(Donralfo) Behandlungsbedürftige Depressionen sind eine Volkskrankheit in Deutschland von der auch viele Christen nicht verschont bleiben. Viele psychisch kranke oder gestörte Menschen kommen regelmässig in unsere Gottesdienste oder sind Gemeindemitglieder in unseren Kirchen und Freikirchen. Die gute Nachricht von unserem Retter und Herrn Jesus Christus gibt vielen von ihnen eine Hoffnung auf Heilung und Befreiung und viele Pastoren und Leiter machen ihnen auch Hoffnung auf Hilfe durch Seelsorge und Gebet. Aber was passiert, wenn der Glaube, das Gebet und die Seelsorge nicht helfen? Wie gehen wir mit unseren psychisch erkrankten Gemeindemitgliedern um?
In den Großkirchen hat man sicher weniger Probleme damit, Christen zum Psychiater zu schicken, aber wie sieht es in unseren kleineren gemütlichen Freikirchen aus, wo man sich meist weitaus besser kennt und oft sehr engen persönlichen Kontakt miteinander hat? Oft sind Gemeinden ja wie Großfamilien, in denen jeder über den Anderen bescheid weiß und kaum ein Geheimnis verborgen bleibt, weil natürlich sehr viel getratscht wird. Manche Pastoren und Seelsorger sind Laien, die sich ihr Wissen durch christliche Bücher und in der Gemeindepraxis oder durch die Lektüre der Bibel erworben haben.
In den Freikirchen wird meist auch die geistliche Dimension einer psychischen Krankheit wahrgenommen. Die unsichtbare Wirklichkeit und die Existenz von Dämonen und bösen geistigen Mächten ist hier selten ein Tabuthema. Exorzismus oder Befreiuungsgebete werden mehr oder weniger spektakulär praktiziert und manch einer empfängt wohl auch Hilfe dadurch. Einiges geht aber auch voll daneben. In katholischen Kreisen gab es Todesfälle nach einem mißglückten Exorzismus, die in den Medien hohe Wellen schlugen. Und in den Freikirchen klappt auch nicht immer alles. Bestenfalls sind die Hilfesuchenden von den geistlichen Leitern oder Gemeinden enttäuscht, wenn Heilungs- und Befreiungsgebete erfolglos bleiben. Aber es kann auch viel schlimmer kommen. Tiefe Verletzungen können hinzukommen, die Probleme können sich verschlimmern, ja man kann jeglichen Glauben an Gott und seine Hilfe verlieren. Viele Kranke werden einfach alleingelassen, wenn Gott nicht spürbar hilft und eingreift. Die sind dann eben selbst schuld, weil sie die Ratschläge der Seelsorger und Gemeindegeschwister nicht umsetzen! Womöglich haben sie einen rebellischen Geist und wollen ihre Sünden einfach nicht loslassen. Ketzerhüte werden schnell verteilt, die Kranken oder „Dämonisierten“ werden gemieden und vielleicht sogar exkommuniziert.
Was sind überhaupt die Kriterien, nach denen man eine dämonische Belastung als Ursache psychischer Probleme diagnostiziert? Wie viele Christen haben denn die Gabe der Geisterunterscheidung in solch ausgeprägtem Maße, daß sie dämonisches Wirken eindeutig erkennen können? Welcher Seelsorger kennt sich wirklich gut mit psychischen Krankheiten aus? Wer ist kompetent genug, eine richtige Diagnose zu stellen? Ich habe den Eindruck, daß es viele Laien im Seelsorgedienst gibt , die nach dem Maßstab Pi mal Daumen plus einige Bibelzitate vorgehen und mehr herumpfuschen, als kompetente Hilfe zu geben. Sie meinen es gut, aber verschlimmbessern die Lage nur.
Wenn ernsthafte Störungen wie Depressionen, Angstzustände, Psychosen oder Suizidalität nach wiederholtem Gebet und Seelsorgegesprächen nicht entscheidend besser werden, sollte man lieber jemand fragen, der sich damit auskennt! Es ist dringend geboten einen Fachmann zu Rate zu ziehen. Alles Andere ist unterlassene Hilfeleistung. Wir begrenzen Gott, wenn wir ihn ausschließlich auf übernatürliches Eingreifen festnageln wollen. Warum sollte er nicht auch durch Ärzte, Psychiater und Psychotherapeuten wirken können? Warum diese Angst vor „weltlicher“ Hilfe? Eine Befürchtung, die ich oft gehört habe und die ich auch selbst hatte war: Die weltlichen Fachleute und Therapeuten könnten Christen in okkulte Praktiken hineinmanipulieren und vom Glauben abbringen. Die Esoterik hat sicherlich einigen Boden in der „Psycho-Szene“ gewonnen, aber ein guter Therapeut würde niemals jemanden in diese Richtung beeinflussen, der damit nichts zu tun haben möchte. Das würde nur ein Scharlatan tun aber kein seriöser Therapeut oder Arzt. Ich gehe fest davon aus, daß Gott will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. (1.Tim.2,4) Das griechische Wort sozo, daß hier mit „gerettet“ übersetzt wird bedeutet viel mehr, als nur die Tatsache, daß wir in den Himmel kommen sollen. Es bedeutet „heil machen“, befreien, gesund machen und vor jedem Schaden oder Unglück zu bewahren. Es ist Gottes erklärter Wille uns gesund zu machen und völlig wiederherzustellen. Gott ist für uns und nicht gegen uns! Warum können wir ihm nicht für den geeigneten Arzt, den richtigen Psychotherapeuten oder das geeignete Krankenhaus vertrauen? Wenn Gott nicht übernatürlich und sofort heilt, bedeutet das noch lange nicht, daß er uns nicht heilen will. Wollen wir Gott etwa vorschreiben, wie und auf welche Weise er uns zu heilen hat? Das sei ferne. Ich bin sehr dafür, etwaige Tabus und Vorurteile vor der Kunst der Psychiartrie und Psychotherapie schleunigst niederzureißen. Ich plädiere dafür, das herumdoktern von Laien bei komplizierten seelischen Störungen radikal zu beenden! Es ist gut und richtig, zuerst zu Gott, unserem himmlischen Arzt zu gehen und um Hilfe zu bitten. Aber wenn das Gebet, der Glaube, das Bibellesen und Wort Gottes bekennen oder die Seelsorge keine spürbaren Resultate und Besserung bringt – bitte niemals scheuen den Fachmann aufzusuchen. Auch hier kann man auf Führung durch den Geist Gottes hoffen und glauben. Sein Wille ist unsere Heilung, warum sollte er Ärzte und Therapeuten nicht gebrauchen können? Wenn Du einen gläubigen Christen als Therapeuten findest – wunderbar. Aber es gibt noch viel zu wenige davon. Also bitte keine Scheu jemand Anders um Hilfe zu bitten.
Hilfreiche Seiten zum Thema – hier werden Sie geholfen (hinzugefügt von theolounge):
> Alfred Adler Institut München
> einige Links zu Seelsorge



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