
Im Drogeriemarkt wird nicht mehr einfach nach Nussschokolade gefragt. Stattdessen erkundigt man sich nach der „Edelnussmischung“, als handele es sich um eine Rarität, die nur in den erlesensten Kreisen kursiert. Wer hätte gedacht, dass eine simple Mischung aus Haselnüssen und Mandeln plötzlich einen so erhabenen Titel verdient?
Die Szene wirkt fast surreal: Ein Kunde, der den Verkäufer mit der Ernsthaftigkeit eines Antiquitätenhändlers fragt, wann denn die nächste Lieferung dieser „Edelnussmischung“ eintreffen wird. Man erwartet fast, dass im nächsten Moment ein Sommelier auftaucht, der die feinen Nuancen des nussigen Bouquets beschreibt.
Das ist die Macht der Werbung. Sie verwandelt Alltägliches in Exklusives, Banales in Besonderes. Früher griff man nach „Schokolade mit Nüssen“, heute zelebriert man den Kauf einer „Edelnussmischung“. Man könnte meinen, dass die Verpackung aus feinstem Samt besteht und jede einzelne Nuss von einem Schweizer Chocolatier handverlesen wurde.
Wer weiß, wohin uns diese Entwicklung noch führt. Vielleicht kaufen wir bald keine Zahnpasta mehr, sondern nur noch „Deluxe-Dentalcreme“, keinen Kloreiniger, sondern „Royal-Sanitärpflege“. Wir könnten uns dann fragen, ob wir noch einkaufen oder schon an einem erlesenen Kulturritual teilnehmen.
Letztlich bleibt die Frage, ob die „Edelnussmischung“ wirklich schmeckt oder ob wir nur den Hauch von Luxus schmecken, den uns die Werbesprache suggeriert. Aber eine Sache ist sicher: Die Sprachakrobaten der Werbeindustrie haben wieder einmal gewonnen – und wir alle knabbern mit.



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