Ein gefährliches Ideal

fesselnSeit gut einem Jahr beschäftige ich mich wieder locker mit dem Thema Heilung;  seit etwa einem halben ziemlich intensiv. Dabei hat sich eines schon sehr deutlich geändert:  Ich habe in der Zeit drei Erkältungen weggebetet. Die Symptome waren schon da und vom “normalen” Krankheitsverlauf, wie ich ihn kenne, hätte ich ein paar Tage flachgelegen. Im gleichen Zeitraum sind auch meine Freunde und jetzt gerade meine Frau krank geworden. Ich kann noch nicht viel darüber sagen, wie es funktioniert, ich weiss nur, dass es funktioniert. Ein Schlüssel ist für mich 1.Petrus 2,24: “In seinen Wunden seid ihr geheilt“, was direkt Bezug nimmt auf Jesaja 53.

Ich lese und bete fast täglich über das Thema und mir ist jüngst etwas aufgefallen: Es gibt Situationen, in denen möchte ich krank sein. Tatsächlich, das hat mich gewundert. Aber seien wir mal ehrlich: Kranksein kann richtig Spass machen – wenn man nicht zu krank ist. Ein paar Tage frei machen, den ganzen Tag im Schlafanzug rumlaufen, gammeln, fernsehen, betüddelt werden, das kann richtig Spass machen. Das Problem ist eher, wenn man zu krank ist und es körperlich einfach zu scheisse ist, aber ein bisschen passt schon.

Ich denke, dass Kranksein eine Funktion in unserem Leben erfüllen kann, die durchaus nicht nur unangenehm ist. Sie siedelt da in einem ähnlichen Gebiet wie etwa Selbstmitleid, das auch einen “bittersüssen” Charakter hat. Selbstmitleid hört erst dann auf, wenn wir mit Motivation dagegen angehen und es uns nicht mehr von Zeit zu Zeit erlauben. Vielleicht ist es ähnlich mit Krankheit. Irgendwo habe ich gehört/gelesen, dass wir Krankheit gegenüber dieselbe kompromisslose Haltung einnehmen sollen wie gegenüber Sünde;  so langsam ergibt das für mich Sinn.

Ich habe vor Jahren einmal gelesen, dass ein Problem beim Drogenentzug ist, dass viele Junkies gar nicht aufhören wollen, sie wollen einschränken und den Konsum in den Griff bekommen. Vielleicht ist das eine Grundhaltung des Menschen Abhängigkeiten, Krankenheiten und allen anderen schlechten Dingen gegenüber: Wir wollen nicht frei davon sein sondern es kontrollieren können. Wir wollen die Möglichkeit haben, negative Dinge einzusetzen wenn es uns botmässig erscheint, wollen ihnen aber nicht ausgesetzt sein. Diese Haltung findet sich in vielem wieder, was wir tun und denken.
Kann es sein, dass wir nicht Freiheit sondern Kontrolle wollen?
Kontrolle ist ein gefährliches Ideal, das immer dazu führen wird, dass wir weiter mit dem Feuer spielen. Das ist bei Junkies genauso eine Lüge wie bei uns. Man kann Krankheit, Sünde etc. nicht kontrollieren sondern nur bekämpfen. Es ist eine Einstellungssache und wir müssen unser Denken an diesem Punkt ändern um in Christi Freiheit kommen zu können.

[Originalpost]

Bild: © S. Hofschlaeger | pixelio.de

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