Facebook und Orwell. Weshalb der Konzern eine Gefahr ist.

Man stolpert ja manchmal ganz versehentlich in einen Themenkomplex hinein, den man zuvor gar nicht in seiner Brisanz wahrgenommen hatte.

So passierte es mir mit dem Facebook-Konzern, zu dem auch Instagram und Whatsapp gehören.

Im Jahr 2019 hat der Konzern etwa 2,7 Milliarden Nutzer, was mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung ist.

Die Nutzer weltweit vertrauen darauf, dass sie über Facebook und die anderen beiden konzerneigenen Dienste, Whatsapp und Instagram, frei kommunizieren können. Diese Ansicht ist offensichtlich falsch.

Der Facebookkonzern reguliert vielmehr, was kommuniziert werden darf, und was nicht.

Machen wir einen geographischen Schwenk in die Ukraine. Dieses Land wird seit 2014 von Russland im Osten durch einen verdeckten Krieg angegriffen. Aus der Ukraine wird berichtet, dass Blogs, die eine große Zahl an Followern haben, plötzlich alle aus Facebook ausgeschlossen werden. Warum ? Unklar. Facebook gibt sich kafkaesk, niemand von Facebook nennt die Gründe.

Der Grund, der realistisch und gut vorstellbar ist, ist, dass russische Trolle und Bots in großer Zahl die ukrainischen Blogs auf Facebook als Spam melden. Der Algorhytmus von Facebook dürfte sie daraufhin sperren.

Für mich, der ich seit gut einem Jahrzehnt bei Facebook bin, eigentlich ein periphäres Thema. Bis ich letztes Jahr zu Pfingsten selbst in der Ukraine war. Am ersten Tag meines Aufenthalts wurde die theolounge geblockt bei Facebook. Auch bei Instagram. Auch bei Whatsapp.

Ich selber konnte weiterhin kommunizieren, aber alle Links von der theolounge wurden geblockt.

Zwischenzeitlich schaltete vermutlich ein Mitarbeiter, nachdem ich mich mehrfach beschwert hatte, die Links wieder frei, ein Bild zum Link wurde aber nicht mehr eingeblendet auf Facebook. Damit ist ein solcher Link dann äußerst uninteressant für andere Facebooknutzer.

Weshalb zumindest die Links, wenn auch ohne Bild, wieder freigeschaltet wurden, lässt sich so erklären. Ich wollte jemandem in der evangelischen Kirche, der eine recht hohe Stellung in der EKD, der evangelischen Kirche in Deutschland, innehat, Gedanken zur Kirchenentwicklung zukommen lassen, über Facebook. Dazu hatte ich einen Artikel geschrieben. Wie Sie nun richtig vermuten, konnte ich aber, nachdem ich in einer direkten Nachricht über den Facebook-Messenger ein Anschreiben formuliert hatte, den Link zum Artikel nicht beifügen. Gesperrt. Ich konnte also meine Nachricht nicht kommunizieren. Darüber beschwerte ich mich bei Facebook und daraufhin schaltete wohl ein Facebook-Mitarbeiter die Links frei. Er tat dies sicherlich deshalb, weil es ja sein könnte, dass dann auch gewisse kirchliche Kreise einen anderen Blick auf Facebook bekommen und sich möglicherweise nach und nach aus dem Netzwerk zurückziehen könnten. Die Macht den Konzerns hätte also, wenn auch zunächst in geringem Maße, schwinden können. Andererseits weiß man ja, dass die Kirche gesamtgesellschaftlich durchaus noch einen recht großen Einfluss nehmen kann. Nein, das wollte Facebook dann nicht. Den Ball lieber flach halten. Facebook wich ein Stück zurück.

Gestern allerdings wollte ich in einer kleinen Facebookgruppe, die nur für die paar Autoren der theolounge erreichbar ist, einen Link zum Nachruf auf meinen ehemaligen Schulkameraden Jimmy Schulz verlinken. Fehlanzeige. Der Link wurde nicht mehr gestattet.

Warum ist das aber ein Problem für die gesamte Gesellschaft?

Weil weltweit mehr als ein Drittel der Menschen darauf vertrauen, über den Facebookkonzern kommunizieren zu können. Es kann aber immer wieder vorkommen, dass Menschen von dieser Kommunikation ausgeschlossen werden, aus Gründen, die nicht ersichtlich sind. Kein Mitarbeiter ist ansprechbar, niemand nimmt Stellung. Kryptisch wird auf die Facebook-Gemeinschaftsrichtlinien automatisiert verwiesen, gegen die man aber nicht erkennbar verstoßen hat.

Im Gegenzug dürfen rechtsradikale und hetzerische Kommentatoren Facebook überfluten und werden nach wie vor nur unwillig und sukzessive von Facebook gelöscht oder gesperrt. Seiten aber wie die theolounge, die ethische Themen kommuniziert, die reflektiert ist, die auf Ausgleich und Verständigung ausgerichtet ist, die völlig im Rahmen des deutschen Grundgesetzes beheimatet ist, werden gesperrt.

Der Chef des Facebookkonzerns und Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg, findet es in Ordnung, wenn auf seinem Netzwerk der Holocaust geleugnet wird. In Deutschland ist dies eine Straftat und fällt unter den Straftatbestand der Volksverhetzung. Völlig zurecht. Wenn aber eine Seite wie die theolounge darauf hinweist, dass derartiges Vorgehen keinen ethisch akzeptablen Standards entspricht, wenn sie auch andere ethische Themen kommuniziert, wird sie aus dem Konzern ausgeschlossen.

Das ist ein Problem. Das ist gefährlich. Das ist ein großes Problem. Facebook steht somit für partielle und willkürlich erscheinende Zensur. Wer nicht passt, wird mundtot gemacht. Und wenn es nur russische Trolle gewesen seien sollten, die einen Blog angeschwärzt haben. Eine Überprüfung auf die Richtigkeit solcher Diffamierungen findet von Seite des Facebookkonzerns offenbar nicht statt. Zu aufwändig, zu teuer, es verspricht keinen wirtschaftlichen Profit.

Menschen, die über die Facebook-Netzwerke, also Facebook, Instagram, Whatsapp, kommunizieren, vertrauen darauf, dass sie dort auch morgen noch kommunizieren können. Sie haben oft Kontakte geknüpft, von denen sie keine Emailadressen oder Telefonnummern mehr haben, weil sie auf das Netzwerk vertrauten. Naiv, aber so ist die Realität. Diese Menschen müssen mit dem Damoklesschwert leben, dass sie spontan und ohne erklärten Grund von Facebook teilweise oder ganz ausgeschlossen werden. Ende der Kommunikation.

Das ist für einen Konzern, der über ein Drittel der Weltbevölkerung in seine Netzwerke gezogen hat, ein ethisch zutiefst fragwürdiges Verhalten. Und es ist auch politisch problematisch. Wer nicht linientreu ist, darf nicht mehr kommunizieren. Angenommen, Facebook wollte man mit einem Staat im Staate vergleichen: Wie hieß doch gleich nochmal diese Staatsform, in welcher der Staat die Inhalte bestimmt, über die gesprochen werden darf, und die, über die man sich nicht austauschen darf ?

Demnächst will Facebook eine eigene Währung, die „Libra“, herausgeben. Die Menschen werden dann darauf vertrauen, dass damit jeder dann bezahlen kann.

Dieses Vertrauen dürfte eine Illusion sein. Mit „Libra“ bezahlen wird nämlich nur derjenige können, der sich ins System des Facebook-Konzerns einfügt. Wer hier durch das Raster fällt oder dem Konzern unangenehm ist, ist vom Zahlungsverkehr ausgesperrt. Er kann sich glücklich schätzen, solange es als Alternative noch Bargeld und echte staatliche Währungen gibt. Ansonsten kann er sich eine Brücke suchen, unter der er obdachlos sein Lager aufschlägt. Denn: wer nicht bezahlen kann, kann auch am gesellschaftlichen Leben nicht teilnehmen. Facebook geht gerade einen großen Schritt in diese Richtung. Und sind wir doch mal ehrlich: das Ziel eines jeden Konzerns ist immer die Monopolstellung.

4 Gedanken zu “Facebook und Orwell. Weshalb der Konzern eine Gefahr ist.

    1. Also WordPress gehört meiner Meinung nach nicht zum Facebook Konzern. Ein Segen. Ich denke, in bezug auf Facebook ist die Sensibilität immer noch nicht hoch genug in der Gesellschaft. Aber Facebook, welches eine derartige Marktmacht hat, stellt sich eigentlich fast schon über das Gesetz, in dem es so agiert, wie in dem Artikel beschrieben. Denn in Deutschland beispielsweise gilt das Grundrecht der freien Meinungsäußerung, solange man nicht gegen das Grundgesetz verstößt. Klar: Hetze, Hass, Verleumdung und Volksverhetzung sind ein No-Go und verboten. Aber darum geht es ja in meinem Artikel eigentlich gar nicht. Es geht darum, normal kommunizieren zu können. Was aber offensichtlich von Facebook immer mal wieder unterbunden wird. Und das ist durchaus sehr kritisch. Das kann ganze Gesellschaften und politische Systeme ins Wanken bringen, wenn die Menschen nämlich darauf vertrauen, über Facebook ungehindert kommunizieren zu können. Wenn dann plötzlich gewisse Nachrichten nicht mehr durchkommen, bekommen sie das gar nicht mit. Nur der Sender bekommt es mit, der nicht mehr senden kann.

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