Bibliolog: Die Geschichte vom verlorenen Sohn

Erzähler:
Es war einmal ein Mann, der hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sprach eines Tages zu seinem Vater: „Vater, gib mir das Erbe, das mir zusteht!“ Da teilte der Vater sein Hab und Gut unter die beiden auf. Der Jüngere nahm sein Erbe und zog in die Ferne.

(An die Gemeinde:)
Was meint ihr, was der Vater wohl gedacht hat, als sein Sohn ihn um das Erbe bat? Was geht einem Vater dabei durch den Kopf? Was fühlte er in diesem Moment?

Vater:
Es ist schwer, das Herz meines Sohnes ziehen zu lassen. Ich weiß, dass die Welt ihn hart prüfen wird. Aber ich muss ihm seinen Weg gehen lassen, auch wenn es mir das Herz bricht. Vielleicht ist dies der einzige Weg, wie er lernen kann, was im Leben wirklich wichtig ist.

Erzähler:
Und so ging der jüngere Sohn fort, in ein fernes Land. Dort lebte er in Saus und Braus, verschwendete sein Vermögen und führte ein zügelloses Leben. Doch bald war alles Geld aufgebraucht. Und es kam eine große Hungersnot über das Land.

(An die Gemeinde:)
Stellt euch vor, ihr wärt der verlorene Sohn. Alles, was ihr hattet, ist jetzt fort. Wie fühlt ihr euch? Was werdet ihr tun? Welche Gedanken gehen euch durch den Kopf?

Verlorener Sohn:
Wie konnte ich nur so dumm sein? Ich hatte alles – und jetzt? Nichts mehr! Mein Vater gab mir so viel, und ich habe es verschwendet. Jetzt bin ich hier, hungrig und allein, und es gibt niemanden, der mir hilft. Was bleibt mir? Sogar die Schweine, die ich hüten muss, haben mehr zu essen als ich!

Erzähler:
In seiner Not dachte der Sohn bei sich: „Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, und ich verderbe hier vor Hunger! Ich will zu meinem Vater zurückkehren und sagen: ‚Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Nimm mich als einen deiner Tagelöhner.’“ Und so machte er sich auf den Weg.

(An die Gemeinde:)
Was glaubt ihr, wie sich der Vater fühlt, nachdem sein Sohn so lange fort ist? Wird er ihn zurücknehmen? Kann er ihm vergeben?

Vater:
Jeden Tag habe ich auf ihn gewartet. Jeden Tag habe ich gehofft, dass er zurückkommt. Und obwohl er mich verlassen hat, obwohl er alles vergeudet hat – er bleibt mein Sohn. Ich werde ihm vergeben, wenn er zurückkehrt. Denn meine Liebe zu ihm war immer stärker als alles andere.

Erzähler:
Und als der Vater seinen Sohn von weitem sah, rannte er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn sprach: „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.“ Doch der Vater sagte zu seinen Dienern: „Bringt schnell das beste Gewand, zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an die Hand und Schuhe an die Füße. Holt das Mastkalb und schlachtet es; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist gefunden worden.“

(An die Gemeinde:)
Warum reagiert der Vater so? Was sagt uns das über Vergebung? Was bedeutet es, jemanden so vorbehaltlos zu lieben?

Erzähler:
Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Als er heimkehrte und die Musik und den Tanz hörte, fragte er einen der Knechte, was das zu bedeuten habe. Der Knecht sprach: „Dein Bruder ist zurückgekommen, und dein Vater hat das Mastkalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederbekommen hat.“ Da wurde der ältere Sohn zornig und wollte nicht ins Haus gehen.

(An die Gemeinde:)
Stellt euch vor, ihr seid der ältere Sohn. Was fühlt ihr, wenn ihr hört, dass euer Bruder, der alles verschwendet hat, nun so empfangen wird? Was sagt ihr dazu?

Älterer Sohn:
Wie kann das sein? Jahrelang habe ich für meinen Vater gearbeitet, habe mich an alle Regeln gehalten, und nie hat er mir ein Fest gegeben! Und jetzt, wo dieser Verschwender zurückkommt, der das ganze Erbe vergeudet hat, wird er wie ein König empfangen? Ist das gerecht?

Erzähler:
Der Vater ging hinaus und redete mit ihm. Doch der ältere Sohn sprach: „So viele Jahre diene ich dir, und nie habe ich dein Gebot übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Aber als dieser dein Sohn kam, der dein Gut mit Huren vergeudet hat, da hast du ihm das Mastkalb geschlachtet!“

(An die Gemeinde:)
Warum ist der ältere Sohn so verbittert? Versteht er die Entscheidung seines Vaters? Was hätte er anders machen können?

Vater:
Mein Sohn, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir fröhlich sein und uns freuen. Denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.

Erzähler:
Und so endete die Geschichte – mit einem Fest für den verlorenen Sohn, der zurückkehrte, und einer Lektion für alle: dass Liebe und Vergebung nicht aufrechenbar sind.


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