An die GroKo-Verächter

Es gibt einige Leute, die werden nicht müde, klarzustellen, dass sie auf keinen Fall wieder eine Groko möchten. Die habe alles so schrecklich schlimm gemacht, keine Politik, einfach nur Stillhalten und angeblicher Stillstand über die letzten Jahre hinweg.

Wenn man dieselben Leute dann fragt, was denn anders laufen solle in der Politik, schweigen sie. Und wissen es nicht. Während sie kurz zuvor noch den Mund weit aufgerissen haben, wirken sie bei dieser Frage dann immer etwas düpiert.

Dabei ist es doch so, dass beispielsweise eine Minderheitsregierung zwar ein Maximum an politischem Zank und dauerhaftem Aufruhr generieren würde, man hätte also gewissermaßen nicht mehr den Blick nach Washington zu richten, sondern nach Berlin, aber herauskommen würde dabei wohl so wenig, wie bei den Jamaika-Koalitionsverhandlungen. Und das über vier Jahre lang. Großes gegenseitiges Angiften, laute Worte, wenig dahinter. Viel Wind um nichts und ein Europa, das sich auf Deutschland, das in nervenaufreibenden Diskussionen nur mit sich selbst beschäftigt wäre, nicht verlassen kann. Das könnte bei den nächsten Wahlen in Frankreich schiefgehen und Frankreich dann an die Radikalen fallen, an Marine Le Pen. Was wohl das Ende der EU bedeuten könnte.

Blieben noch Neuwahlen. Aber es ist zu vermuten, dass die Wähler wohl in der Mehrheit wieder ähnlich wählen würden, wie bisher. Womöglich würden sogar noch die Extremisten gestärkt aus einer Neuwahl hervorgehen. Das Problem ist, dass es in Deutschland mittlerweile sechs größere Parteien gibt, so dass es eben keine so klaren Mehrheiten mehr geben wird. Da hilft auch eine Neuwahl nichts.

Was also tun? Polittheater in einer Minderheitsregierung, bei der man jeden Tag Redestoff erhält, um zu klatschen und zu tratschen? Neuwahlen, bei denen man danach vermutlich so klug ist wie zuvor? Oder erwachsen sein, sich zusammenraufen und das machen, was das Wesen der Demokratie ausmacht, nämlich Kompromisse. In einer GroKo.

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