Corona und Pfingsten. Gibt es einen prinzipiellen Zusammenhang?

Wenn Sie eine kurze Antwort präferieren, lautet sie: nein. Sie können jetzt aufhören mit dem Lesen.

Wenn Sie es aber bis hierhin geschafft haben, möchte ich doch einen kurzen Zusammenhang skizzieren.

Es gibt in der Bibel zwei Geschichten, die konträr gegenüber stehen.

Im Alten Testament ist es die Geschichte des Turmbaus zu Babel, die damit endet, dass die Menschen aufgrund ihrer Hybris, mit der sie sich über Gott stellen wollen, letztlich von Gott derart verwirrt werden, dass sie auf einmal lauter verschiedene Sprachen sprechen und auseinander laufen.

Die „Turmbau zu Babel Geschichte“ ist die exemplarische Geschichte dafür, dass Menschen sich nicht mehr verstehen, das ist die anthropologische Dimension. Die aitiologische Dimension ist der Versuch, zu erklären, weshalb es verschiedene Sprachen gibt. Und die theologische Dimension ist eine Erörterung, wo die Grenzen zwischen Mensch und Gott verlaufen.

Aber nehmen wir diese Geschichte einmal wahr als eine Geschichte, bei der sich die Menschen nicht mehr verstehen.

Die Gegengeschichte dazu findet sich im neuen Testament in der Apostelgeschichte. Dort werden die Pfingstereignisse beschrieben.

Der Geist Gottes kommt über die Jünger und vereint sie, so dass sie nicht mehr in Angst in ihrem Versteck bleiben, sondern geeint und voller innerer Zuversicht und Stärke hinausgehen in die Welt und den Menschen von Gott, der sich in Jesus gezeigt hat und der nicht im Tod geblieben ist, erzählen. Obwohl die Jünger mit Menschen in verschiedenen Sprachen sprechen, versteht man sich auf einmal.

Beim Turmbau von Babel verstehen sich die Menschen nicht mehr, zu Pfingsten verstehen sie sich, weil Gott und sein Wirken, also der Heilige Geist, sie vereint, indem die Jünger sich an Gott ausrichten, also im übertragenen Sinne an einem gemeinsamen Thema.

So, kommen wir nun zur Corona-Pandemie und Corona-Krise. Hier muss man feststellen, dass fast weltweit die Menschen aktuell auch geeint agieren. In vielen Ländern gibt es Ausgangsbeschränkungen, teilweise sogar Ausgangssperren, aber die Menschen ziehen in der Regel und in der großen Mehrheit am gleichen Strang und machen mit.

Das ist ein Hauch von Pfingsten, wenngleich es natürlich einen wesentlichen Unterschied gibt. Denn zu Pfingsten ist es so, dass die Jünger nach dem gewaltsamen Tod Jesu, also nach seiner Kreuzigung durch die imperialen Römer, zunächst in Angst und versteckt beisammensitzen, dann durch den Heiligen Geist aber gestärkt und vereint nach draußen gehen.

In der Corona-Krise ist es etwas anders. Nicht die Zuversicht ist das Primäre, was die aktuell die Menschen vereint, sondern die Angst. Allerdings dürfte es nicht nur die Angst alleine sein, sondern auch die Hoffnung, dass die Angst und die Krise irgendwann wieder überwunden werden können. Insofern doch ein Hauch von Pfingsten.


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