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Immer wieder muss sie für alles herhalten, die gute alte Rechtfertigungslehre. Oft wird behauptet, dass sie besagt: Gott nimmt jeden Menschen so an, wie er ist …
Bleiben wir mal am Original. Im Augsburger Bekenntnis, einem der wichtigsten Dokumente der Reformationszeit, heißt es im Artikel von der Rechtfertigung (CA IV):
Weiter wird gelehrt, daß wir Vergebung der Sünde und Gerechtigkeit vor Gott nicht erlangen mögen durch unser Verdienst, Werk und Genugtun, sondern daß wir Vergebung der Sünde bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnaden, um Christi willen, durch den Glauben, wenn wir glauben, daß Christus für uns gelitten habe, und daß uns um seinetwillen die Sünde vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird. Denn diesen Glauben will Gott als Gerechtigkeit vor ihm halten und zurechnen, wie St. Paulus sagt zu den Römern Kap. 3 und 4.
Nach meiner Beobachtung entspricht das aber nicht mehr den heutigen Gottesbildern. Somit ist der Rechtfertigungslehre die Voraussetzung genommen.
Fragt die Leute selbst. Fragt die, auf der Straße, die nichts mit Kirche und Glauben am Hut haben, fragt Leute in unterschiedlichen Gemeinde, ob das deren Frage ist, wie sie vor Gott bestehen können.
Ich behaupte: die wenigsten habe diese Frage noch.
Deswegen ist die Rechtfertigungslehre zwar immer noch richtig, aber sie ist nicht der hermeneutische Schlüssel, um Menschen im Leben, im und zum Glauben zu helfen.
Die allgegenwärtige Frage ist doch eher die nach einem sinnvollen, gelingenden Leben. Darauf müssen wir als Christen Antworten geben bzw. vielleicht auch „nur“ Menschen da auf ihrem Weg helfen, und ihnen Orientierung bieten.
Ich glaube, ein Leben kann nur wirklich gelingen und Sinn bekommen, wenn ich im „Einklang mit Gott“ lebe. Und dann kommt die Rechtfertigung doch wieder ins Spiel, weil ich nämlich aus eigener Anstrengung mich nicht Gott annähern kann. Und jeder Versuch dazu, wäre das, was Karl Barth mit dem bösen Wort „Religion“ brandmarkt. Religion ist der Versuch sich selbst mit Gott in Einklang zu bringen.
Es geht aber nicht um irgendeine Religiosität im Sinne von menschlichen Bemühungen, sondern darum, dass Gott schon unterwegs zu uns. „Dein König kommt zu Dir.“ Auch wenn Advent erst im Dezember (zumindest überwiegend), ist das doch entscheidend. Gott wendet sich uns zu, und Er wendet uns sich zu. Der Glaube, der vor Gott zählt, ist kein verdienstliches Werk. Das kann ich nicht machen. Gott selbst muss den Glauben in mir bewirken.
Es gibt keinen anderen Anfang der Frömmigkeit, als dass dein Köng zu dir komme und fange bei dir an. … Nicht du suchst ihn, sondern er sucht dich.



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