Die Ukraine trotzt dem russischen Druck

Die militärische Lage in der Ukraine hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verändert. Trotz der anhaltenden Angriffe kann Russland kaum noch Geländegewinne erzielen – ein strategischer Teilerfolg für die Ukraine, der Hoffnung macht, auch wenn die Gefahr keineswegs gebannt ist.

Frontlinie nähert sich einem Patt

Während Wladimir Putin öffentlich den Sieg Russlands proklamiert, zeigt sich an der Front ein anderes Bild. Der russische Vormarsch verlangsamt sich stetig: Von 725 km² im November auf nur noch 133 km² im März. In Gebieten wie Kupjansk, Tschassiw Jar und Pokrowsk hält die Ukraine stand oder gewinnt sogar Boden zurück. Russische Truppen zahlen einen hohen Preis für minimale Fortschritte – teils 35 Angriffe pro eroberten Quadratkilometer, verbunden mit stark steigenden Verlustzahlen.

Ukraine verbessert Taktik und Rüstungsfähigkeit

Ein Schlüssel zum Widerstand liegt in der militärischen Weiterentwicklung der Ukraine:

  • Drohnen kompensieren Personalmangel, verursachen 60 % der russischen Verluste.
  • Die eigene Rüstungsproduktion wurde massiv gesteigert, von 1 Mrd. auf 35 Mrd. USD Umsatz.
  • Neue Ausbildungsprogramme und strukturelle Reformen stabilisieren das Militär.
  • Der oft kritisierte Führungswechsel in der Armee zeigt Wirkung.

Diese Verbesserungen sorgen für vorsichtigen Optimismus – auch wenn der vollständige Stopp russischer Angriffe nicht in Sicht ist. Militäranalysten warnen bereits vor einer neuen russischen Offensive im Frühling und Sommer.

Internationale Unterstützung entscheidend

Trotz wachsender Eigenständigkeit bleibt die Ukraine auf westliche Hilfe angewiesen:

  • Die Niederlande investieren 500 Mio. € in Drohnenprojekte.
  • Schweden liefert Militärhilfen im Wert von 1,5 Mrd. €.
  • Dänemark unterstützt mit 900 Mio. €, u. a. für Luftabwehr und Rüstungsproduktion.
  • Polen stellt über 30.000 Starlink-Terminals zur Verfügung.

Gefahr durch US-Kurswechsel

Mit dem erneuten US-Präsidenten Donald Trump verschiebt sich die geopolitische Lage. Seine Regierung erhöht Zölle auf ukrainische Exporte, gewährt Russland Nullzölle – ein Zeichen für wachsende Sympathien gegenüber Moskau. Zugleich zeichnet sich ab, dass die USA beim kommenden Ramstein-Treffen erstmals nicht teilnehmen könnten. Die Ukraine droht so erneut zum Spielball der Großmächte zu werden.

Stabilisierung statt Sieg

Die Ukraine hat in den letzten Monaten bemerkenswerte Fortschritte gemacht – militärisch, strukturell und technologisch. Doch der Krieg ist nicht entschieden, und die Abhängigkeit vom Westen bleibt groß. Russlands Ambitionen sind ungebrochen, doch der Kreml stößt zunehmend an seine Grenzen.

Quelle: ZEIT ONLINE, Artikel vom 4. April 2025: „Lage in der Ukraine: Was von Russlands Offensive übrig blieb“


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