
Zwischen Grab und Morgen
Karsamstag
ist der Tag
an dem der Himmel
nicht antwortet.
Die Gebete
fallen nicht zu Boden,
sie hängen nur irgendwo
im Schweigen
zwischen Stein
und Atem.
Gestern war noch
Schmerz,
heute ist nur
dieses leere Dazwischen,
dieser Raum,
in dem man nichts festhalten kann
außer die eigene Sehnsucht.
Die Welt macht weiter.
Irgendwo fährt ein Bus.
Irgendwo deckt jemand den Tisch.
Irgendwo lacht ein Kind.
Und doch liegt über allem
dieses seltsame Wissen:
Es ist noch nicht vorbei,
aber es ist auch noch nicht gut.
Karsamstag
ist der Glaube
ohne Beweis.
Das Warten
ohne Applaus.
Die Liebe,
die bleibt,
obwohl das Licht
verschwunden ist.
Vielleicht ist das heilig:
nicht immer stark zu sein,
nicht immer sicher,
nicht immer voller Hoffnung.
Vielleicht ist Gott
auch hier,
im Aushalten,
im Nichtwissen,
im stillen Zimmer
der erschöpften Herzen.
Vielleicht sitzt er
mitten in unserer Nacht
und sagt noch nichts,
weil selbst die Stille
manchmal schon
eine Form von Treue ist.
Und morgen,
vielleicht morgen,
wird der Stein nicht das letzte Wort haben.
Aber heute
lebt der Glaube davon,
dass selbst im Grab
schon etwas ruht,
das einmal Leben
heißen wird.



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