Organspende. Wie es jetzt weitergeht

Zu Recht hat heute eine Mehrheit im Bundestag die von Gesundheitsminister Jens Spahn vorgeschlagene Widerspruchsregelung bei der Organspende abgelehnt, nach der jeder deutsche Bürger automatisch bis auf Widerspruch per Gesetz zum Organspender deklariert worden wäre.

Stattdessen setzte sich glücklicherweise der Vorschlag der Zustimmungslösung durch, den unter anderem die Grünenchefin Annalena Baerbock und die Vorsitzende der Linken, Katja Kipping, vertreten hatten. Ein Fraktionszwang bestand für die Bundestagsabgeordneten bei der Abstimmung nicht, die mit 432 zu 200 Stimmen und mit 37 Enthaltungen für die Zustimmungslösung votierten.

Künftig wird es weiterhin keine Pflicht geben, sich für oder gegen die Organspende zu entscheiden. Es soll aber mindestens alle 10 Jahre auf das Thema durch eine ausgehändigte Information hingewiesen werden, wenn Bürger beim Amt ihren Ausweis abholen, beantragen oder verlängern. Sie können sich dann vor Ort oder zu Hause leicht online in eine Organspende-Datenbank ein- oder austragen. Die Hausärzte sollen nach Möglichkeit alle 2 Jahre auf die Organspende hinweisen und beraten. Auch z.B. in Erste-Hilfe-Kursen und in der Fahrschule soll die Organspende thematisiert werden. Und ganz generell könnten natürlich darüber hinaus noch weitere Informationskampagnen geschaltet werden.

Die Entscheidung des Bundestages ist richtig, weil sie die grundgesetzlich garantierte Würde und körperliche Unversehrtheit des Menschen ernst nimmt. Durch die künftig erhöhte Fokussierung auf das Thema und die oben beschriebenen Angebote sollte sich die Zahl der tatsächlich zur Verfügung stehenden Organspender deutlich erhöhen lassen, denn laut Umfragen sind offenbar viele Deutschen für die Organspende. Ob sie das auch noch sind, wenn es um ihre eigenen Organe geht, oder ob ihre Zustimmung und positive Sicht zum Thema nur rein prinzipieller Natur sind, wird sich also künftig zeigen. Dennoch ist der eingeschlagene Weg, der die Würde des Menschen und des Menschseins durch eine aktive und bewusste Entscheidung für oder gegen die Organspende respektiert, aus ethischen Gründen der richtige.

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