Der Begriff „Christ“ ist ziemlich verwässert. Man ihn sehr eng oder auch sehr weit fassen. Je nach dem bezeichnet er entweder– alle, die im (post-)christlichen Abendland, dem „Westen“, also Europa und Amerika leben,
– alle, die einmal (freiwillig oder unfreiwillig) getauft worden sind,
– alle, die (immer noch) irgendeiner christlichen Kirchen (als Mitglieder) angehören,
– alle, die auch irgendwie gläubig bzw. religiös sind,
– alle, die bekehrt und wiedergeboren sind,
– oder einen „heiligen Rest“, der sich besonders abhebt, u.a. durch strikte moralische Einstellungen.
Was sagt nun die Bibel, wer „Christ“ ist?
Im NT gibt es diesen Begriff nur zweimal:
Und als er ihn fand, brachte er ihn nach Antiochia. Und sie blieben ein ganzes Jahr bei der Gemeinde und lehrten viele. In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt.
Agrippa aber sprach zu Paulus: Es fehlt nicht viel, so wirst du mich noch überreden und einen Christen aus mir machen.
Auch dieser Begriff kann unterschiedlich gefüllt werden. Es sind zunächst „die Zwölf“, die auch Apostel genannt werden. Dann werden damit aber auch alle anderen bezeichnet, die Jeus nachfolgen.
Auch „Nachfolger“ (dieser Begriff ist nicht biblisch!) lässt sich wieder unterschiedlich füllen. Es sind Menschen, die Jesus hintergelaufen sind aus unterschiedlichen Motiven. Die persönliche Bindung an Jesus war sicherlich unterschiedlich. Da waren Neugierige dabei, aber auch Menschen, die sich an Jesus gebunden haben. Wir können das nicht genau auseinanderdividieren.
Selbst bei den Aposteln können wir vom biblischen Befund her nicht eindeutig klären, ob sie überhaupt getauft sind.
Wir können nachlesen, was Jesus sich unter „Nachfolge“ vorgestellt hat. Aber einen geschlossenen Kriterienkatalog, wer nun Nachfolger bzw. Christ ist, finden wir nicht.
Was machen wir nun?
Müssen wir es denn so genau wissen? Und wozu?
Ich bezweifle mehr denn je, dass wir ein Schwarz/Weiß-Denken brauchen: Gute und Böse, Gläubige und Ungläubige, Gottferne und Gottnahe….
Ich denke, jeder ist in unterschiedlichen Phasen auch mal Gott fern. Und die Beziehung zu Gott hat auch unterschiedliche Phasen. Wichtig ist doch zu wissen, dass wir alle unterwegs sind. Nie hat man „fertig geglaubt“. Ein Christ ist nie fertig.
Foto: geralt/pixelo.de



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