Wenn einem Kind in der Schule die Handschuhe geklaut werden, dazu noch der Schal und die Mütze, alles Dinge, die das Kind zu Nikolaus geschenkt bekommen hat, gibt es Tränen.
Das Kind ist sehr traurig. Man ist zunächst versucht, dem Kind zu sagen, komm, alles nicht so schlimm, wir kaufen dir neue. Aber wein doch bitte nicht.
Bei genauerem Hinsehen sieht man aber, woher die Kränkung kommt, die das Kind da erfahren hat. Denn man stelle sich vor, das eigene Smartphone würde geklaut werden, das eigene Auto, oder etwas anderes Wichtiges. Wenn ein Mensch einem anderen nämlich etwas stiehlt, nimmt er diesen anderen Menschen dadurch einen Teil seiner Gestaltungsmöglichkeiten.
Es ist klar, ein Smartphone kann man sich wieder kaufen. Aber ein anderer Mensch, der Täter, hat einfach die Freiheiten des Diebstahlopfers nicht respektiert. Das ist die große Kränkung an der Sache. Diese Kränkung heißt, jemand hat die Grenzen überschritten, die er nicht überschreiten durfte. Er hat seine eigenen Grenzen weit über die Grenzen der anderen Menschen hinaus ausgedient. Er hat Grenzen überschritten.
Und deswegen ist ein Diebstahl einerseits zwar nur das unerlaubte Entwenden einer Sache, zum anderen ist ein Diebstahl aber auch immer ein Angriff auf die Persönlichkeitsrechte. Das erklärt die Trauer und die Kränkung. Ein Diebstahl heißt nämlich immer: das Opfer sei nicht so viel wert wie die Ansprüche des Täters. Das ist das Problem.
Jesus formulierte als ethische Handlungsanweisung die sogenannte goldene Regel, die wir oft ins Negative verdreht kennen, im Original lautet sie aber so: „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ (Mit 7,12).



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