Friedensplan mal spiegelverkehrt

Verkehrte Welt: Wenn Moskau die Forderungen erfüllen müsste

Offensichtlich haben die Regierung Trump und der Kreml hinter verschlossenen Türen einen „Friedensplan“ ausgeheckt, von dem in Europa niemand etwas ahnte – und die Ukraine erst recht nicht.

​Die Empörung ist groß: Kritiker bezeichnen das Papier als extrem ungerecht und sehen darin nichts anderes als eine Kapitulation der Ukraine.

​Deshalb drehen wir in diesem Artikel den Spieß einfach mal um. Wir schauen uns an: Wie sähe es eigentlich aus, wenn Russland genau diese harten Bedingungen erfüllen müsste?

​Ein Spiegelbild der Forderungen

​Würde man die Bedingungen des durchgesickerten Papiers eins zu eins umdrehen, sähe die Forderungsliste an den Kreml folgendermaßen aus:

​Nicht Kyjiw, sondern Moskau müsste demnach die besetzten Gebiete Donezk und Luhansk restlos räumen. Diese Regionen würden vollständig entmilitarisiert, sodass dort keine russischen Soldaten mehr stehen dürften. Auch die südliche Frontlinie würde eingefroren, was faktisch einen Rückzug Russlands bedeuten würde.

​Ein besonders harter Punkt wäre die Rüstung: Russland müsste seine Armee drastisch verkleinern und dürfte keine Waffen mit hoher Reichweite mehr besitzen, die ukrainisches Gebiet tief treffen könnten. Zudem dürften sich keine ausländischen Truppen – etwa aus Nordkorea oder Iran – mehr auf russischem Boden oder in den besetzten Zonen aufhalten, um Moskau zu unterstützen.

​Auch kulturell müsste sich Russland anpassen: Ukrainisch müsste als offizielle Staatssprache in den Grenzregionen oder gar landesweit anerkannt werden. Zusätzlich müsste die russische Führung akzeptieren, dass eine der Ukraine wohlgesonnene Kirche in Russland wieder uneingeschränkt zugelassen wird.

​Wie man in Russland darüber reden dürfte

​Würde ein solcher Plan in Moskau auf dem Tisch liegen, wären die Reaktionen der staatlichen Medien vorhersehbar und extrem heftig.

​Es wäre in der russischen Öffentlichkeit unmöglich, dies als „Kompromiss“ zu verkaufen. Stattdessen würde man von einer bedingungslosen Kapitulation sprechen. Kommentatoren im Staatsfernsehen würden es als „Diktat des Westens“ bezeichnen, das darauf abzielt, Russland zu demütigen und wehrlos zu machen.

​Wer sich in Russland öffentlich für einen solchen Plan aussprechen würde, müsste mit harten Strafen rechnen. Es würde vermutlich als Hochverrat oder „Diskreditierung der Armee“ ausgelegt werden. Das Narrativ wäre klar: Ein solcher Plan greift die Souveränität Russlands an und ist daher völlig inakzeptabel.

​Ein Blick auf die Realität

​Dieses Gedankenspiel zeigt deutlich, wie weit die im Bericht genannten Forderungen von einem Gleichgewicht entfernt sind. Während von Kyjiw massive Einschnitte in die eigene Sicherheit und Staatlichkeit verlangt werden, würde die Gegenseite ähnliche Bedingungen wohl niemals auch nur in Erwägung ziehen. Dass Kanzleramtschef Frei den Vorschlag als „verstörend“ bezeichnete, erscheint vor diesem Hintergrund nachvollziehbar.

Quelle: Deutschlandfunk


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