
Die Welt im März 2026
Die Lage ist, um es mal so zu sagen, ein bisschen durchwachsen. Das bedeutet im kirchlichen Sprachgebrauch: Es brennt an mehreren Ecken gleichzeitig, und niemand hat den Feuerlöscher.
Im Nahen Osten tobt seit einigen Wochen der offene USA-Israel-Iran-Krieg. Israel setzt seine Angriffe im Iran und Libanon fort, während der Iran weiterhin mit Raketen und Drohnen antwortet — auch Saudi-Arabien und Bahrain werden attackiert. Trump wiederum macht, wie es sich für einen modernen Messias gehört, Hoffnung auf Gespräche, während die Kämpfe weitergehen. Das Prinzip ist bekannt: zuerst ankündigen, dann abwarten, was der Heilige Geist macht. Die Straße von Hormus ist blockiert, was bedeutet, dass das Öl nicht fließt — was bedeutet, dass der Geist des Herrn derzeit vor allem an der Zapfsäule spürbar ist.
Donald Trump selbst ist, wie die Schrift lehren würde, ein Zeichen der Zeit. Sein normenschockender Ansatz hat Turbulenzen verursacht, diplomatische Ergebnisse geliefert und notwendigen Wandel erzwungen — je nach Konfession entweder Strafe Gottes oder unergründlicher Heilsplan. Theologisch lässt sich beides nicht widerlegen.
Die Wirtschaft bekennt sich, im Unterschied zur Kirche, wenigstens ehrlich zu ihrer Unsicherheit. Die Rezession ist vorbei, ein echter Aufschwung bleibt jedoch aus — was in etwa dem Zustand des Fegefeuers entspricht: man ist raus aus der Hölle, aber der Himmel lässt auf sich warten. Die Gemengelage aus Irankrieg, Ölkrise, Zinssorgen und KI-Investitionen bestimmt das Marktgeschehen AG, und niemand weiß, wie lange das so bleibt. Das nennt man in der Eschatologie Endzeit auf Sparflamme.
Die Künstliche Intelligenz ist derweil zum neuen Glaubensobjekt aufgestiegen. Milliarden fließen in Rechenzentren, die Energie zur zentralen Infrastruktur des digitalen Zeitalters machen — damit die KI nachdenken kann, während der Mensch es zunehmend lässt. Eine gewisse göttliche Ironie ist nicht von der Hand zu weisen.
Alte Gewissheiten brechen weg, neue Machtzentren entstehen, konstatiert die Bundesregierung trocken — und beschreibt damit in einem Satz sowohl die geopolitische Lage als auch den Gemeindevorstand nach der Fusion zweier Pfarreien.
Aus theologischer Sicht: Die Welt befindet sich im Zustand einer Dauerwallfahrt — viel Beschwerlichkeit, unklares Ziel, und der Pilger streitet unterwegs darüber, wer die Wasserflaschen trägt. Die Hoffnung bleibt dennoch geboten. Sie ist, wie der Apostel Paulus wusste, das Letzte, was stirbt. Wahrscheinlich weil sie als einzige keine Energiepreise zahlt.



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