Die Auseinandersetzungen innerhalb der römisch-katholischen Kirche um die Wahl des neuen Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) betrachte ich als Mitglied einer anderen, synodal strukturierten christlichen Kirche mit Sorge.
Ich befürchte, dass diese Auseinandersetzung das Empfinden in der Bevölkerung verstärkt, dass „Kirche“ vor allem „die da oben“ sind, die den Mitgliedern ganz einfach in die Parade fahren, wenn diese nicht so entscheiden, wie es der Kirchenleitung genehm ist.
Und wie soll es auch anders ankommen, wenn nun das ZdK die eigentlich für die heutige Vollversammlung in Berlin angesetzten Neuwahlen des Präsidiums auf Grund des Vetos der römisch-katholischen Bischofskonferenz gegen den gesetzten Kandidaten, den hessische Bildungsstaatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann (CDU), ganz einfach in den Herbst verschiebt?
Natürlich gibt es auch Stimmen in der römisch-katholischen Kirche, die nicht die Bischofskonferenz, sondern das ZdK kritisieren. Interessanterweise zählt der eigentlich als liberal geltende Bischof Karl Kardinal Lehmann dazu, der nun dem ZdK eine Mitschuld an der Auseinandersetzung zuweist. Aber auch „normale Kirchenmitglieder“ sind auf der Seite der Bischöfe; so ist auf dem Blog „Pax et bonum“ zu lesen: „Von mir aus kann der ZdK wählen, wen er will. Nur will ich ihn dann nicht noch weiter mitfinanzieren müssen, wenn er sich von der 2/3-Mehrheit der Bischöfe entfernt.„
Wenn das ZdK heute aber tatsächlich die Wahlen verschiebt, wird der Eindruck entstehen, es sei nur noch ein Anhängsel der römisch-katholischen Bischofskonferenz, welches man als eigenständige Kraft eigentlich nicht Ernst zu nehmen braucht, wie lt. Domradio manche ZdK-Mitglieder befürchten.
Für Menschen, die es – Gott sei Dank – gewohnt sind, sich nicht mehr zentralistischen Systemen unterzuordnen, sondern die mitbestimmen und mitentscheiden wollen, droht christliche Kirche damit noch unattraktiver zu werden.
Ich denke, es wird in diesem Zusammenhang daher notwendig sein, in der Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass andere Kirchen – wie die anglikanische Kirche, die alt-katholische Kirche, die Evangelisch-methodistische Kirche, die evangelischen Landeskirchen u.v.m. – eine andere Struktur, eine synodale Struktur haben: Hier dominiert die Geistlichkeit resp. die Kirchenleitung nicht das gesamte Kirchenvolk (zu dem die Geistlichkeit resp. die Kirchenleitung ja auch gehört!) und kann den Kurs der Kirche im Bedarfsfall dann daher auch nicht alleine bestimmen; sondern hier ist es wirklich ein „gemeinsamer Weg“ (so die Übersetzung des griechischen Ursprungswortes von „synodal“), der gegangen wird, und bei dem die Nicht-Geistlichen maßgeblich und entscheidend den Weg der Kirche gemeinsam mit den Geistlichen bestimmen.
Ich denke, wenn das deutlich wird, wird den Menschen – und auch den Mitgliedern der Kirche – wieder mehr klar, dass sie „die Kirche“ sind, und nicht nur die Kirchenleitung.
Foto: EKD-Synode – Quelle: http://www.flickr.de



Kommentar verfassen