Aus christlicher Sicht soll man seinem Mitmenschen vergeben.
Die Voraussetzung dafür wird aber oft vergesessen.
Um jemandem vergeben und verzeihen zu können, muss dieser jemand zuerst um Verzeihung bitten. Dies impliziert, dass er sich seiner Schuld bewusst und die Bitte um Vergebung ernst gemeint ist. Allerdings ist das nur ein Teil der Wahrheit. Diese Art von der Vergebung ist bezogen auf den Anderen, der eine Schuld auf sich geladen hat. Er kann sich nur vergeben fühlen, wenn man ihm vergibt.
Bräuchte man als jemand, dem Schuld zugefügt würde, aber immer den Anderen, der seine Schuld erkennen kann und dann auf einen zukommt, um Vergebung zu erbitten, wäre man arm dran. Der Andere hätte Macht über einen. Deswegen geht Vergebung und Verzeihung auch so, dass man einem Anderen ohne dessen vorheriges Handeln oder ohne dessen Gegenwart vergeben kann, wenn man dies will und sich vielleicht die Umstände, in denen er lebt, vergegenwärtigt. Sobald man nämlich einem Anderen vergeben kann, wird man selbst frei und muss diese Gedanken nicht weiter mit sich herumtragen. Der Andere jedoch, dem nicht vergeben wurde, weil er nicht um Vergebung und Verzeihung gebeten hat, trägt weiterhin an seiner Schuld, die er oft auch spürt.



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