
Hat nicht mein Schöpfer auch ihn [den Armen] im Mutterleib geschaffen, hat nicht der Eine uns im Mutterschoß gebildet? Wenn ich der Armen Wunsch versagte, verschmachten ließ der Witwe Augen, wenn ganz allein ich meinen Bissen aß, das Waisenkind aber nicht davon aß – von Jugend an hat wie ein Vater er mich großgezogen, vom Mutterschoß an mich geleitet -, wenn ich den Verlorenen sah ohne Kleid und ohne Decke den Verarmten, 20 wenn nicht seine Lenden mir dankten, er nicht von der Schur meiner Lämmer sich wärmte, wenn meine Hand der Waise drohte, weil ich am Tor Helfer für mich sah, dann falle die Schulter mir vom Nacken, breche der Arm mir aus dem Gelenk. (Hiob 31,15-22)
In der ganzen Bibel, nicht nur im Alten Testament, nimmt der soziale Auftrag der Gläubigen einen grossen Raum ein. Gott hat uns gesandt, um seine Liebe zur Welt in der Welt praktisch werden zu lassen. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Lebensumständen der Menschen damals und heute, speziell in Europa. Ich habe noch nie einen Nackten in unserem Gottesdienst gesehen und auch noch nie jemanden getroffen, der buchstäblich am Verdursten war. Dennoch kann Elizabeth Achtemeier in ihrem Kommentar zu Amos schreiben: “the situation was not too different from that found in any prosperous modern nation” (p.170)[1] Selbst wenn es nicht unüberbrückbare finanzielle Not ist, die in unseren Städten und Gemeinden vorherrscht, ist dennoch Not da. Vor einigen Tagen postete Haso über Gewalt an Schulen; ein Thema, dass uns immer mehr beschäftigen wird und in dem Christen absolut gefragt sind. Andere Themen könnten Vereinsamung sein oder Verwahrlosung, oder Kriminalität oder… Da gibt es sicher viele Bereiche in unseren Städten, in denen wir uns engagieren könnten um den Menschen einen liebenden Gott vorzustellen.
Ich habe jüngst über dieses Thema gepredigt. Zwei Predigten die aussagen, dass es nicht reicht zu beten sondern Gott uns auffordert mit Hand anzulegen. Die Predigten gibt es hier: 1|2
Mein Gefühl ist, dass immer mehr Christen sich mit diesem Thema auseinandersetzen und aktiv werden. Einen interessanten und lesenswerten Beitrag leistet Mark immer wieder, in seinem Blog gehen viele Posts in diese Richtung. Vielleicht kommt ja wieder eine Zeit in der die Welt uns nicht mehr nur über Gottes Liebe reden hört sondern uns diese Liebe aktiv vermitteln sieht. Das fände ich grossartig!
Ich beende diesen Eintrag mit einer Frage: Gibt es bei Dir in der Gemeinde eine Arbeit, die auf Eure Stadt und deren Nöte ausgerichtet ist? Engagierst Du Dich vielleicht selbst in dieser Richtung? Mich würde interessieren, was dabei herauskommt.
Linknotes: [1] Achtemeier, Elizabeth: Minor Prophets I, NIBC
Bild: © Anna-Lena Ramm | pixelio.de



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