
Sie sprechen von der Nation, sie reden vom Volk, sie versprechen Stärke, Einheit und Souveränität. Doch am Ende wollen sie nur eines: sich selbst erhalten – Donald Trump, Wladimir Putin, Viktor Orbán und ihre Männerfreundschaften des Autoritären.
Autokraten sind nicht durch Ideale verbunden, sondern durch eine brutal nüchterne Zweckgemeinschaft. Der eine bietet Fluchträume, der andere Rabattgas, ein dritter politische Rückendeckung – Hauptsache, sie retten sich gegenseitig vor der Realität. Und vor der Justiz.
So besucht Netanjahu seinen ungarischen Kollegen Orbán, während ein internationaler Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Raum steht. Orbán? Winkt durch. Und steigt gleichzeitig aus dem Statut des Internationalen Strafgerichtshofs aus. Warum? Nicht für Ungarn, sondern für einen Freund im Sumpf.
Nationalismus? Das war einmal eine Idee. Heute ist es eine leere Hülle, ein Machtmittel, ein Fähnchen am Anzugkragen, das man ablegt, sobald der nächste persönliche Vorteil lockt. Orbán, Trump, Putin – keine dieser Figuren war je ein aufrechter Nationalist im klassischen Sinn. Sie sind Gelegenheitspatrioten, die das eigene Land nur lieben, solange es ihnen dient.
Trump liefert das Paradebeispiel. Mit seiner religiösen Verzückung für Zölle zerstört er die transatlantische Wirtschaft – im Namen der „Befreiung“. Für Amerika? Ach was. Für sich selbst. Zölle nennt er „Lieblingswörter“, Amerika kommt im Satz nicht vor. Ironischerweise schützt er Putin, während er die Verbündeten mit Strafmaßnahmen überzieht. Warum? Weil Putin ihm schmeichelt. Das reicht.
Putin selbst wird von Xi Jinping wirtschaftlich durchgefüttert. Im Gegenzug gibt’s billiges Öl. Auch Modi steigt ins Geschäft ein. Und Orbán? Der holt sich Energiepreise wie auf dem Flohmarkt – gegen politische Dienste an Moskaus Adresse. Ein ganzer Parallelmarkt des Autokratischen hat sich etabliert, wo Demokratie als Schwäche und Recht als Hindernis gilt.
Und sie lernen voneinander. Wer einmal beobachtet hat, wie schnell Trump nach Amtsantritt über eine dritte Amtszeit nachzudenken begann, merkt: Putin lässt grüßen. Und Erdoğan. Und alle anderen, die ihre Verfassungen verbogen haben wie Gummibärchen im Backofen. Medien werden gefügig gemacht, Justiz gleichgeschaltet, Parlamente entkernt. Die Macht wird personifiziert, bis sie sich im Porträt des Führers spiegelt.
Und wehe, jemand hält sich nicht an das Drehbuch. Dann springen die Brüder ein. Als Marine Le Pen verurteilt wurde, protestierten Trumps Sohn, die russische Regierung und – natürlich – Viktor Orbán. Denn: Unabhängige Gerichte sind gefährlich. Sie könnten ja anfangen, ihre Arbeit zu machen.
Am Ende steht eine Welt, in der sich Männer an der Macht festkrallen, als hinge ihr Leben davon. Vielleicht tut es das ja wirklich. Nur: Es ist nicht ihr Leben, das sie zerstören. Es ist das derer, die unter ihnen leben müssen.
Quelle: Michael Thumann: „Männer, die sich gegenseitig helfen“, in: ZEIT ONLINE, 4. April 2025



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