Verändert sich die Religiosität mehr in Richtung Äußerlichkeit, in Richtung mediale Inszenierung ? Dieser Artikel aus der ZEIT bemängelt das Verschwinden von Inhalt zugunsten der äußeren Form. Die Inhalte ließen sich verschieben und der jeweiligen historischen Lage anpassen. Diese Aspekte treffen einerseits sicherlich zu. Andrerseits ist es vielleicht etwas oberflächlich, anzunehmen, die Inhalte seien in den Hintergrund getreten und man spreche nur noch, um zu sprechen und das Unbenennbare mit Bestimmtheit benennen zu können. Das geht nämlich auch etwas am Kern der Religionen vorbei.
So lebt beispielsweise das Christentum als Offenbarungsreligion eben davon, dass Gott etwas von sich mitgeteilt hat. Somit gibt es durchaus Inhalte, die nicht einfach nur durch leere Formhülsen ersetzt werden können. Auch ein Synkretismus, die Verschmelzung verschiedener Religionen kann so nicht nachvollzogen werden. Selbst, wenn man im Sinne der Verständigung davon spricht, irgendwo wohl denselben Gott anzubeten, heißt das nicht, dass die Gotteserkenntnis verschiedener Religionen dieselbe ist. Und es heißt ferner auch nicht, dass die Inhalte der jeweiligen Religion zugunsten einer reinen Äußerlichkeit verschwinden. Zwar ist diese Äußerlichkeit medial neu aufbereitet, aber ihr Hintergrund bleibt durchaus erhalten.
Zudem findet sich in dem Artikel keine Differenzierung von Religion einerseits als Machtfaktor, andrerseits aber als das, was das Evangelium ausmacht, seine befreiende Botschaft. Vielmehr geht es nur um ersteres.
Es gibt sicherlich tatsächlich diese neue Ästhetik der medialen Aufbereitung von religiösen Inszenierungen. Aber das ist nur ein Teil dessen, was Religion ausmacht.
Im Sinne von Karl Bart beispielsweise ist ohnehin der „Religionsbegriff“ ein zu hinterfragender: Religion sei nämlich das, was den Menschen durch Regeln und Gebote versklave – das Evangelium dagegen sei – zumindest von seinem Kern her – das Ende von Religion, das Zugehen Gottes auf den Menschen, das Ende der Gesetzeserfüllung, durch die der Mensch Gott zu erkennen suchte. Zum Artikel.
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