Der No-Deal-Maker

Oder: Wie Trump Putin das Veto-Recht über sein eigenes Druckmittel gab

Es war fast zu schön, um wahr zu sein: US-Präsident Donald Trump, der selbsternannte Meister des Deals, kündigte letzte Woche vollmundig einen Gipfel mit Wladimir Putin in Budapest an. Binnen zwei Wochen sollte der Krieg in der Ukraine mal eben beendet werden. Doch nun ist die große Show geplatzt. Das Treffen steht massiv infrage, man wolle „keine Zeit verschwenden“.

Was ist passiert? Um das zu verstehen, muss man sich ansehen, womit Trump den Kreml überhaupt an den Tisch locken oder zwingen wollte: mit der Androhung von Tomahawk-Marschflugkörpern für die Ukraine.

Noch vor wenigen Tagen ließ Trump durchblicken, er könne diese mächtigen Langstreckenwaffen liefern – ein Szenario, das, wie Präsident Selenskyj treffend analysierte, Putin „wirklich Angst“ mache. Genau dieser militärische Druck, so die Hoffnung in Kyjiw, würde Putin zu echten Verhandlungen zwingen.

Doch dann kam die Meisterleistung des Dealmakers: Trump empfing Selenskyj in Washington und nahm – Berichten zufolge nach einem Telefonat mit Putin – die Tomahawk-Drohung wieder vom Tisch. Man wolle vor dem Gipfel „nicht eskalieren“.

Die Reaktion aus Moskau kam prompt und war von meisterhafter Zynik. Kaum war das einzige echte Druckmittel verschwunden, war auch die Dringlichkeit für ein Treffen in Budapest dahin. Plötzlich hieß es aus Russland, es gäbe keinen präzisen Zeitrahmen mehr. Die Washington Post meldete gar, Russland sei „verärgert“ über Trumps (inzwischen zahnlose) Forderung nach einem sofortigen Kriegsende.

Es ist eine perfekte Demonstration der Putin’schen Taktik: Man signalisiert vage Gesprächsbereitschaft, solange einem mit ernsthaften Konsequenzen (Tomahawks) gedroht wird. Sobald der Gegner dieses Druckmittel freiwillig aus der Hand gibt, um „nett“ zu sein, lässt man ihn mit voller Wucht ins Leere laufen.

Trump, der sich vermutlich schon auf dem Weg zum Friedensnobelpreis sah, hat sich selbst ausmanövriert. Er hat Putin erfolgreich demonstriert, dass er vor der eigenen Courage zurückschreckt. Und Wladimir Putin? Er muss nicht einmal mehr so tun, als hätte er Interesse an einem Treffen, das er ohnehin nur unter Zwang wahrgenommen hätte. Denn Putin würde die Lage wohl so kommentieren: Läuft !

Quelle: Basierend auf Informationen von DIE ZEIT,  (Stand 22. Oktober 2025) sowie Analysen zu den Äußerungen von Präsident Selenskyj (ca. 18.-20. Oktober 2025).


Entdecke mehr von god.fish

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

1 Arbeit Architektur Bayern Berlin Beziehung Beziehungen Bibel Bilder blau Blumen Christen Christentum Corona Coronavirus demokratie Details Deutschland Donald Trump EKD Essay Essen Ethik EU Europa Evangelisch Farben Flüchtlinge Fotografie Fotos frieden funny.casa Gedanken Gedichte gelb Gemeinde Geschichte Gesellschaft Gesundheit Glaube Gott grün Herbst Highlight Hoffnung Humor Impressionen italien Jesus Jesus.casa Katholisch kinder Kirche Klimaerwärmung krankheit Krieg Kultur Kunst Leben Lebenshilfe Liebe Medien menschen Menschenrechte Musik Musikgeschichte münchen München inside Nachgedacht Nato Natur neu Olaf Scholz Ostern Pandemie philosophie photography Politik Psychologie Putin Religion Russland Satire Sprache sunshine.casa Theologie Tod Toleranz Ukraine Universum Urlaub usa verantwortung video Weihnachten winter Wirtschaft yellow.casa Zivilcourage Zukunft


Kommentare

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von god.fish

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen