
Per Rolltreppe zum Gate unter dem Schlossplatz
Stuttgart beweist einmal mehr seinen ungebrochenen Mut zur Tieferlegung. Nach dem weltweit gefeierten Erfolgsprojekt Stuttgart 21, das den Hauptbahnhof elegant unter der Erdoberfläche verschwinden ließ, zündet die schwäbische Metropole die nächste Stufe der urbanen Evolution: Stuttgart 40. Das Ziel ist nicht weniger als der erste voll funktionsfähige Innenstadt-Flughafen der Welt – komplett unterirdisch.
„Wir haben mit dem Bahnhof bewiesen, dass wir Probleme nicht nur lösen, sondern sie stilvoll vergraben können“, verkündete Projektsprecher Albert Gscheidle bei der heutigen Pressekonferenz. „Der Lärm von Flugzeugen? Die lästige Anfahrt zum Flughafen? Das gehört bald der Vergangenheit an. In Zukunft checken Sie zwischen Klett-Passage und Königsbau ein und erreichen Ihr Gate bequem per Paternoster.“
Die visionären Pläne sehen vor, das gesamte Areal unter dem Neuen Schloss, dem Schlossplatz und Teilen der Königsstraße zu unterkellern, um Platz für Terminals, Gepäckbänder und zwei parallel verlaufende Start- und Landebahnen zu schaffen. Kritiker, die auf die geologischen Herausforderungen und die schiere Unmöglichkeit des Vorhabens hinweisen, werden von den Planern mit einem Lächeln abgetan. „Wer einen Bahnhof in Gipskeuper bauen kann, für den ist Granit ein Kinderspiel“, so Gscheidle.
Ein besonderes Highlight des Jahrhundertprojekts ist das innovative Start- und Landekonzept. Da ein konventioneller Anflug auf einen unterirdischen City-Flughafen als „suboptimal“ eingestuft wird, setzt man auf eine revolutionäre Senkrechtstart-Technologie. Flugzeuge vom Typ Airbus A380 sollen an gigantischen Aufzügen an die Oberfläche befördert werden, um dann von der Theodor-Heuss-Straße aus in den Himmel zu schießen. „Das wird ein Spektakel für die ganze Stadt und ein klares Bekenntnis zum Fortschritt“, schwärmt ein beteiligter Ingenieur. Für die Landung ist ein „kontrolliertes Eintreten“ durch spezielle Schächte im Boden vorgesehen, die mit einem Netz aus Hochleistungstrampolinen gesichert werden.
Die Synergien mit Stuttgart 21 liegen auf der Hand. „Passagiere können quasi direkt vom ICE-Gleis ins Flugzeug fallen. Das ist die Zukunft der Mobilität„, erklärt Gscheidle. Die ohnehin schon großzügig bemessenen Belüftungsschächte des Tiefbahnhofs sollen einfach erweitert werden, um auch die Kerosindämpfe der Flugzeuge abzuleiten – direkt in die Fußgängerzone. „Ein Hauch von Kerosin am Morgen ist der Duft der weiten Welt„, so die offizielle Marketingbroschüre.
Die Kosten für Stuttgart 40 werden auf „überschaubare 80 bis 120 Milliarden Euro“ geschätzt, eine Summe, die laut den Verantwortlichen „durch die immensen Standortvorteile und den Verkauf von ‚Ich war dabei‘-Aufklebern schnell wieder eingespielt“ sei. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2095 geplant, „plus/minus ein paar Jahrzehnte, je nach Mineralwasservorkommen.“ Stuttgart gräbt sich also weiter in eine glorreiche Zukunft. Oben wird flaniert, unten wird geflogen – mehr Effizienz geht nicht.



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