Berlin zieht die Notbremse – doch in Washington brennt längst die Hütte …

​Berlin, 12. Dezember 2025. Es hat lange gedauert, bis der Groschen gefallen ist. Aber heute hat die Bundesregierung endlich ein Zeichen gesetzt, das man in Moskau nicht überhören kann: Der russische Botschafter wurde einbestellt. Der Grund sind harte Beweise. Wir wissen jetzt sicher, dass russische Hacker (die Gruppe APT28) und eine riesige Lügen-Kampagne namens „Storm 1516“ versucht haben, unsere Wahlen zu manipulieren und das Land zu spalten.

Deutschland scheint langsam zu begreifen: Russland ist kein normaler Staat. Es ist ein Angreifer. Schon seit Jahrhunderten überfällt Russland seine Nachbarn – früher mit Panzern, heute zusätzlich mit Cyber-Waffen. Zwar haben Putins Freunde hierzulande (Hallo AfD und Sarah Wagenknecht) für Unruhe gesorgt, aber die gute Nachricht ist: Das deutsche System hat gehalten. Wir haben uns gewehrt. Die Demokratie steht noch.

​Doch während wir uns hier in Berlin auf die Schulter klopfen, weil wir den Einbrecher an der Tür gestoppt haben, müssen wir entsetzt feststellen: Im Haus unseres wichtigsten Verbündeten sitzt der Einbrecher längst am gedeckten Tisch.

​Der Albtraum jenseits des Atlantiks

​Der Blick in die USA zeigt, was passiert, wenn die russische Saat voll aufgeht. Was in Deutschland gerade noch abgewehrt wurde, hat in Amerika triumphiert. Donald Trump ist zurück im Weißen Haus – und er kam dort nicht allein an. Er hatte massive Hilfe aus Moskau.

​Schon 2016 war es offensichtlich. Damals startete Russland den „Testlauf“. Mit Troll-Fabriken und gehackten E-Mails der Demokraten wurde Stimmung gemacht. Es war plump, aber es funktionierte. Trump nahm die Hilfe dankend an, und Moskau lernte, wie man die amerikanische Wut lenkt.

​Doch bei der Wahl 2024 war es kein Test mehr. Es war der totale Angriff. Die US-Geheimdienste waren sich einig: Russland war die aktivste ausländische Bedrohung. Diesmal nutzte der Kreml modernste Waffen: Künstliche Intelligenz, gefälschte Videos und geklonte Nachrichtenseiten („Doppelganger“). Das Ziel war glasklar: Trump muss gewinnen.

​Warum Moskau jubelt

​Warum wollte Putin unbedingt Trump? Weil Trump das tut, was keine russische Rakete je könnte: Er zerstört die USA von innen.

Er sägt an den Säulen der Demokratie.

Er zweifelt Bündnisse an.

Und am schlimmsten für uns: Er scheint bereit, Europa und die Ukraine (und damit Kyjiw) den Russen zum Fraß vorzuwerfen.

​Es wirkt fast so, als würde Trump nun seine Schulden bei Putin begleichen. Die Allianz zwischen dem MAGA-Lager und dem Kreml ist kaum noch zu übersehen. Während wir in Deutschland den russischen Botschafter rügen, wird er in Trumps Washington vermutlich hofiert.

​Das böse Erwachen für Europa

​Die heutige Einbestellung in Berlin ist richtig und wichtig. Wir zeigen Kante. Aber wir müssen der Realität ins Auge sehen: Unser großer Bruder USA, der uns jahrzehntelang beschützt hat, ist nicht mehr da. Er ist jetzt mit demjenigen verbündet, der uns bedroht.

Wir haben verstanden, dass Russland gefährlich ist. Aber wir müssen jetzt ganz schnell verstehen, dass wir in diesem Kampf vielleicht alleine sind. Das ist die eigentliche Nachricht des Tages.


Hintergrundinformationen:

Es ist mittlerweile durch zahlreiche Geheimdienstberichte, Gerichtsprozesse und Analysen belegt, dass Russland Donald Trump sowohl 2016 als auch 2024 massiv unterstützt hat.

  • 2016 (Der Testlauf): Der Mueller-Report und der Bericht des US-Senats bestätigten, dass Russland eine „weitreichende und systematische“ Kampagne fuhr, um Hillary Clinton zu schaden und Trump zu stärken (Troll-Fabriken, gehackte E-Mails der Demokraten). Trumps damaliger Wahlkampfmanager Paul Manafort hatte direkte Verbindungen zu pro-russischen Akteuren.
  • 2024 (Der Durchbruch): Im Vorfeld der Wahl, die Trump im November 2024 gewann, war Russland laut US-Geheimdiensten (ODNI) wieder die „aktivste ausländische Bedrohung“. Diesmal nutzte Russland KI-Fakes (Deepfakes von Kamala Harris), geklonte Nachrichtenseiten („Doppelganger“-Kampagne) und bezahlte unwissende US-Influencer, um die Stimmung gegen die Demokraten und die Ukraine-Hilfe zu drehen. Das Ziel war klar definiert: Ein Sieg Trumps galt im Kreml als Schlüssel, um den Westen zu spalten.

2016: Der erste Streich – Plump, aber effektiv

​Erinnern wir uns zurück. 2016 wirkte das alles noch wie ein schlechter Film. Russische „Troll-Fabriken“ in St. Petersburg, die auf Facebook Memes posteten. Das klang fast harmlos. War es aber nicht.

Es war der Probelauf. Moskau hat damals gelernt, wo die Bruchlinien der amerikanischen Gesellschaft liegen. Man hat nicht einfach „Werbung“ für Trump gemacht. Man hat gezielt Hass geschürt. Der Sonderermittler Robert Mueller hat später hunderte Seiten darüber gefüllt. Sein Fazit: Russland wollte Trump. Und Trumps Team? Das nahm die Hilfe dankend an („If it’s what you say I love it“, schrieb Donald Trump Jr. damals über russisches Material).

Es gab damals zwar keine juristisch beweisbare „Verschwörung“ im Hinterzimmer, aber eine offene Flanke, die Moskau gnadenlos nutzte.

2024: Der zweite Streich – Leise, tödlich und mit KI

​Bei der Wahl 2024 war das Spiel ein anderes. Die Russen waren nicht mehr die plumpen Trolle von früher. Die Methoden waren hochgerüstet:

  • Doppelgänger-Kampagnen: Webseiten, die aussahen wie die „Washington Post“ oder „Fox News“, aber russische Propaganda streuten.
  • KI-Deepfakes: Täuschend echte Videos, die Gegner diffamierten.
  • Das „Storm 1516“-Netzwerk: Eine Desinformationsmaschine, die Narrative direkt in den amerikanischen Mainstream spülte.

​Die US-Geheimdienste warnten monatelang: Putin setzt alles auf eine Karte – Donald Trump. Warum? Weil Trump genau das liefert, was Putin will: Das Ende der Unterstützung für Kyjiw, das Schwächen der NATO und das Chaos im eigenen Land.

​Die Abrechnung

​Wir müssen uns nichts vormachen. Die russische Rechnung ist aufgegangen. Während Deutschland heute endlich „Stopp“ sagt und Diplomaten einbestellt, wird in Washington Politik gemacht, die Moskau gefällt. Trump zerstört die Institutionen, die 2016 und 2020 noch als Bollwerk dienten, jetzt von innen.

Es ist, als hätte man das Trojanische Pferd nicht nur in die Stadt gelassen, sondern ihm auch noch das Oval Office eingerichtet.

Die Gefahr für uns in Europa ist jetzt nicht mehr nur der Hackerangriff aus Moskau. Die Gefahr ist, dass der Anruf in Washington, der uns früher gerettet hätte, künftig direkt nach Moskau weitergeleitet wird.

Quellen:

  • US-Justizministerium (Mueller-Report)
  • Select Committee on Intelligence (US-Senat, Bericht 2020)
  • Office of the Director of National Intelligence (Annual Threat Assessment 2024/2025)
  • Microsoft Threat Analysis Center (Reports on Russian Influence 2024)

Quellen:

  • Auswärtiges Amt / Deutsche Sicherheitsbehörden (Stand 12.12.2025)
  • Berichte der US-Geheimdienste (ODNI) und des US-Senats zur Einflussnahme 2016 & 2024
  • ZEIT


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Kommentare

7 Kommentare zu „Berlin zieht die Notbremse – doch in Washington brennt längst die Hütte …“

  1. Avatar von Agricola
    Agricola

    Trump wurde nicht wegen irgendwelcher Aktionen aus Moskau gewählt. Trump wurde gewählt, um mit dem woken Unfug der democrats aufzuräumen und er macht seine Arbeit offensichtlich gut.
    Zu Europas Verteidigung muß man natürlich aufführen, daß die Krankheiten Europas, die Trump nun klar und deutlich der Welt vor Augen hält, ihren Ursprung in den USA haben. Weder Gender noch Klimawahn sind europäische Gewächse, sondern wurden durch den democrats nahestehende Kreise nach Europa exportiert. Auch die Migrationskatastrophe wäre ohne Soros etc in Europa nie so eskaliert. Aber die Europäer haben da eben mitgemacht und führen diesen Irrsinn freiwillig fort. Nun zahlen sie die Zeche.
    Eine Heilung Europas traue ich den hier herrschenden politischen Kräften aus eigener Kraft nicht zu. Sie muß von außen kommen. Von Trump!

  2. Werter Agricola,

    haben Sie vielen Dank für diesen tiefen Einblick in das Handbuch für Hobby-Verschwörungstheoretiker, Ausgabe 2025. Es ist beinahe rührend, wie Sie versuchen, Berge von geheimdienstlichen Beweisen und Gerichtsurteilen einfach mit einem „Nö, war nur wegen Woke“ beiseitezuwischen. Man muss wohl eine Menge Energie aufwenden, um die Realität so konsequent auszublenden.

    Lassen Sie uns die Sache einmal geraderücken: Dass Trump die Stimmung gegen „Woke“ genutzt hat, bestreitet niemand. Aber zu behaupten, die massive russische Hilfe (Hacker, Bot-Netzwerke, Desinformation) hätte keine Rolle gespielt, ist so, als würden Sie sagen: „Das Doping hat dem Sprinter gar nicht geholfen, der wollte einfach schneller rennen als die anderen.“ Die Russen haben nicht aus Nächstenliebe Milliarden in diese Kampagnen gesteckt, sondern weil es funktioniert.

    Und dann natürlich der Klassiker: George Soros. Wenn die Argumente ausgehen, muss immer der alte Mann herhalten. Dass Sie „Gender“ und „Klimawahn“ als US-Importe sehen, ist ja noch kreativ, aber die Ironie dabei entgeht Ihnen völlig: Sie beschweren sich über amerikanischen Einfluss, betteln aber gleichzeitig darum, dass ein amerikanischer Präsident („Heilung von außen“) hier in Europa aufräumt.

    Das ist der Punkt, an dem es wirklich absurd wird. Sie und die politischen Kräfte, denen Sie vermutlich nahestehen (wir wissen beide, wer gemeint ist, die sitzen rechts außen und halten Demokratie eher für eine lästige Empfehlung), Sie rufen nach einem „starken Mann“ aus dem Ausland, um uns zu retten.

    Das ist kein Patriotismus. Das ist Unterwerfung. Wer darauf hofft, dass Trump uns „heilt“, der hofft auch darauf, dass der Fuchs den Hühnerstall repariert. Trump interessiert sich nicht für ein starkes Europa. Er will ein zerstrittenes, schwaches Europa, das bei ihm Waren kauft und ansonsten den Mund hält.

    Kleiner Denkanstoß zum Schluss

    Es entbehrt nicht einer gewissen Komik: Diejenigen, die am lautesten „Souveränität!“ schreien, sind die ersten, die sich Moskau oder Washington an den Hals werfen, sobald dort ein Autokrat sitzt. Die extremistischen Parteien und ihre Anhänger wollen keine Freiheit, sie wollen einfach nur einen anderen Herrscher. Oder so: Freiheit für sich wollen sie schon – sie glauben nämlich, die sei ihnen dann gewährt. Wie sie zu dieser Annahme kommen: völlig unklar.

  3. Avatar von Agricola
    Agricola

    Ist das Problem nicht vielmehr, daß die Woken von ihrer eigenen moralischen Vollkommenheit so sehr überzeugt sind, daß sie sich nicht vorstellen können, daß ein unbeeinflußter Mensch sich gegen diese Ideologie entscheidet?
    Wenn man das so sieht, liegt natürlich die Schlußfolgerung nahe, daß die Trumpwähler einfache, primitive Menschen sind, die nur aus einer Situation der Beeinflussung heraus einen Menschen wie Trump gewählt haben.
    Sie verkennen die Situation. Die Wähler in den USA wollte ihre Freiheit bewahren oder zurückgewinnen. Sie wollten wieder bei Bewerbungen nach ihrer Qualifkation bewertet werden und nicht chancenlos sein, weil ein Mitbewerber mehr DEI-Punkte (Diversity, Equity, Inclusion) hat.
    In den USA hatten sich die democrats genauso weit vom Wahlvolk entfernt wie die Eliten in Europa. Deshalb konnte Trump bei den Wählern offene Türen einrennen. Dazu bedurfte es keiner Schützenhilfe aus dem Kreml. Entsprechende Narrative dienen nur dazu, einen Schuldigen für das eigene Versagen (s.o.) zu präsentieren.

  4. Hallo Agricola,

    danke für Ihre ausführliche Antwort. Ich möchte Ihnen in einem Punkt direkt zustimmen: Es wäre zu einfach und auch falsch, Millionen von Wählern pauschal als manipuliert oder „primitiv“ abzustempeln.

    Sie sprechen da einen wichtigen Aspekt an: Natürlich gab es innenpolitische Gründe, warum Donald Trump gewählt wurde. Viele Menschen fühlten sich von den Demokraten nicht mehr repräsentiert, lehnten die von Ihnen angesprochenen Themen wie Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion (Diversity, Equity, Inclusion) oder bestimmte kulturelle Entwicklungen ab und wollten eine politische Wende. Das ist ein legitimer Teil des demokratischen Prozesses. Die Unzufriedenheit mit den etablierten Eliten war real und greifbar.

    Allerdings – und hier müssen wir die Dinge sauber trennen – ist das kein Widerspruch zur russischen Einflussnahme. Beides ist gleichzeitig wahr:

    Es gab eine echte Unzufriedenheit und einen kulturellen Graben in den USA.

    Russland hat diesen Graben erkannt und gezielt vertieft.

    Die Berichte der Sicherheitsbehörden (nicht der Demokratischen Partei) besagen nicht, dass die Wähler ferngesteuert waren. Sie belegen vielmehr, dass russische Akteure wie „Storm 1516“ oder die Hackergruppe APT28 vorhandene Konflikte als Waffe genutzt haben. Sie haben Themen, die polarisieren – genau wie die Debatte um Inklusion und Vielfalt oder Migration –, durch Desinformation und Fake-News künstlich angeheizt, um das Chaos zu maximieren.

    Es geht also nicht darum, den Wählern ihren Willen abzusprechen oder einen Sündenbock für ein Wahlergebnis zu suchen. Es geht darum, dass eine fremde Macht mit illegalen Mitteln (Hacks, gekaufte Influencer, Bot-Netzwerke) massiv in den Souveränitätsraum eines Staates eingegriffen hat.

    Man kann der Meinung sein, dass die Demokraten schlechte Politik gemacht haben, und trotzdem anerkennen, dass die russische Einmischung eine Gefahr für die Demokratie an sich ist. Denn heute unterstützt Moskau vielleicht die Seite, die Ihnen sympathisch ist – morgen könnte es genau andersherum sein, immer mit dem Ziel, den Westen als Ganzes zu schwächen.

    Wir sollten uns nicht dazu verleiten lassen, Sicherheitsrisiken zu ignorieren, nur weil das Ergebnis der Wahl vielleicht den eigenen politischen Wünschen entspricht. Souveränität bedeutet auch, dass wir unsere Debatten – so hart sie auch sein mögen – ohne unsichtbare Dritte führen, die Öl ins Feuer gießen.

  5. Das führt uns jedoch zu einer entscheidenden Frage, die oft im Lärm des Kulturkampfes untergeht: Profitiert der „kleine Mann“ eigentlich wirklich von Trumps Politik, oder fühlt er sich nur gut dabei?
    ​Schauen wir uns die Situation genau jetzt, Mitte Dezember 2025, an.
    In Washington spielt sich gerade ein Drama ab, das Millionen von Trumps eigenen Wählern die Existenzgrundlage kosten könnte. Die erweiterten Zuschüsse zu den „Obamacare“-Versicherungen (ACA) laufen am 31. Dezember aus. Erst diesen Donnerstag hat der von Republikanern geführte Senat die Verlängerung blockiert.
    Das Ergebnis? Ab Januar 2026 werden sich die Krankenkassenprämien für Geringverdiener und die untere Mittelschicht schlagartig verdoppeln. Das trifft nicht die „woken Eliten“ in den Küstenstädten, die meist über ihre Arbeitgeber gut versichert sind. Es trifft den Handwerker in Ohio und die Servicekraft in Florida. Trumps Versprechen, ein „viel besseres System“ zu schaffen, ist bisher leere Luft geblieben. Stattdessen werden Gelder gestrichen. Der Kampf gegen DEI bezahlt leider keine Krankenhausrechnung.
    ​Noch dramatischer sieht es im Geldbeutel der Familien aus.
    Sie schreiben, die Menschen wollten „Freiheit“ und wirtschaftliche Chancen. Doch die Realität unter Trumps neuer Zollpolitik sieht anders aus. Aktuelle Analysen des Peterson Institute for International Economics und anderer Wirtschaftsinstitute zeigen, dass die neuen Universalzölle (10 bis 20 % auf alles, bis zu 60 % auf China) den durchschnittlichen US-Haushalt mittlerweile zwischen 2.600 und 4.000 Dollar pro Jahr kosten.
    ​Warum ist das so? Weil Zölle am Ende nicht von China gezahlt werden, sondern vom Importeur, der die Kosten an den Kunden weitergibt. Das wirkt wie eine massive Verbrauchssteuer.
    Ob Elektronik, Kleidung oder Spielzeug – die Preise sind 2025 spürbar gestiegen. Die Inflation, die eigentlich besiegt schien, wurde durch diese künstliche Verteuerung wieder angeheizt. Das trifft ausgerechnet einkommensschwache Haushalte am härtesten, da diese einen viel größeren Anteil ihres Geldes für Konsumgüter ausgeben müssen als Reiche.
    ​Es wirkt fast tragisch: Trump bietet seiner Wählerschaft kulturelle Genugtuung (den Kampf gegen die „Woken“), liefert aber eine Politik, die das Leben für Arbeitnehmer massiv verteuert und das soziale Sicherheitsnetz zerschneidet. Er dereguliert Banken, was den Konzernen hilft, aber dem Bürger an der Ladenkasse nichts bringt.
    ​Die Wut auf die etablierten Demokraten mag verständlich sein, aber die Lösung, die Trump anbietet, entpuppt sich bei Licht betrachtet als Mogelpackung. Man wählt ihn für das Gefühl der Stärke, bekommt aber eine Rechnung über Tausende Dollar und eine unsichere Gesundheitsversorgung. Ist dieser Preis für einen Sieg im Kulturkampf wirklich gerechtfertigt?

  6. Avatar von Agricola
    Agricola

    Danke für Ihre ausführlichen Kommentare. Ich möchte jetzt nicht ebenso auführlich antworten, sondern mich auch einen (winzigen aber wichtigen) Aspekt beschränken:
    Natürlich gibt es bei jeder Wahl Einflußnahmen von außen. Unser Bundespräsident hat sich auch in die US-Präsidentschaftswahlen eingemischt.
    Ihre These war, daß solche Einmischungen wahlentscheidend sind. Und da widerspreche ich, weil diese Einstellung den Souverän entmündigt. Am Ende des Tages ist es auch egal, ob er sich von Putin, der NY-Times oder gar von Steinmeier hat beeinflussen lassen. Er hat durch seine Entscheidung Trumps Präsidentschaft legitimiert.
    Auch die Regierung Merz ist durch den Wähler legitimiert, obwohl Merz das Gegenteil von dem liefert, was er versprochen hat, und seine Wähler ihm vor der Wahl geglaubt haben. Die Legitimität würde diese Regierung erst nach einem Verbot der Opposition verlieren. Solange das nicht geschieht, kann Merz völlig legitim jeden Tag ein weiteres Wahlversprechen brechen und der Wähler muß auf die nächste Wahl warten, um eine andere Entscheidung treffen zu können.

  7. Hallo Agricola,
    ​danke für Ihre Rückmeldung. Ich beschränke mich ebenfalls auf diesen Kernpunkt, denn hier liegt ein entscheidendes Missverständnis vor.
    ​Sie setzen die öffentliche Meinungsäußerung eines Politikers (wie Steinmeier) mit verdeckten Geheimdienstoperationen gleich. Das ist jedoch ein Qualitätsunterschied, den man nicht ignorieren darf:

    ​Offene Meinung vs. kriminelle Handlung: Wenn Frank-Walter Steinmeier etwas sagt, tut er das mit offenem Visier. Jeder kann es einordnen und kritisieren.

    Wenn Russland agiert, geschieht das durch Hacking (Straftat), Identitätsdiebstahl und getarnte Bot-Netzwerke, die vortäuschen, amerikanische Bürger zu sein. Das ist keine „Einflussnahme“ im demokratischen Sinne, sondern Sabotage.

    Das ist der Unterschied zwischen einem Wahlkampfstand und einem Einbruch in die Parteizentrale.
    ​Souveränität: Den Wähler vor Desinformation und gefälschten Fakten schützen zu wollen, ist keine Entmündigung. Im Gegenteil: Eine wirklich souveräne Entscheidung kann ich nur treffen, wenn die Informationen, auf denen sie basiert, nicht manipuliert sind. Wer aufgrund von Lügen wählt, entscheidet nicht frei, sondern wird gesteuert.

    ​Ihr Vergleich mit der Regierung Merz hinkt an derselben Stelle: Dass Politiker Wahlversprechen brechen, ist ein (leider) normales, innerstaatliches Problem der Demokratie, das wir Wähler an der Urne bestrafen können. Wenn aber eine feindliche ausländische Macht unsere Willensbildung durch hybride Kriegsführung angreift, ist das eine Frage der nationalen Sicherheit, nicht des politischen Geschmacks.

    ​Es geht nicht darum, das Wahlergebnis rückwirkend zu annullieren, sondern zu erkennen, dass wir uns in einem Informationskrieg befinden.

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