Gefährden politische Talkshows die Demokratie?

Ja, so ist zumindest die Tendenz des Artikels „Echt guter Auftritt“ in der aktuellen Printausgabe der ZEIT im Politikteil.

Warum?

Weil sie Verkaufsartikel sind und eine gute Einschaltquote erzielen wollen. Deshalb greifen sie Themen auf, die nicht unbedingt die Wirklichkeit abbilden, sondern die sie aufbauschen. Wer in einer solchen Talkshow eingeladen ist, gilt plötzlich als relevant für weitere Medien. Und was in einer Talkshow diskutiert wurde, wird oft auch Thema in anderen Medien. Somit beeinflussen Talkshows, und seien sie noch so einseitig ausgerichtet, die Medien, und damit die Meinung und auch die politische Einstellung im Land.

Als Beispiel wird Maischberger zitiert, wo es seit 2015 in 115 Folgen 18 mal um Migration und geflüchtete Menschen ging, 10 mal um Rechtspopulismus, 6 Mal um den Islam, viermal um islamistischen Terrorismus. Kein einziges Mal ging es um Clinton, jedoch sechsmal um Donald Trump und dreimal um Wladimir Putin, schließlich noch zweimal um Erdogan. Von 115 Folgen befassten sich also 61 mit diesen Themen, mehr als 50%. Für hart aber fair, Anne Will und Maybrit Illner sind die Zahlen ähnlich.

Zudem kommen die eingeladenen Studiogäste viel zu kurz zu Wort, um beispielsweise auch Lösungswege aufzeigen zu können. Stattdessen wird nur auf den kurzen Impuls gesetzt, um ein Drama zu inszenieren, welches dann zum Schluss der Sendung im leeren Raum und in den Staat hinein weiterhallt.

Auch die reißerischen Überschriften dienen dem Thema der möglichst hohen Einschaltquote. So bei Maischberger beispielsweise: „Sozialstaat unter Druck: kosten uns die Flüchtlinge zu viel?“, ein absurder und demagogischer Titel in Zeiten, in denen der deutsche Staat Milliardenüberschüsse verzeichnet.

Die Talkshows geben somit vor, die Bürger zu informieren, in Wirklichkeit manipulieren sie aber oftmals, und zwar nicht, weil sie dies vielleicht unbedingt befürworten würden, sondern weil es Quote bringt.

Solche Talkshows sind aber nicht das, was sie vorgeben, nämlich Orte, an denen Themen aus der Gesellschaft diskutiert werden, sondern es sind Orte, an denen quotebringende Themen aus der Gesellschaft herausgeholt, auf ein leuchtendes Podest gestellt und dort überhöht werden.

Durchaus nicht ungefährlich.


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