Putins psychologische Kriegsführung. Das zynische Spiel mit der nuklearen Angst

Heute liest man, dass Russland in der russischen Exklave Kaliningrad offensichtlich den elektronischen Start von nuklear bestückbaren Raketen getestet habe. Droht uns nun der Atomkrieg?

Sagen wir mal so: Würde Putin den Westen nuklear angreifen wollen, hätte er es getan. Dann hätte es die Simulation überhaupt nicht gegeben.

Putin, der aus dem Geheimdienst kommt und es wohl verstehen dürfte, Menschen psychologisch zu verunsichern und unter Druck zu setzen, macht genau dies wohl gerade, er verunsichert Menschen.

Aber im Grunde ist es ähnlich wie im Kalten Krieg damals: Wer zuerst schießt, ist als zweiter tot. Das dürfte Putin natürlich auch wissen. Würde er irgendein Land der NATO oder der EU nuklear angreifen, wäre ein paar Minuten später Russland in größeren Teilen wohl auch nur noch Schutt und Asche.

Ob die NATO sich das trauen würde? Sie müsste und sie würde es. Denn es entspricht der militärischen Logik, dass man in einem derartigen Fall unbedingt und zwingend reagieren müsste, und zwar vermutlich sogar weitaus stärker. Würde man nämlich nicht reagieren, wäre die NATO obsolet und Putin würde den Krieg ausweichen. Von diesem Punkt an könnte er immer wieder die nukleare Karte ziehen und ein Land nach dem anderen mit Krieg überziehen, ganz konventionell, geschützt durch seine atomare Drohung.

Und es ist auch so: Würde man Putins impliziter nuklearer Drohung nun nachgeben, würde das heißen, dass es irgendwo okay ist, wenn Russland einfach so ein anderes Land angreift und in Schutt und Asche legt, weil Russland ja mit Atomkrieg gedroht habe. Das könnte dann für ganz viele Länder so weitergehen. Die Sicherheitsordnung in Europa wäre damit Geschichte, auch die Wirtschaft würde wohl stark einbrechen in einem derart unsicheren Wirtschaftsraum.

Insofern ist die ganze Sache natürlich nicht schön, aber sofern im Kreml noch eine gewisse Logik herrscht, wovon man durchaus ausgehen muss, da Putin sicherlich am Erhalt der eigenen Macht und des eigenen Reichtums interessiert ist, muss der Westen ebenfalls auf Abschreckung setzen. Und diese militärische Abschreckung und die Stärke der NATO sind sicherlich auch der Grund, weshalb sich Putin bisher nuklear zurückgehalten hat.

Putin hat den Westen nämlich bislang nicht aus dem Grund nicht angegriffen, dass der Westen sich brav verhält und duckt, was er mit seinen Waffenlieferungen und Sanktionen ja nicht tut, sondern allein und einzig aus dem Grund, dass Putin im Falle seines Angriffs zurecht einen massiven Gegenschlag fürchtet.

Selbst, wenn Putin in der Ukraine taktische Nuklearwaffen einsetzen sollte, kann es passieren, dass sich die NATO, allein wegen des radioaktiven Fallouts, bedroht fühlen würde und dann in ganz anderer Art und Weise aktiv reagieren würde, als derzeit.

Momentan hält sich die NATO ja in Bezug auf die Ukraine komplett zurück. Das einzige, was passiert, sind Waffenlieferungen westlicher Länder zur Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg. Aber auch auf diese Waffenlieferungen sollten die westlichen Länder nicht verzichten, denn würden sie das tun, hieße das auch, dass Putins Drohung gewirkt und sie eingeschüchtert hätte. Die Folge wären also weitere Drohungen aus Moskau. Analog dazu stünde dann außerdem zu vermuten, dass es vielleicht mit der Bündnistreue der NATO auch nicht so weit her sei.

Also insofern: Weiterhin Stärke zeigen und die Ukraine auch militärisch unterstützen, damit Putin nicht gewinnen kann und nach Möglichkeit die Freiheit der Ukraine wieder hergestellt werden kann. Ergänzend sollte man dazu noch viel stärker über ein komplettes Energie-Embargo gegen Russland nachdenken und es möglichst schnell umsetzen, um Putins russische Diktatur nicht weiterhin zu finanzieren, welche einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine und das ukrainische Volk führt und im Vorfeld russischen Angriffskrieges verbal auch schon NATO-Länder wie Polen und das Baltikum bedroht hatte. Sonderlich klug wirkt es nämlich nicht, das Regime eines solchen Diktators weiterhin zu finanzieren, welches auch westliche Länder militärisch bedroht.

Oder ganz einfach gesagt: Jemandem, der einen mit einer Waffe bedroht und demnächst angreifen könnte, sollte man doch nicht noch Geld geben, damit er sich weitere Patronen kauft. Das ist ein inkonsequent und höchst gefährlich.

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