365 Stufen zum Glück

Mallorca-Geschichten (4)

Eigentlich gefällt uns Pollenca – im Norden Mallorcas gelegen – überhaupt nicht. Irgendwie sieht es beim Durchfahren staubig, „unaufgeräumt“ und überhaupt nicht prickelnd aus.

Aber da wir Kaffeedurst haben, stellen wir das Auto ab und laufen ein paar Schritte. Und plötzlich ändert sich die Stadt – wir betreten den alten Kern, sehen eine uralte Kirche und der Kaffee auf dem grossen Platz schmeckt auch. Danach schlendern wir noch um einige Ecken und wir beschliessen, mal an einem Abend hierher zu kommen. Das sieht ja richtig gemütlich aus!

Und dann stehen wir plötzlich an dieser Treppe, die neben dem Rathaus von Pollença ziemlich gerade nach oben führt. Auf den Kalvarienberg. Wir beschliessen, unseren Körper die Anstrengung des Aufstiegs zuzumuten – schliesslich laufen da viele andere Menschen auch hoch! Von Zypressen umsäumt hat man auf dieser breiten Treppe immer das Ziel vor Augen. Auf dieser Treppe finden immer am Karfreitag Prozessionen statt.

Und dann endlich, mit etlichem Verschnaufen und Durchatmen, kommen wir oben an der neugotischen Kapelle an, die Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut wurde und eine mehr als fünfhundert Jahre alte Jesusfigur beherbergt. Ein Ort zum Besinnen, zum Stillewerden, zum Meditieren… Und ein paar Meter hinter der Kirche kann man von einem Aussichtspunkt einen Bilderbuchblick ins Tal, aufs pittoreske Städtchen und sogar bis hin zum Meer am Horizont geniessen.

Als wir wieder ins Städtchen hinunterlaufen (mit deutlich weniger Verschnaufpausen…), zähle ich die Stufen. Es sind genau 365, für jeden Tag des Jahres eine. Das finde ich interessant. Obwohl diese Stufen wohl mehr für Menschen gedacht waren/sind, die büßen wollten, kam mir ein anderer Gedanke:

Das Hochsteigen auf dieser Treppe war mit Anstrengung und Mühe verbunden. Immer mal wieder kamen solche Gedanken von Umkehren oder Aufgeben. Aber dann – das Erreichen des Gipfels und noch mehr – der grandiose Rundumblick auf die Ebene sowie der Weitblick bis zum Meer: Ohne alle Anstrengungen hätten wir das nie geniessen können.

Und so war diese Treppe gleichzeitig auch eine Ermutigung für unserer tägliches Leben mit seinen Herausforderungen, seinem Stress, seinen Mühen und Beschwerden – aber wenn man dranbleibt an Jesus, dann kommen (immer wieder) solche Höhenblicke mit Rückblick und Ausblick. Dann zeigt Gott auch mal andere Perspektiven auf, als wenn man sich immer nur im Tal aufhält und dort zwar keine grösseren Belastungen hat, aber auch niemals dieses Glücksgefühl der Höhenwanderung hat.

Solche Erlebnisse geben auch Kraft für kommende Belastungen, weil sie ermutigen, daran festzuhalten, dass nach Mühen auch immer wieder Zeiten der Entlastung, der Freude und des Friedens kommen…

siehe auch Mallorca-Geschichten (1)
siehe auch Mallorca-Geschichten (2)

siehe auch Mallorca-Geschichten (3)

[Originalpost]

Fotos: A. Meissner


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