Gehirnforschung: Was ist die Seele und das Bewußtsein ? (ZEIT)

vom_denken.jpgGerne erklärt die Neurowissenschaft, sie könne das Geheimnis des menschlichen Bewußtseins prinzipiell lösen. Wie weit sie aber davon entfernt ist, wird erst klar, wenn man auch auf die philosophischen Fragen Rücksicht nimmt: wie kann beispielsweise in einer (möglicherweise rein ?) materiellen Welt so etwas wie ein immaterielles Bewußtsein überhaupt entstehen ? Und vor allem: was ist dies überhaupt ? Diese Fragen sind deshalb von Belang, weil zwei unterschiedliche Weltbilder davon abhängen: Materialismus oder Immaterialismus. Will heißen: Gibt es nur und ausschließlich das, was wir als Materie wahrnehmen ? Oder gibt es nicht vielmehr auch Dinge, die nicht materiell sind ?
An diesen Fragen hängt auch ferner die Frage, ob es zum Beispiel eine immaterielle Seele gibt, die den Tod überdauert.
Allerdings sprechen viele Belege dafür, dass der Materialismus keinesfalls der Weisheit letzter Schluß sein muss, sondern lediglich eine Annahme sein kann. Demnach ist es durchaus denkbar und – je nachdem, welchem Weltbild man sich anschließen möchte – sogar wahrscheinlich, dass es auch immaterielle Dinge gibt. In Anlehnung an Platon ist es nicht abwegig, dass die Seele etwas Immaterielles ist – und somit den biologischen Tod überdauert. Wem solche Fragen zu spekulativ erscheinen, dem sei gesagt, dass es gleich ein paar Dinge auf dieser Welt gibt, die zu Spekulationen Anlaß geben: das Bewußtsein, der Urknall, der Grund allen Seins, die Unendlichkeit.> Hier zum Artikel.

Lesen Sie auch: > Überzogene Ansprüche der Naturwissenschaften 
> Wo steckt Gott ? – Theologie, Philosophie und Wissenschaft 
> Was ist das Bewußtsein ? Gibt es eine Seele ?


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Kommentare

51 Kommentare zu „Gehirnforschung: Was ist die Seele und das Bewußtsein ? (ZEIT)“

  1. Avatar von Mama-Loser
    Mama-Loser

    Auf jeden Fall gibt es einen Schnitt!

    Ich persönlich lebe nicht mehr die Ambivalenz zwischen „Diktat“ und persönlicher Wahrheit! Sondern das, was ich selber glauben kann! Dabei spielten Kunst, Philosophie, Tiefenpsychologie, Mythologie …schon immer eine zentrale Rolle!

    http://www.publik-forum.de/f4-cms/tpl/pufo/op/artgrp/art/display.asp?cp=/pufo/op89740/aktuelleausgabe/art74379/

  2. „Will heißen: Gibt es nur und ausschließlich das, was wir als Materie wahrnehmen ? Oder gibt es nicht vielmehr auch Dinge, die nicht materiell sind ?“

    Ich habe mir die Artikel aus den diversen ‚Gehirn&Geist‘ Heften mal angetan, die man unter:
    http://www.gehirn-und-geist.de/artikel/862367&_z=798884
    findet.

    Was mich dabei am meisten fasziniert ist, wie die Ergebnisse Persingers jetzt unter dem Label „materialistisch“ und „wissenschaftlich“ publizierend ausgeschlachtet werden, während auf der anderen Seite genau die Wissenschaft, die uns zu vermitteln versucht, was „Materie“ eigentlich ist, bereits ganz andere Wege geht.

    Liest man z.B. „Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen“ von Prof. Dürr, so kann die oben zitierte Frage aus dem Beitrag nur durch die Gegenfrage beantwortet werden: wie materiell ist denn Materie eigentlich?

    Dürr stellt als Quantenphysiker dar, dass „nur Materie“ schon eine völlig falsche Sicht der Existenz ist, und das „Lebendiges“ weit näher am fundamentalen Sein des Universums angesiedelt ist, als die klassische Sicht der unbelebten Materie.

    Vielleicht sollten Neurobiologen und Quantenphysiker mal anfangen, sich miteinander zu unterhalten, um das moderne Welt- und Menschenbild etwas geradezurücken.

  3. Es geht nicht darum, wo genau man die Grenze des Begriffs „Materie“ setzt. Auch der Begriff „existiert“ (also das Wirklichkeitskriterium) ist noch nicht vollständig physikalisch operationalisiert, obwohl das vermutlich möglich ist. Des weiteren steht auch außer Frage, daß es unbeantwortete Fragen gibt, und daß es möglicherweise unbeantwortbare Fragen gibt. All dies eignet sich nicht, um irgendeine auch nur im entferntesten Sinne sinnvolle Aussage über sog. „Transzendentes“ zu machen.

    Die Naturwissenschaft muß sich damit begnügen, möglichst gute Regeln (Theorien) für die Voraussage überprüfbarer Phänomene zu machen. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist aber aus erkenntnistheoretischen Gründen zugleich alles, was man sinnvollerweise überhaupt tun kann, und impliziert einen praktischen Naturalismus. Es läßt keinen Raum für Götter und Geister, solange es um aussagekräftige Weltmodelle geht. Es kann als gesichert gelten, daß es kein Leben nach dem Tod gibt und daß das Bewußtsein eine emergente, im wesentlichen klassische Eigenschaft des neuronalen Netzes im biologischen Gehirn ist.

    Die Religion muß sich daher heute beschränken auf ihre pastorale, psychotherapeutische oder Wellness-Funktion, nämlich denen Trost und Hoffnung zu spenden, denen dies aus privaten Gründen wichtiger ist als ein konsistentes Weltbild.

  4. Avatar von mummer

    Quantenphysik – sehr guter Punkt. Letzlich besteht Materie aus Energie, so lassen sich experimentell aus der Vereinigung von einem Elektron und einem Positron (umgekehrt geladenes Antiteilchen) zwei Photonen (Lichtquanten, „Lichtenergiebündel“) zu je 511keV gewinnen. Umgekehrt funktioniert das ganze auch. Und setzt sich anscheinend auch für große Teilchen fort. Damit ist Materie eine Energieform.
    Nun, wo soll da kein Platz für Gott sein? Ein Widerspruch zwischen diesen Dingen existiert nicht. Je mehr Wissenschaft man lernt, desto mehr Wunder erkennt man. Schon die physikalischen Gesetze sind Wunde, und die Tatsache, daß wir sie eben ableiten können.
    Dazu sei noch ein Spruch über den frühen Periodensystemen zitiert:
    „Gott hat alles nach Maß und Zahl geordnet“.
    Wie man nun an dieses Überwesen herantritt, sei jedem selbst überlassen. Das Weltbild wird aber nicht inkonsistent durch den Glauben an diese große universelle Kraft.

  5. @mummer:

    Naja, für einen extrem abstrakten, panentheistischen Gott wäre vielleicht noch Platz. Als poetische Bezeichnung für die scheinbare Regelhaftigkeit der Welt oder so.

    Aber das ist es ja nicht, was der gemeine monotheistisch Gläubige glaubt und glauben möchte. Ihn dürstet nach einem personalen, ja liebenden Gegenüber, das eingreift in das physikalische Weltgeschehen, das sein narzisstisches Selbst auferstehen läßt und das Böse im Endgericht bestraft.

    Mir ist bewußt, daß einige moderne Theologen da schon weiter sind und ihren Gott nahezu komplett ins Abstrakte zurückgezogen haben. Leider geht dabei natürlich auch ein Gutteil des therapeutisch-pastoralen Potenzial hopps.

  6. Avatar von mummer

    Ich weiß schon was Du meinst. Der Zwiespalt zwischen religiösen Regeln und Abstraktheit ist da ein Aspekt.
    Das Gegenüber ist bei vielen Gläubigen extrem vermenschlicht. Der Wunsch nach Gerechtigkeit ist inherent, und im Allgemeinen wird Gott das eigene persönliche Rechtsempfinden zugeschoben. Auch perönliche Eigenschaften und Hierarchievorstellungen. Natürlich auch, daß die jeweils eigene Religion der einzige (Christen) oder der beste Weg zum Heil ist (Juden und Muslime).
    ABer nehmen wir mal an, daß gerade diese menschlichen Aspekte nicht zutreffen. Nehmen wir mal an, das Gott nicht nur jeden kennt, sondern besser kennt als dieser sich selbst. Er jedes Motiv kennt. Nehmen wir mal an, man braucht keine Mittler zwischen ihm und sich selbst, nehmen wir mal an, er ist dauernd da. Weiß stets was Sache ist. Dann haben wir das Bild schon mal von menschlichen Eigenheiten wie nicht-Zuhören-wollen, Subjektivität, Arroganz usw. gereinigt. Nehmen wir also an, daß er absolut unabhängig(!) und damit objektiv ist, zudem allgegenwärtig. Bleibt dann in der Abstraktion Gott noch übrig? Ja, und zwar frei von Scharlatanerie und menschlichen und abergläubischen Elementen.
    Läßt sich das glauben, hat es einen Therapiewert? Inwieweit braucht es dann überhaupt eine Religion? Was fordert er dann? Wäre mal ein Thema.

  7. Das Problem ist, daß ein solcher Gott („weiß stets was Sache ist“, „allgegenwärtig“) einerseits nicht abstrakt genug wäre. Er müßte nämlich Informationen über den gesamten Weltzustand erhalten und überall und jederzeit synchron halten. Gleichzeitig müßte dies unabhängig von der Welt erfolgen. Das kollidiert mit den derzeitig besten physikalischen Theorien.

    Andererseits wäre ein solcher Gott – wie Du richtig andeutest – schon zu abstrakt, um etwa konkrete ethische Prinzipien zu gewinnen oder den Wunsch auf ein Leben nach dem Tod zu befriedigen.

  8. Avatar von mummer

    Unterliegt Gott der Relativitätstheorie? Nein. Und die Theorien stehen auch nicht dem entgegen, daß Gott auch die ganze Zeitspanne umfassen kann. Denn im Orts-Zeit-Geschehen sind nur wir als Form aus Energie gefangen.
    Ethische Prinzipien aus den Religionen: Sind Gesetze, auf unser Denkvermögen heruntergebrochen, eine halbwegs stabile Gesellschaft zu erzeugen. Moral, die dem Egoismus widerstrebt, durchzusetzten. Das in Offenbarungen usw. zu tun ist für einen Allmächtigen kein Problem.
    Leben nach dem Tode: Da gehen ja die Vorstellung etwas auseinander, wie wäre es mit der nirvanaähnlichen Idee der quasi-Auflösung? Sozusagen an der Zeitlosigkeit Gottes teilzuhaben. Der Gedanke fand auch Eingang in mystische Gruppierungen der drei abrahmistischen Weltreligionen. Diese sind ein ganzen Stück losgelöst von traditionellen Vorstellungen, können die Wahrheit sein. Fallen aber in einen Bereich, in den die meisten Gläubigen nicht vordringen können. Ist das nicht auch Grund dafür, warum die ethischen Prinzipien, die Du erwähntest, so einfach wirken? Wer käme mit der Abstraktion zu Rande, wenn die einfachen Quantengleichungen schon den allgemeinen Horizont überschreiten?

  9. Das wird mir zu esoterisch. Nur noch eins: Wenn „Gott“ nicht der Quantenphysik gehorcht, aber dennoch Informationen über alle Quantenereignisse haben soll, dann muß die Quantentheorie falsch sein.

  10. Avatar von mummer

    Nach dem Motto Gott würfelt nicht?
    Zu esoterisch? Ich denke wenn Gott dann allmächtig und allwissend – oder garnicht.

  11. @mummer
    „Letzlich besteht Materie aus Energie“
    und
    „Damit ist Materie eine Energieform.“

    Wie kommst du darauf?
    Laut der Quantenphysik sind doch sowohl Materie als auch Energie nur komplementäre Erscheinungsformen einer viel grundlegenderer Wesenheit.

    Materie lässt sich nicht auf Energie reduzieren, und umgekehrt ebensowenig.

    @all
    Lest mal das oben empfohlene Buch von H.-P. Dürr. Das hebt die Diskussion auf eine andere Ebene.

  12. Avatar von mummer

    Und die viel grundlegendere „Wesenheit“ wäre? Teilchen und Antiteilchen entspringen einer Symmetrie, haben ihren Ursprung in Energie. Jedes Teilchen kann annihiliert werden, hat also einen Gegenpart, beides entschwindet in Energie. Dann gibt es noch die Symmetrieverletzung, die für den Überschuß an Materie in unserem Teil des Universum verantwortlich ist. Ein Grund der Tatsache, daß wir recht stabil existieren können, des weiteren noch thermodynamische Gründe. Außerdem spricht man von Energie-Teilchen-Äquivalent, da selbst Licht als Teilchen (quantisiert) auftritt. Von Wesenheit ist da nicht die Rede. Spricht alles aber nicht gegen Jahwe als ordnende und lenkende Kraft, als Quelle der Energie und Gesetzmäßigkeiten.

  13. Avatar von mummer

    PS: Vielleicht ist in besagtem Buch von Wesenheit die Rede. Dann empfiehlt sich der Gang in jede beliebige UB.

  14. […] Frage nach dem Bewußtsein und die nach der Ursache aller Existenz. Auch die Erklärung des Urknalls ist hier nicht […]

  15. […] Lesen Sie auch: > Gehirnforschung: Was ist die Seele und das Bewußtsein ? (ZEIT) […]

  16. Durch Zufall stieß ich auf Ihre interessante Webseite. Da es hier um das Thema Bewusstsein geht möchte ich Sie auf meine Webseite zum Thema „Was ist Bewusstsein“ aus naturwissenschaftlicher Sicht hinweisen.
    http://heinzschuster.com/
    Die dortigen Fragen und Antworten sind sicher auch für die Leser Ihrer Seite interessant.
    Mit freundlichen Grüßen,
    H. G. Schuster

  17. @ Schuster

    Hallo, Du darfst hier gern drauf hinweisen (ich hab mir hier mal den „Du“-Ton angewöhnt), auch, wenn ich nur These 1 als richtig ansehe 😉

    „1. Bewusstsein ist ein Kontrollprozess, der vor

    allem dazu verhilft, dass wir in der Gemeinschaft

    unserer Mitmenschen besser überleben.

    2. Dieser Prozess ist ein Resultat der Evolution

    und beruht ausschließlich auf physikalisch

    –chemischen Prozessen.

    3. Der freier Wille ist eine Illusion, dennoch

    sind wir verantwortlich für das was wir tun. “

    Punkt 2 sehe ich als falsch an, Punkt 3 eigentlich auch 😉
    Aber das ist natürlich Ansichtssache.

  18. Avatar von Schuster
    Schuster

    Danke für die freundliche Reaktion.
    aber

    1. Welche Argumente gibt es dafür, dass es mehr als physikalische und chemische Prozesse in unserem Gehirn gibt?
    2. Und was spricht gegn die Evolution?

    Der liebe Gott hat doch eigentlich schon genug damit zu tun gehabt die Naturgesetze zu schaffen, deren Herknunft wir (bis jetzt) nicht erkären können. Also es bleiben wenn man Punkt 2 als Fakt anerkennt noch genug Geheimnisse. Ich glaube ehrlich, dass man keine Furcht davor zu haben braucht, dass die Naturwissenschaften alles erklären können. Aber was erkärbar ist sollte ruhig erklärt werden und auch angenommen werden.

  19. @Schuster

    Ich denke, gegen die Evolution spricht zunächst nichts, allerdings wird hier oft mit dem Begriff des „Zufalls“ gehandelt, ohne, dass dieser Begriff irgendwie näher erklärt würde.
    Zum Begriff des Zufalls gibt es hier mehr:

    http://www.forum-grenzfragen.de/grenzfragen/open/webtodate/aktuelles/veranstaltungen/532042996212c9801.html

    Die Argumente, dass der Geist und das Bewußtsein mehr sein könnte, als nur physikalische und chemische Prozesse geht auf unterschiedliche Weltbilder zurück: Schließt man sich Demokrit und Epikur an, dann hängt man gleichsam im Materialismus: es gibt nur das, was man auch sehen kann (oder vielleicht auch nicht sehen kann): nämlich kleinste Teilchen (Atome), die im unendlichen Raum immer existierten und existieren werden.
    Dies erfasst aber nicht die Frage, warum alles ist. Und es ist auch fraglich, ob damit die Frage des menschlichen Bewußtseins überhaupt erfasst wird (vgl. z.B. auch den Artikel von Spaemann: http://theolounge.wordpress.com/2007/11/08/der-gottesbeweis/

    Interessant dazu auch:
    http://www.tphys.physik.uni-tuebingen.de/muether/transz/baumann.pdf

    Generell habe ich aber nichts dagegen, das, was erklärbar ist, auch (naturwissenschaftlich) zu erklären. Gerade beim Bewußtsein, das wohl die äußerste Grenze der Erkenntnis bildet, sind wir da aber wohl noch weit von entfernt – sofern wir jemals überhaupt erkennen können, was dies ist: unser Bewußtsein.

    Zur Frage, ob der Materialismus wahr ist:
    http://www.forum-grenzfragen.de/grenzfragen/open/webtodate/aktuelles/veranstaltungen/5320429961100d101.html

    Was ist Wirklichkeit:
    http://theolounge.wordpress.com/2007/07/13/evolutionstheorie-formen-des-nichtwissens-faz/

    und hier besonders noch zur Frage nach dem Bewußtsein, die auch die Gehirnforschung ein wenig ad Absurdum führen kann: „Alles so schön bunt hier“:

    http://theolounge.wordpress.com/2007/08/21/gehirnforschung-was-ist-die-seele-und-das-bewustsein-zeit/

  20. @Schuster

    auch interessant vielleicht die Überlegungen dazu, was eigentlich der Begriff der Unendlichkeit bedeuten könnte:

    http://theolounge.wordpress.com/2007/04/29/uber-die-unendlichkeit/

    (auch, wenn der christlich-homiletische Abschluß des kurzen Artikels natürlich christlich ausgerichtet ist, und nicht naturwissenschaftlich)

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