Walter Jungbauer. Ab dem 02. Juni 2012 gibt es eine neue Kathedrale in Deutschland. Am nächsten Samstag wird mit einem feierlichen Gottesdienst um 11.00 Uhr die Namen-Jesu-Kirche mitten in der Bonner Innenstadt als neue Bischofs- und Kathedralkirche des Katholischen Bistums der Alt-Katholikinnen & Alt-Katholiken offiziell wiedereröffnet.
Der alt-katholische Bischof, Dr. Matthias Ring, knüpft an die neue Kathedralkirche große Hoffnungen: „Ich hoffe, dass diese Kirche zu einem geistlichen Zentrum wird, das nicht nur auf die Stadt Bonn, sondern auf unser ganzes Bistum ausstrahlt.“
Die Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen, in deren Eigentum sich die Namen-Jesu-Kirche befand, hatte Anfang des Jahres 2008 mit dem alt-katholischen Bistum über die Nutzung der Bonner Namen-Jesu-Kirche in der Bonngasse durch die alt-katholische Kirche verhandelt. Im Zuge der Neustrukturierung der Seelsorge im römisch-katholischen Erzbistum Köln war die Namen-Jesu-Kirche von der römisch-katholischen Kirche aufgegeben worden. Die Düsseldorfer Staatskanzlei und der Bonner Stadtdirektor hatten großes Interesse daran, die Kirche als sakralen Raum zu erhalten und eine dementsprechende Nutzung zu gewährleisten. In diesem Kontext wurde von den staatlichen und kommunalen Vertretern die Frage gestellt, ob die Namen-Jesu-Kirche dem alt-katholischen Bistum als Bischofskirche – neben St. Cyprian als Bonner Pfarrkirche – dienen könnte.
Pfarrer Oliver Kaiser, der am Bischöflichen Seminar alt-katholische Liturgie lehrt, machte damals den Wert einer solchen Bischofskirche für das alt-katholische Bistum deutlich: „Auf der Ebene der Pfarrgemeinde gehört zur symbolischen Repräsentanz in der Regel das Kirchengebäude. Es ist für das Leben und Bewusstsein einer Gemeinde von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Ein Pfarrer unseres Bistums hat einmal den Ausdruck geprägt, die Kirche sei ‚die gute Stube‘ der Gemeinde. Eine Entsprechung auf der Ebene des Bistums gibt es nicht. Die wichtigsten Lebensäußerungen des Bistums finden in geliehenen Kirchen und gemieteten Kongresszentren statt … Wenn wir diesen Status jetzt festhalten, obwohl sich neue Möglichkeiten auftun, ist das nach meinem Empfinden nicht mehr die zunächst ja positiv gemeinte Ausgestaltung einer Notkirche, sondern das Verharren in kirchlicher Notdürftigkeit.“ Dabei war ihm selbstverständlich klar, dass es für die Alt-Katholikinnen und Alt-Katholiken wichtig sei, eine solche ‚Kathedrale’ dann auch dem Bistum angemessen in „zurückhaltender und demütiger Schönheit“ zu gestalten, was mit dem schlichten Altar und dem ebenso gestalteten Bischofssitz als gelungen angesehen werden kann.
Die rund 300 Jahre alte Namen-Jesu-Kirche ist für das katholische Bistum der Alt-Katholikinnen und Alt-Katholiken kein vollkommen neues Gotteshaus. Zwischen 1877 und 1934 wurde es bereits knapp sechs Jahrzehnte lang von der alt-katholischen Kirche als Gemeindekirche genutzt. Dann wurde der Vorläufer der heutigen Pfarrkirche St. Cyprian gebaut, welche noch heute die Heimat der Bonner alt-katholischen Gemeinde ist.
Im Juni 2009 wurde dann die Stiftung Namen-Jesu-Kirche gegründet. Sie trägt im Moment vor allem die Kosten für Heizung und Versicherungen.
Bereits seit März 2012 werden regelmäßige Gottesdienste (z.B. freitags, 19.00 Uhr ein Abendgottesdienst) und zahlreiche Konzerte (z.B. sonntags, 17.00 Uhr Vesperkonzerte) angeboten. Weitere Konzerte, Lesungen, Ausstellungen sowie Vorträge und Gesprächsgruppen zu religiösen und gesellschaftlichen Themen sollen hinzukommen. Darüber hinaus ist die Kirche täglich für mehrere Stunden geöffnet. Dies wird von den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern gewährleistet.
Anlässlich der bevorstehenden Wiedereröffnung wird sich auch die Juni-Ausgabe der alt-katholischen Monats-Zeitschrift Christen heute mit dem Schwerpunkt-Thema ‘Namen-Jesu-Kirche’ beschäftigen.
Mehr zum Thema finden Interessierte auch auf dem Weblog www.alt-katholisch.net



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