Coronatest positiv

Nun hat sie es also amtlich. Der Coronatest ist positiv. Symptome hat sie keine.

Sie arbeitet in Norddeutschland an einer Schule. Das Absurde ist, sie war eine von den zwei Lehrerinnen im Kollegium, die das Coronavirus extrem ernst genommen haben und es auch weiterhin ernst nehmen.

Wenn sie einkaufen war, beim Arzt, irgendwo, sie trug immer eine FFP2 Maske. In der Schule trug sie eine Alltagsmaske, allerdings nicht nur eine, sondern zwei übereinander. Ihr Klassenzimmer war durchflutet von Luft, alle Fenster immer offen. Zwischen ihrem Lehrerpult und der ersten Reihe hatte sie mehrere Meter Platz gelassen. Ganz anders, als bei den anderen Kollegen, ganz anders, als im Lehrerzimmer.

Nun vor ein paar Tagen die freiwillige Möglichkeit, sich testen zu lassen. Sie und ihre Kollegin ließen sich testen, sie hat nun ein positives Ergebnis.

Nun darf sie ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Glücklicherweise hat sie noch einen Gartenanteil, in dem sie sich aufhalten darf.

Der positive Test belastet sie natürlich sehr. Sie würde sich gerne einem zweiten Test unterziehen, aber sie darf ja die Wohnung nicht verlassen. Der Arzt vom Gesundheitsamt hat sie ausdrücklich darauf hingewiesen. Und nein, er sagte, es gebe in diesem Bundesland auch keine Möglichkeit, dass ein mobiles Testkommando vorbeikomme, um den ersten Test zu verifizieren und zu validieren.

Da sie keine Symptome hat, soll sie nun von zu Hause aus die Klasse per Video unterrichten, solange sie symptomfrei bleibt.

Wie es ihr damit geht, ist der Bürokratie offensichtlich herzlich egal. Ein zweiter Test würde Klarheit und möglicherweise Erleichterung bringen, zumal der Arzt vom Gesundheitsamt meinte, es könne sich um einen Testfehler handeln, weil der Wert für die Viruslast leider nicht vorliege oder alternativ keine Viruslast nachweisbar sei. Die Lehrerin bat ihn, diesen Wert dann doch bitte anzufordern. Der Herr vom Gesundheitsamt meinte, das gehe aber nicht. Es sei seltsam, dass dieser Wert nicht vorliege, es sei ungewöhnlich, dass keine Viruslast vorhanden sein, aber da könne man eben nichts machen und sie müsse nun eben zwei Wochen zu Hause bleiben.

Wenn man das so hört, kann man zu dem Ergebnis kommen, dass man sich freiwillig lieber nicht mehr testen lassen sollte. Wozu denn auch? Wenn man Abstand hält zu den anderen Menschen, wenn man die Fenster auf hat und für Durchlüftung sorgt, wenn man die Hände säubert und desinfiziert, wenn man selbst eine Maske auf hat immer dann, wenn man andere Menschen trifft, tut man damit nicht genug? und wenn man krank werden würde, würde man das dann nicht etwa merken?

Oder umgekehrt gefragt: ist es nicht fast ein wenig menschenverachtend, was dieser Lehrerin, die sich freiwillig hat testen lassen, nun widerfahren ist? Weshalb darf sie keinen zweiten Test machen? Weshalb soll sie nun in der Ungewissheit leben, dass sie möglicherweise dieses Virus hat, möglicherweise aber auch nicht, weil der werte Arzt vom Gesundheitsamt ja leider den Wert für die Viruslast nicht beschaffen kann?

Ähnlich ging es einem Bekannten vor kurzem. Er und seine Familie kamen aus Italien zurück und hatten sich kurz nach der deutschen Grenze an einer offiziellen Teststation in Bayern testen lassen. Es war ein Montag. Nach 2 Tagen sollte das Testergebnis vorliegen. Am Freitag war es immer noch nicht da.

Am Freitag gab es eine Einladung in der Familie, etwa zehn Leute, an der frischen Luft, man ging zum Essen. Über der Familie schwebte das Damoklesschwert, dass jeden Augenblick eine E-Mail hereingeschneit kommen könnte über das Smartphone, die ihnen einen positiven Test bescheinigen könnte, der zur Folge hätte, dass sie die ganze Veranstaltung und das ganze Familientreffen stante pede abbrechen müssten: „Sorry, tut uns leid, ihr seid leider alle umsonst hier zum Essen gekommen, aber wir müssen jetzt dummerweise wieder nach Hause.“ Immerhin, die E-Mail kam nicht. Zumindest erstmal nicht.

Sie kam spät nachts am Freitag. Am 5. Tag nach dem Test. Die weiteren Tests für die anderen Mitglieder im Auto kamen erst am Samstag Vormittag. Alle waren negativ.

Negativ war allerdings auch die Stimmung und groß die Anspannung bis zur Eröffnung des Testergebnisses.

Ob man also einen freiwilligen Coronatest machen sollte? Ich bin mir da nicht mehr so sicher.

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