Nord Stream und deutsche Krokodilstränen

Deutsche Energiepolitik: Der Pfad zum Desaster und seine Konsequenzen

Die jüngsten Ermittlungen zur Sabotage der Nord Stream-Pipelines im September 2022 haben in Deutschland ein Licht auf die dunklen Schatten geworfen, die die jahrzehntelange Energiepolitik des Landes mit sich bringt. Deutsche Ermittler haben Hinweise darauf gefunden, dass möglicherweise ukrainische Taucher den Anschlag verübt haben könnten, darunter der Hauptverdächtige Wladimir S. Diese mutmaßliche Enthüllung wirft nicht nur Fragen nach der Beteiligung der Ukraine auf, sondern zwingt Deutschland, sich mit dem katastrophalen Erbe seiner kurzsichtigen Energiepolitik auseinanderzusetzen.

Seit Jahren hatte Deutschland auf eine gefährliche Abhängigkeit von russischem Gas gesetzt. Nord Stream 1 und 2, die Pipeline-Projekte, auf die die deutsche Industrie ihre Energieversorgung stützte, wurden von Anfang an gegen die eindringlichen Warnungen osteuropäischer Länder vorangetrieben. Diese Länder warnten, dass Russland Gas als geopolitische Waffe einsetzen könnte – doch diese Bedenken wurden in Berlin beharrlich ignoriert, zugunsten von billigem Gas und kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteilen.

Das Versagen Deutschlands, diese Warnungen ernst zu nehmen, trug erheblich dazu bei, Russland wirtschaftlich zu stärken. Die Milliarden an Devisen, die durch den Gasimport nach Russland flossen, wurden wohl auch in die militärische Aufrüstung Moskaus investiert. Diese Aufrüstung mündete schließlich in den großangelegten Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022. Deutschland hatte damit sehenden Auges einem aggressiven Regime geholfen, das den Frieden in Europa zerstörte und Millionen von Menschen ins Unglück stürzte.

Der Anschlag womöglich durch ukrainische Kräfte, so die Vermutung, könnte eine verzweifelte Reaktion auf den brutalen russischen Angriffskrieg gewesen sein. Wenn Ukrainer tatsächlich hinter der Sabotage stehen sollten, könnte dies als Versuch gewertet werden, Russland von den Einnahmen abzuschneiden, die diesen Krieg finanzierten – Einnahmen, die durch die deutsche Gier nach billigem Gas ermöglicht wurden.

Deutschland steht nun vor den Trümmern seiner Energiepolitik. Der Schaden, den diese kurzsichtige Strategie angerichtet hat, reicht weit über die Zerstörung der Pipelines hinaus. Es ist eine bittere Ironie, dass das Land, das mit seiner Energiepolitik glaubte, seine wirtschaftliche Stärke zu sichern, stattdessen die Grundlagen für einen der größten Angriffskriege in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg gelegt hat. Diese Fehler zu erkennen und daraus zu lernen, ist nicht nur eine Frage der nationalen Selbstkritik, sondern eine Notwendigkeit, um ähnliche Desaster in Zukunft zu verhindern.

Nach dem Ende des Nazi-Regimes war man sich in Deutschland einig, dass nie wieder ein Angriffskrieg von deutschem Boden ausgehen sollte. Aber die deutsche Gier nach billigem Gas hat wohl maßgeblich dazu beigetragen, Russland wirtschaftlich in die Lage zu versetzen, einen riesigen und verheerenden Angriffskrieg mitten in Europa beginnen und nun schon seit zweieinhalb Jahren führen zu können.

Quelle ZEIT ONLINE


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