Es lassen sich ohne Mühe weitere Klischees zeichnen. Das Erschreckende, Faszinierende oder Ernüchternde (je nach dem) ist, dass sie
a) nicht erfunden sind, sondern real existieren und
b) nur einen (!) berechtigen (!) Ausschnitt des christlichen Glaubens darstellen.
Tobias Faix weist in o.g. Buch darauf hin, dass die biblischen Begriffe „Shalom“ wie auch „Heil“ (soteria) umfassende, ganzheitliche Bedeutung haben. Es geht um die Beziehung bzw. Liebe des Menschen zu
- sich selbst,
- den Mitmenschen,
- der Schöpfung,
- Gott.
Es ist wie immer eine Frage des Weltbildes. So scheint mir zwischen 1-3 und 4 eine Achse zu verlaufen. Wenn ich das einmal dualistisch überzeichnen darf:
- Wer nichts vom Transzendenten, Jenseitigen oder schlicht von Gott real erwartet, muss alles ins Diesseits und ins Machbare holen. Daraus speisen sich Utopien vom Weltfrieden auf Erden, sozialer Gerechtigkeit und einer harmonischen Schöpfung.
- Und wer ein negatives Bild von der Welt (im geistlichen Sinn) hat, sieht keinen Sinn und keine Hoffnung in menschlichen Bemühungen und Aktivitäten und delegiert damit alles an Gott, auch die Verantwortung.
Ich wünsche mir für mich und für die gesamte Christenheit ein ausgewogenes und ganzheitliches Christsein, das alle vier o.g. Aspekte beinhaltet. Sicherlich wird da jeder seine eigenen Schwerpunkte haben. Aber das macht nichts, solange man sich diese ehrlich eingesteht und darum bemüht bleibt, die anderen Aspekte zu integrieren. Andere Christen haben andere Schwerpunkte. So wird das Bild vollständig.
Es gehört doch zusammen: Die Verantwortung für alles Diesseitge und die Verantwortung vor dem Jenseitigen, also vor Gott. Eines nicht ohne das Andere. Das Heil liegt nicht in Friedensdemos, aber ohne einen konsequent gelebten Glauben, an den, der uns den Frieden predigte, gibt es auch kein Heil.
Die Preisfrage ist nun, was das konkret bedeutet. Ich selber werde weder den Nah-Ost-Konflikt noch die Welthungerproblematik lösen. So viel Realismus muss sein! Doch soll uns das nicht tatenlos machen.
Global denken und lokal handeln.
Und dabei sollten wir das Transzendente und das Immanente verbinden anstatt es gegeneinander auszuspielen.
Einerseits können wir beten. Und das ist doch schon mal etwas. Beten verändert. Ohne diese Überzeugung können wir uns den Glauben stecken.
Andererseits können wir im Kleinen handeln.
- Frieden fängt privat an. In Freundschaften, in der Familie und im Dialog mit den anderen Denominationen (wie merkwürdig sie vielleicht auch sein mögen).
- Umfassende soziale Gerechtigkeit und Arbeit für alle kann ich nicht herstellen. Aber ich kann den Handel vor Ort unterstützen anstatt Bücher im Internet zu kaufen. Ich kann den teuren Trans Fair-Kaffee kaufen anstelle des Marken-Kaffees im Sonderangebot …
- Ich alleine kann den Klimawandel nicht beeinflussen. Aber ich kann umweltbewusst leben. Weniger Auto fahren. Gezielt heizen oder auch nicht. Energiesparbirnen … Licht aus, wo unnötig. Türen und Fenster schließen. Und Ökostrom.
- etc.p.p.
Den Himmel auf Erden werden wir damit nicht erreichen, soweit ich Jesus verstehe. Aber wir können unseren Glauben im Diesseits bewusster und jesusmäßiger leben und gleichzeitig entspannt das Kommende erwarten, ohne dabei eine präsentische gegen eine futurische Eschatologie auszuspielen.



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