„Liberation day“ – Zerstört Trump die USA?

Die USA im Ausnahmezustand

Am 2. April 2025 verkündet Donald Trump im Rosengarten des Weißen Hauses den sogenannten Liberation Day. Mit einem Dekret zur Einführung drastischer Strafzölle gegen China, Japan, die EU und andere Staaten stößt er die Weltwirtschaft in eine Schockwelle. Drei Billionen Dollar Börsenwert sind binnen eines Tages vernichtet, Lieferketten brechen, Preise steigen, Vertrauen zerbricht. Und während Märkte, Verbündete und selbst die amerikanische Öffentlichkeit konsterniert zurückblicken, lächelt Trump. Was treibt diesen Mann? Ist er geistig nicht mehr auf der Höhe? Oder verfolgt er zielstrebig einen größeren Plan?


1. Kognitive Defizite: Altersdemenz oder narzisstische Selbsttäuschung?

Trump ist beinahe 79 Jahre alt – ein Alter, in dem kognitive Einschränkungen keine Seltenheit sind. Seine öffentliche Sprache ist sprunghaft, emotionalisiert, faktenresistent. Experten weisen auf mangelndes Verständnis ökonomischer Zusammenhänge hin – selbst einfachste Prinzipien des globalen Handels scheinen ihm fremd. Auch Widersprüche in seiner Argumentation fallen auf: Während er Jobs „zurückholen“ will, gefährdet er sie durch Zölle und Gegenreaktionen.

Doch reicht das aus als Erklärung? Viele seiner Aussagen und Handlungen wirken nicht planlos, sondern strategisch inszeniert: die Bühne, das Framing, die Symbolik. Ist es wirklich nur senile Sturheit, wenn ein Präsident internationale Allianzen zerstört und die Weltordnung destabilisiert?


2. Mangel an Abstraktionsvermögen: Nationalismus statt Systemdenken

Trump denkt in Feindbildern, nicht in Systemen. Komplexe Wechselwirkungen – wie etwa, dass günstige Importpreise der US-Bevölkerung nutzen – verarbeitet er nicht, sondern reduziert sie auf eine emotionale Opfer-Täter-Logik: Amerika wurde „vergewaltigt“ – jetzt schlägt es zurück. Wer so argumentiert, ersetzt Analyse durch Affekt, Interdependenz durch Isolation. Das ist gefährlich – aber nicht notwendig irrational. Es könnte sich um eine gezielte politische Methode handeln, die auf die Mobilisierung eines wütenden, verunsicherten Amerikas abzielt.


3. Der Agentenverdacht: Cui bono?

Und hier wird es brisant. Wem nützt die Trump’sche Strategie? Nicht den USA – das ist bereits klar. Nicht den westlichen Demokratien – auch das ist offensichtlich. Aber sie schwächt die westliche Welt, spaltet alte Bündnisse, untergräbt Vertrauen in die USA als Führungsmacht. Wer davon profitiert, ist vor allem einer: Wladimir Putin. Ein schwaches, isoliertes Amerika ist ein Geschenk für das Kreml-Regime, das seine geopolitischen Interessen konsequent gegen den Westen stellt.

Trump selbst hat über Jahre hinweg enge Kontakte zu russischen Geschäftskreisen gepflegt, eine peinlich anmutende Bewunderung für Putin gezeigt und nie eine kritische Distanz zu Moskau erkennen lassen. Ist das Zufall? Oder Teil einer gezielten Unterwanderungsstrategie?

Zweifelsfrei belegen lässt sich der Vorwurf nicht – noch nicht. Doch angesichts der enormen Schadensbilanz seiner Politik und der Kalkulation der Wirkung ist es nicht unvernünftig, diese Möglichkeit ernsthaft zu erwägen.


4. Die wahre Katastrophe: Ein System, das sich nicht mehr wehrt

Unabhängig von Trumps Motivation ist eines besonders alarmierend: Niemand stoppt ihn. Die republikanische Partei hat sich ihm untergeordnet, demokratische Institutionen sind geschwächt oder gelähmt. Der Präsident agiert wie ein autokratischer CEO, nicht wie ein demokratisch kontrollierter Staatsführer. Die USA – lange Motor der westlichen Ordnung – wirken zunehmend wie deren Saboteur. Das ist der wahre Skandal.


Ein gefährlicher Mann – und ein noch gefährlicheres Schweigen

Ob dement, begriffsstutzig oder gesteuert – Donald Trump ist ein Präsident, der die Grundprinzipien der internationalen Ordnung angreift. Er versteht nicht, was er zerstört – oder will es genau deshalb zerstören. In beiden Fällen ist er eine Gefahr, nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt. Und solange ihm niemand Einhalt gebietet, bleibt die wichtigste Frage nicht die nach seinem Geisteszustand – sondern die, warum ihn niemand aufhält.

Als Donald Trump noch nicht US-Präsident war, sondern ein angeblich so erfolgreicher Geschäftsmann, hatte er folgendes zu verantworten: sechs Bankrotte.


Quelle: Klaus Brinkbäumer: Der alte König in seinem Wahn, ZEIT ONLINE, 4. April 2025


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