Eben stand ich mit dem Fahrrad an einer Straße. Neben mir ein Auto, das an der Haltelinie angehalten hatte.
Vor mir ging eine Frau mit ihrem Hund über die Straße, auf dem Fußgängerüberweg zwischen beiden Ampeln.
In der Mitte der Straße setzte sich der Hund hin und verrichtete sein Geschäft. Und sein verrichtetes Geschäft war nicht gerade klein.
Es war nun kein ganz junger Hund, uralt war er aber auch nicht, irgendwo so in der Mitte seines Lebens. Sein Frauchen zog so ein bisschen an der Leine, aber so richtig von seinem Geschäft wollte sie ihn dann doch nicht abhalten.
Ich schaute sie ein wenig pikiert an, sie schaute zurück, so als wollte sie sagen, tja, was kann man da schon groß machen, wenn er mal groß muss.
Sie und ihr Hund, der sich nun erleichtert hatte, gingen auf die andere Straßenseite weiter, wo die Dame ihn noch einmal an der Leine zog und ihm ein bisschen böse ins Gesicht blickte. Ein bisschen. Böse in dem Sinne von: na, du Schlingel, was hast denn du wieder angestellt, du kleiner Schlawiner, da wird sich aber wer ganz schön umschauen, wenn er da reintritt.
Ich bin mal gespannt, wer das dann sein wird, der in sein Geschäft hineintritt. Das dürfte ziemlich stinkig werden. Vor Jahren bin ich so wo auch mal hinein getreten und hatte dann wen besucht. Wir hatten es erst beim Herausgehen bemerkt, nachdem das Zeug in der ganzen Wohnung verteilt war. Stinkig.
Und ich will jetzt gar nicht ethisch nachdenklich werden an dieser Stelle, vielleicht nur soviel, dass ich die goldene Regel, die sich im neuen Testament findet und die in der Umgangssprache immer negativ dargestellt wird, kurz einmal nennen möchte: Was du willst, das andere dir tun, das tue ihnen.
Vielleicht handelte die Frau ja nach dieser Maxime. Vielleicht tritt sie selber gerne in das große und stinkige und schmierige Geschäft von Hunden hinein. Das mag ja sein. Vielleicht wurde ich eben Zeuge einer hohen Alltagsethik.
So, ich bin dann mal weitergefahren. Ich hoffe, bis morgen hat sich dieses Geschäft schon zerdrückt. Vielleicht von irgendeinem Fußgänger, einem Radfahrer, dem das Zeug dann ins Schutzblech hinein spritzt, wenn er Glück hat, oder, wenn er Pech hat, dann noch weiter um die Ohren fliegt, oder durch ein Auto zermatscht wird, das hindurch fährt und das Zeug nach links und rechts hinweg katapultiert. Bis morgen denke ich nämlich bestimmt nicht mehr dran, wo ich nicht lang fahren darf.
Darum hoffe ich, dass sich die Sache bis morgen irgendwie geklärt haben wird.



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