Blasphemie. Zur Beleidigung religiöser Gefühle

Josef Bordat. 1. Es ist zwar möglich, Debatten während eines Auslandsaufenthalts zu verfolgen, so ganz nebenbei, aber zu wirklich fundierten Kommentaren reicht dann doch die Zeit nicht aus.

Dennoch brennt es mir unter den Nägeln, zumindest einige Bemerkungen loszuwerden, zur Diskussion über den richtigen Umgang mit offenbar schmähenden Darstellungen religiöser Glaubensinhalte in Wort und Bild, die geeignet sind, religiöse Gefühle zu verletzen.

Mit anderen Worten: Blasphemie. Mosebach und Spaeman haben dazu schon vor Monaten publiziert, Alipius Müller hat das Thema in den letzten Wochen immer wieder aufgegriffen und dabei zu interessanten Kommentaren angeregt und in den deutschen Medien war immer wieder von den Grenzen kritischer Meinungsäußerung die Rede, jenseits derer aus dem Gebrauch grundrechtlich garantierter Freiheit eine Straftat wird. Eben: Blasphemie.>mehr.

foto:_escalade328s_,flickr.com


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Kommentare

4 Kommentare zu „Blasphemie. Zur Beleidigung religiöser Gefühle“

  1. ….und in den deutschen Medien war immer wieder von den Grenzen kritischer Meinungsäußerung die Rede, jenseits derer aus dem Gebrauch grundrechtlich garantierter Freiheit eine Straftat wird.

    Man kann nicht dringend genug davor warnen, den Blasphemieparagrafen zu verschärfen.
    Das würde, wie Sie völlig richtig beschreiben, dazu führen, dass aus dem Gebrauch grundrechtlich garantierter Freiheit, wie zum Beispiel eine abschätzigen Meinungsäusserung über gleichgeschlechtlich Liebende, eine Straftat wird.

    Und Sie wollen doch nicht der Gefahr der Anklage einer Straftat der Beleidigung ausgesetzt sein, nur weil Sie gleichgeschlechtliche Liebe als Sünde abwerten.

  2. Lieber „Gast“,

    vielen Dank für Ihren Kommentar! Gestatten Sie mir dazu eine kurze Replik. Lassen Sie mich zugleich sagen, dass ich für eine Diskussion darüber hinaus aus Zeitgründen nicht zur Verfügung stehe. Ich bitte insoweit um Ihr Verständnis.

    Also, zwei Bemerkungen.

    1. So wie Katholiken Kritik an ihrem Glauben und der diesem zugrundeliegenden Lehre aushalten müssen (und dies auch täglich tun), müssen „gleichgeschlechtlich Liebende“ Kritik an ihrem Verhalten aushalten, egal, wie diese motiviert sei, ob schöpfungstheologisch oder kantianisch, katholisch oder philosophisch (geht beides).

    „Sünde“ – um das kurz zu sagen – ist ein Verhalten, das von Gott nicht gewollt ist, zumindest nicht von dem Gott, an den ich glaube und an den, wie ich glaube, mit mir zusammen noch einige andere Menschen glauben, der Gott der Bibel, der Gott des Christentums. Das bedeutet nicht, dass der Mensch, der sich so verhält, nicht von Gott (oder von mir) gewollt und geliebt wäre. Das ist eine Differenz, die oft nicht verstanden und daher gar nicht mehr gemacht wird: Tat und Täter, im negativen Modus also: Sünde und Sünder. Die Römisch-Katholische Kirche hat nichts gegen Homosexuelle, auch nichts gegen Homosexualität als Neigung, sondern gegen das Ausleben dieser Neigung als einer von Gott so nicht intendierten Form von Sexualität. Wenn das beleidigend ist, dann ist Christ sein an sich beleidigend, soweit der Christ an der Schöpfung des Menschen als Mann und Frau festhält.

    Der Katechismus fordert vom Katholiken, sich verständnis- und respektvoll gegenüber Homosexuellen zu verhalten, gleichwohl die Kirche Homosexualität nicht gut heißt, weil sie meint, dass der Mensch damit die Bestimmung, die ihm von Gott her zukommt, verfehlt: Mann und Frau zu sein, fruchtbar zu sein, gemeinsam zu „herrschen“. Es gelte – auch heute noch – die Schöpfungsordnung zu achten und zu beachten.

    Also – der Grundsatz der Kirche im Umgang mit Homosexuellen lautet: Jedem Menschen gebührt Respekt, aber nicht jedem Verhalten. Ich kann verstehen, dass das nicht ganz einfach zu verstehen ist. Dazu muss das Wesen des Menschen als eine Seinsqualität angenommen werden, die unabhängig von dem ist, was er tut oder sagt oder denkt. Darin leuchtet die unbedingte Würde des Menschen auf, die ebenso schöpfungstheologisch begründet ist, als eine von Gott gestiftete „Fremdwürde“. Hier schließt sich der Kreis von Schöpfung, Wesen und Würde und man erkennt eine Ordnung. Es steht viel auf dem Spiel (nämlich das Wesen des Menschen und seine Würde), wenn wir diese Schöpfungsordnung ad acta legen oder versuchen, sie nach Gutdünken auszuschlachten, um das herauszupicken, was heute gerade noch nützlich scheint. So geht das nicht, denn es geht ums Ganze: Wenn Sexualität für den Menschen wesentlich ist (und das ist sie), dann darf sie das Wesen des Menschen nicht verfehlen.

    Das personale Wesen des Menschen zeigt sich in seiner vollen Gestalt nur in Mann und Frau. Wir erinnern uns an die Genesis: „Als Mann und Frau schuf er sie.“ Darin liegt die besondere Würde des Menschen, sein gottähnliches Wesen, das ihn als Geschöpf zum Abbild des Schöpfers macht. Im größten Geschenk des Schöpfers an sein Geschöpf, der Sexualität als Ausdruck der Liebe, sollen die getrennten Geschlechter wieder in vorbehaltloser Hingabe zusammenkommen. Das ist die Idee Gottes, die im übrigen dazu führt, dass es nach wie vor überhaupt noch Menschen gibt. Hier ergibt sich ein Anschluss an Kants universalistische Forderung, dass unser Verhalten jederzeit schädigungsfrei verallgemeinerbar sein muss, um als gut und richtig gelten zu können.

    Vielleicht ergibt sich hieraus ein Ansatz, die kirchliche Position zur Homosexualität zu verstehen, die – wie gesagt – als Neigung – wie jede andere Neigung auch – respektiert wird. Vielleicht wird auch etwas klarer, warum die Kirche es jedoch als Verstoß gegen die Schöpfungsordnung ansieht, wenn Menschen durch das Ausleben ihrer homosexuellen Neigung dem Wesen des Menschen insoweit ganz bewusst eine Absage erteilen und damit ihre Würde als Mann oder Frau aufs Spiel setzen. Trotzdem wird man keine einzige Beleidigung eines homosexuellen Menschen durch die Kirche, durch Papst Benedikt oder durch mich finden. Umgekehrt bin ich mir da nicht ganz so sicher.

    Aus Zeitgründen verweise ich auf weiterführende Erläuterungen in meinem Blog: http://jobo72.wordpress.com/page/2/?s=Homosexualit%C3%A4t

    2. Vielmehr noch als Kritik müssen „gleichgeschlechtlich Liebende“ jedoch aushalten, nicht immer und überall im Mittelpunkt zu stehen. Ich habe zumindest den Verdacht, dass es noch andere Dinge auf der Welt geben könnte, jenseits „gleichgeschlechtlicher Liebe“. Daher ging es in dem Text auch ausnahmsweise mal nicht um Sex, noch nicht einmal um „gleichgeschlechtlichen“. In dem Text ging es um Blasphemie (§ 166 StGB). Eine Beleidigung nicht-religiösen Inhalts wird nach § 185 StGB be- und ggfs. verurteilt, unter bestimmten Umständen auch nach § 192 StGB.

    Da ich meine, dass man davon ausgehen muss, dass Homosexualität keine Religion ist, wäre ich also aus § 185 StGB zu belangen, nicht aus § 166 StGB. Etwaige Änderungen an § 166 StGB (Verschärfung, Abschaffung etc.) hätten also keinen Einfluss auf die Strafbarkeit einer Beleidigung insgesamt, sondern nur, soweit es dabei religiöse Menschen in ihrer Religiosität betrifft. Das sollte man auseinanderhalten. Eine solche Klage gegen mich (oder einen anderen Katholiken – ich bin ja nicht der einzige auf der Welt) wäre im übrigen schon deshalb begrüßenswert, weil es die Gelegenheit gäbe, die katholische Position darzulegen und auf diesem Weg bestehende Missverständnisse auszuräumen. Das versuche ich zwar auch in meinem Blog. Aber offenbar ohne besonders großen Erfolg.

    Josef Bordat

  3. Dank für den ausführlichen Kommentar. Er gilt vice versa auch für die römisch katholische Kirche und jeden Katholiken, wenn Sie schreiben:

    2. Vielmehr noch als Kritik müssen „gleichgeschlechtlich Liebende“ jedoch aushalten, nicht immer und überall im Mittelpunkt zu stehen.

    Viel mehr noch als Kritik, müssen Katholiken und der katholische Klerus jedoch aushalten, nicht immer und überall im Mittelpunkt zu stehen.

    Und wenn ich Revue passieren lasse, wie katastrophal die katholische Hierarchie und sehr, sehr viele Gläubige mit der Kritik an der nicht-Aufarbeitung des Missbrauchsskandals umgegangen sind, bis hin zur Ummünzung der völlig berechtigten Kritik, zu einem angeblichen „Missbrauch“ des Missbrauchs, dann fürchte ich, das Umgehen mit der Kritik, ist der Gläubigen Sache nicht.

    Und so wollen sie mit der Verschärfung des Blasphemieparagrafen praktisch unter Naturschutz gestellt werden, ohne selbst besonders Rücksicht auf die Gefühle anderer Menschen nehmen zu wollen, oder gar zu müssen; siehe Kritik an den gleichgeschlechtlich Liebenden.
    Womit wir wieder beim Ausgangspunkt, der extremen Empfindlichkeit von Gläubigen bei noch so berechtigter Kritik, sind. Die hohe Empfindlichkeit betrifft wohl Gläubige jeder Couleur und die Katholiken sind, wie die Forderung beweist, da keineswegs eine Ausnahme, oder gar leuchtendes Vorbild, wie sie das für sich immer postulieren,

  4. Lieber „Gast“,

    auch wenn Sie in jedem Kommentar eine neues Thema eröffnen, ändert sich grundsätzlich nichts an meiner mangelnden Fähigkeit zu langen Diskussionen. Sie finden in meinem Blog über 3000 Artikel zu (fast) allen Themen (auch Hexenverfolgung und Kreuzzüge, falls das als nächstes gekommen wäre).

    Die Diskussion zum so genannten Blasphemieparagraphen verläuft auch in Kirchenkreisen kontrovers. Bitte lesen Sie dazu noch einmal den verlinkten Text (vor allem den letzten Absatz) und die Diskussion bei Alipius Müller (Link im Text). Also: Ihre Einschätzung, die Katholiken („sie“) seien für eine Verschärfung von § 166 StGB, etwa, um sich keiner Kritik mehr stellen zu müssen, ist insoweit falsch.

    Zum Thema Missbrauch. Frage: Haben Sie Einblick in kirchliche Institutionen? Können Sie wirklich abschließend beurteilen, was in den letzten zwei Jahren getan wurde, um zu verhindert, das jemals wieder ein katholischer Priester das scheußliche Verbrechen des Kindesmissbrauchs begeht? Ich meine, das ganz gut beurteilen zu können und sehe die Kirche hier auf dem richtigen Weg zu einer guten Präventionsstrategie, die ich mir auch von anderen Einrichtungen wünschen würde, etwa vom DOSB. Welche andere Einrichtung stellt denn sämtliche Personalakten der letzten Jahrzehnte zur Verfügung, damit Sie durchleuchtet werden können? Welche andere Einrichtung setzt das Thema auf fast jede Tagesordnung? Ich habe etwa auf dem ÖKT 2010 in München KEINE Veranstaltung vorgefunden, auf der nicht ausführlich über Missbrauch, die Ursachen und die Prävention gesprochen wurde, obwohl extra Sonderveranstaltungen ins Programm genommen wurden. Hier pauschal von „nicht-Aufarbeitung des Missbrauchsskandals“ zu sprechen, ist alles, nur nicht wahrheitsgemäß.

    Umgekehrt. Wenn der Papst verantwortlich gemacht wird für den Missbrauch an der Odenwaldschule (http://jobo72.wordpress.com/2012/03/30/%E2%80%9E-und-der-papst-ist-schuld/, Fußnote 9) und ein Priester in der Schweiz suspendiert wird, weil er beim Fußball ein Tor bejubelt und dabei einen Mitspieler umarmt hat (http://jobo72.wordpress.com/2011/08/26/priester-wegen-torjubels-entlassen/) und gleichzeitig kein Wort darüber verloren wird, dass in jeder einzelnen Stunde mehr Kinder in Familien und nicht-kirchlichen Einrichtungen missbraucht werden als in den letzten 50 Jahren zusammen in der katholischen Kirche, dann ist ein Hinweis auf diese Situation als Schieflage vielleicht weniger der Empfindlichkeit und der mangelnden Kritikfähigkeit fundamentalistischer Katholiken geschuldet als vielmehr der Sorge, dass ein fürchterliches Verbrechen diskursiv völlig falsch gerahmt und diesem damit nicht mehr wirkungsvoll begegnet werden kann. Zu den Kritikern der einseitigen Darstellung des Themas in den Medien zählt insoweit eben auch Alice Schwarzer, die mir darüber hinaus noch nicht als besonders kirchenaffin aufgefallen ist. – Zum Missbrauch mit dem Missbrauch: http://jobo72.wordpress.com/2010/03/30/missbrauch-in-den-medien/

    Redaktioneller Hinweis: Spricht etwas dagegen, diesen Austausch evtl. auch an anderer Stelle zu veröffentlichen? – „Gast“? Theolounge?

    Josef Bordat

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