Es begab sich aber zu der Zeit… | Eine theologische Weihnachtsgeschichte

Es begab sich aber zu der Zeit, da viele Menschen glaubten, die Weihnachtsgeschichte sei nur eine Geschichte für Kinder.

Und in der Tat, die Weihnachtsgeschichte ist eine Beispielgeschichte, wie die Geburt Jesu stattgefunden haben könnte. Sie ist eingekleidet in erzählerische Stilmittel, die deutlich machen sollen, welch ungeheuerliche Sache hier gerade passiert.

Deswegen treten im Evangelium drei Weise aus dem Morgenland auf, ein Stern leuchtet über der Krippe, in der Jesus geboren wird, und die Engel der himmlischen Heerscharen tun nicht etwa den Chefs der damaligen Welt, den Caesaren, sondern den unbedeutenden Schäfern auf dem Feld die freudige Botschaft kund: Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr !

Erzählerisch wird hier also allerlei inszeniert, um die Bedeutung des Geschehens deutlich zu machen: der Gott, der alles erschaffen hat, den Urknall, die Evolution, das gesamte Universum, das Bewusstsein, dieser Gott, den der Verfasser des Johannes-Evangeliums dann mit dem Logos, dem Wort, der Weltvernunft, dem Ursprung von allem, gleichsetzen wird, dieser nicht wahrnehmbare und transzendente Gott entkleidet sich seiner Transzendenz und kommt nicht etwa mit Macht und Gewalt und militärisch und laut und furchteinflößend, wie manche es sich damals in dem von den Römern besetzten Landstreifen bei Bethlehem gewünscht hätten, sondern er kommt ganz klein und unauffällig und nur für diejenigen wahrnehmbar, die darauf achten. Aber gerade diesen unscheinbaren Menschen zeigt er sich zuerst und ganz besonders, darauf weisen die drei Weisen aus dem Morgenland hin, die himmlischen Heerscharen, der Stern.

Und das Göttliche, das alle Macht des gesamten Universums in sich hat, ist sich bis zum Ende seines Lebens auf der Erde nicht zu schade, von dieser Macht kaum Gebrauch zu machen. Jesus, biblischer Tradition nach in einem kleinen Stall in Bethlehem geboren, wird einen ungeahnt wirkmächtigen Lebensweg gehen, und dann von den Römern auf grausame Weise aus dem Leben geholt werden.

Doch gerade in dieser selbst auferlegten Machtlosigkeit, in diesem bewussten Verzicht auf die Allmacht, zeigt sich dieser Gott, auf den Jesus hinweist, dieser Gott, von dem Jesus erzählt, dieser Gott, der sich in Jesus zeigt. Wahrer Mensch und wahrer Gott, so wird Jesus in christlicher Tradition und Theologie beschrieben und gesehen.

Die Weihnachtsgeschichte mit ihren großen und denkwürdigen Zeichen weist auf diesen Gott hin, der hier Mensch wird. Und sie weist darauf hin, dass hier Gewaltiges entsteht. Die größte Weltreligion, die aus den Worten und Taten Jesu entwachsen ist.

Die Kirche entstand in und aus seiner Nachfolge. Und mit der Botschaft Jesu, dass das Reich Gottes bereits im Hier und Jetzt beginnt, wenn wir in dem Glauben Jesu und nach den ethischen Weisungen Jesu leben: Gottesliebe, Nächstenliebe, Feindesliebe, Selbstannahme. Und mit der tiefen Hoffnung, dass das, was uns ausmacht, unser Wesenskern, unsere Seele, nicht mit dem Körper im Tod bleibt, sondern in einer anderen Seinsweise nach unserem körperlichen Tod bei Gott weiterlebt. Auferstehung.

Die plakative und anschauliche Ausgestaltung der Weihnachtsgeschichte ist einerseits etwas für Kinder, das Narrativ und die tieferen ihm innewohnenden theologischen, ethischen und gesellschaftlichen Elemente sind aber etwas für die Erwachsenen. Und last, but not least, auch noch ein Gedanke, wahrscheinlich zuvörderst für die Erwachsenen: Wie nennt man es noch einmal, wenn jemand, der unendliche Macht hat, sich künstlich klein macht, anstatt auf die Pauke zu hauen? Richtig, Understatement.

2 Gedanken zu “Es begab sich aber zu der Zeit… | Eine theologische Weihnachtsgeschichte

  1. Frohe Weihnacht nach München ins Bayernland,
    Friede auf Erden und das Virus verbannt.
    Wir alle hier sind Kinder der Sterne,
    Die zum Fest uns leuchten aus der Ferne.
    Doch nicht alle Menschen stehen im Licht,
    Vergessen wir die Beladenen nicht.

    WEIHNACHTSGEDANKEN

    Was einst in Bethlehem gescheh’n,
    Christen gedenken und versteh’n.
    Gott ist für uns Mensch geworden,
    Verschließen wir nicht die Pforten.

    Helfen wir den Leuten in Not,
    Teilen mit den Armen das Brot.
    Ein Fest der Liebe und Eintracht
    Wollen wir feiern an Weihnacht.

    Christen, Juden, Moslems, Buddhisten;
    Alle Religionen und die Atheisten –
    Für den Planeten, die Menschheit:
    Macht Frieden, es ist höchste Zeit!

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

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