes wurde so zerstört, dass auf Jahrzehnte dort niemand mehr leben konnte.
Und irgendwann machte die russische Führung ernst mit dem, was der russische Diktator Putin vor Kriegsbeginn gesagt hatte, es gab Angriffe auf Polen und aufs Baltikum.
Die NATO reagierte, allerdings moderat, man wollte die Lage nicht weiter hochschaukeln. Dies führte dazu, dass die russische Führung sich bemüßigt sah, die Angriffe fortzusetzen und zu intensivieren. Irgendwann kam auch Deutschland an die Reihe, weil die russische Propaganda behauptete, dort würden die Nachfahren von Nazis leben, man müsse Deutschland von Nazis befreien, und außerdem sei Ostdeutschland früher einmal russisches Einflussgebiet gewesen. Die russische Propaganda wurde in Europa selbst wenig geglaubt, aber sie war auch nicht für Europa gedacht, sondern für den asiatischen Raum, für Afrika und für Südamerika. Und auch der Sender Fox News in den USA machte sich zum Sprachrohr der russischen Propaganda. Es entstanden zwei unterschiedliche Narrative, das westliche, das die Realität abbildete, und das russische, das die Realität in ihr Gegenteil verdrehte, aber am Schluss wussten viele Menschen nicht mehr, welches Narrativ das richtige war.
Insgesamt weitete sich der Krieg auf die EU aus, er ging bis nach Deutschland, Italien, das Baltikum, Polen, die Niederlande, Tschechien, Ungarn, aber sogar bis nach Spanien und Portugal. Es war nicht etwa so, dass überall die russische Armee einmarschiert wäre, sondern sie beschränkte sich darauf, zielgenau Städte mit Marschflugkörpern zu beschießen und zu zerstören. Die Atommächte Frankreich und Großbritannien sowie die USA blieben unbehelligt. Sie wagten jedoch auch nicht, weiter in den Krieg einzugreifen, um nicht selber in die Schusslinie des russischen Militärs zu beraten.
Die NATO-Beistandsverpflichtung funktionierte einigermaßen, verschiedene Länder stellten Deutschland Waffensysteme und Soldaten zur Verfügung, allerdings zu wenige, zumal auch die deutsche Bundeswehr nicht in der Lage war, die Landesverteidigung umfassend zu gewährleisten. Schließlich fiel nach jahrelangem Beschluss auch Deutschland, nachdem die meisten großen deutschen Städte weitgehend durch russische Raketen zerstört worden waren.
Man sagt ja, im Nachhinein sei man klüger. Und ja, im Nachhinein, aus dem Jahr 2040, würde man sagen, es war nicht sonderlich klug von der EU, besonders auch nicht von Deutschland, das Energie-Embargo gegen Russland nur so äußerst schwach umzusetzen, so dass man den russischen Staat noch über Jahre hinaus massiv finanzierte. Ganz besonders Deutschland hatte immer wieder betont, man sei auf das russische Erdöl und Erdgas angewiesen und außerdem dürfe man deswegen auch nicht den gesamten russischen Bankensektor aus dem Swift Zahlungssystem ausschließen.
Wie gesagt, im Nachhinein ist man immer klüger. Aber einige hatten das vorher auch schon kommen sehen, da sind sich Historiker mittlerweile einig.
Wirtschaftlich machte der russische Angriffskrieg für Russland letztlich überhaupt keinen Sinn, Russland zerfiel nach und nach und die russische Wirtschaft existierte irgendwann nicht mehr. Aber auch große Teile der EU-Wirtschaft existierten nicht mehr. In dieses Vakuum hinein expandierte schließlich China, welches dieses Vakuum militärisch und wirtschaftlich füllte. Immerhin ist nun, seit 2039, seit einem Jahr also, Frieden. Chinesischer Frieden – Demokratie und Freiheit ist das allerdings nicht.
5 russische Raketenangriffe auf Lemberg ganz im Westen der Ukraine am Ostermontag, 18.4.22.



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