Die Anglikanische Kirche ist eigentlich eine wunderbare Institution. Sie verwirklicht mit den verschiedenen Traditionen von katholisch-hochkirchlichen und protestantisch-nüchternen Gemeinden und Richtungen Einheit und Vielfalt in sich selber, und gibt damit m.E. ein glaubwürdiges Zeugnis von unserem Glauben an einen Drei-Einigen Gott ab. In einem weitaus größeren Maß als jede mir bekannte andere Kirche.
Umso mehr schmerzt es mich als Alt-Katholiken, dessen Kirche sich mit der Anglikanischen Kirche in Kirchengemeinschaft befindet, dass sich seit längerer Zeit eine Scheidung innerhalb der Anglikanischen Kirchengemeinschaft andeutet (ich hatte darüber bereits im Zusammenhang mit der Lambeth-Konferenz im letzten Jahr geschrieben – vgl. u.a. „Mit Wanderstiefeln an den Füßen„). Gründe sind die Frauenordination, und vor allem die Frage des Umgangs mit dem Thema Homosexualität.
Die Anzeichen, dass solch eine Scheidung möglicherweise immer näher rückt verdichten sich nun. Mittlerweile hat sich in Amerika eine „Anglikanische Kirche in Nord-Amerika“ (ACNA) gegründet, welche sich als traditionalistische Alternative zur „Episcopal Church“ (ECUSA – so heißen die Anglikaner in den USA) versteht (vgl. dazu „Brechen die anglikanischen Kirchen auseinander?„). In Großbritannien haben sich die eher traditionellen Kräfte auch bereits zusammengeschlossen – allerdings weiterhin unter dem Dach der gemeinsamen anglikanischen Kirche.
Nachdem die ECUSA auf ihrer Generalversammlung im kanadischen Anaheim gestern in allen drei Gremien (Bischöfe, Geistliche, Laien) nun mit der notwendigen 2/3-Mehrheit beschlossen hat, Homosexuelle zu allen kirchlichen Weiheämtern zuzulassen, werden sich die Traditionalisten wahrscheinlich in ihrer Haltung bestärkt fühlen, und die Scheidung verstärkt vorantreiben. Auf der Lambeth-Konferenz im letzten Jahr war noch ein Moratorium hierzu vorgeschlagen worden (vgl. „Anglikanische Glaubenskongregation & Moratorien als Lösung!?„)
Ich glaube, dann werden sich auf Weltkirchenebene eine ganze Reihe an kirchlichen Karten neu mischen …
Foto: Weibliche Anglikanische Bischöfe auf der Lambethkonferenz 2008 – Fotograf: scottgunn – Quelle: http://www.flickr.de



Kommentar verfassen