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Symbolbild

Trump macht Technik zur Waffe. Erst gegen Kyjiv, bald gegen uns?

Die Lage

In der Nacht zum 14. Oktober wurde den ukrainischen Soldaten ein Stück Augenlicht genommen. Die schnelle Militärverbindung, auf die sie sich verlassen, wurde gedrosselt, und mehrere Einsätze brachen ab. Drohnen, die schneller als etwa 160 km/h fliegen, verloren die Satellitenverbindung. Ausgerechnet die Abfangdrohnen gegen russische Schahed-Drohnen waren betroffen. Von der Beschränkung erfuhren die Truppen erst vom Kundendienst, nachdem sie sich über Störungen beschwert hatten.

Gleichzeitig kamen Russlands Raketen ohne die gewohnte Vorwarnung. Selenskyj sagte, die Systeme hätten die Geschosse erst erfasst, als sie schon fast über Kyjiv waren. Am Montag tötete eine russische Drohne in Kyjiv zwei Menschen und verletzte elf weitere. Selenskyj sagt, die Beschränkungen hätten bereits Zivilisten das Leben gekostet, weil die Abfangsysteme schlechter funktionierten.

Musk antwortete öffentlich. Starshield gehöre der US-Regierung, Tempo- und Nutzungsgrenzen setze das US-Militär und letztlich der Präsident. Am Donnerstag meldete eine Quelle im ukrainischen Verteidigungsministerium, Starshield laufe wieder. Selenskyj deutete aber an, dass Beschränkungen bleiben.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Trump hatte Selenskyj öffentlich aufgefordert, die Angriffe auf russische Raffinerien zu stoppen, weil die Spritpreise steigen. Er sagte, die Ukraine solle sich einen neuen Präsidenten suchen, nur einen Tag nach dem überraschenden Diesel-Deal mit Moskau, der auch US-Sanktionen lockert. Washington drohte laut CNN, die Geheimdienstzusammenarbeit und europäische US-Waffenkäufe für Kyjiv auszusetzen. Selenskyjs Antwort an die Financial Times lautete sinngemäß: Wir sind fertig. Die Ukraine griff daraufhin wieder russische Raffinerien an.

Fairerweise gehört dazu: Starlink funktioniert in Russland gar nicht, ein technischer Zusammenhang mit den Raffinerien ist also nicht belegt. Trump bestreitet, Aufklärung zurückzuhalten. Für Kyjiv ist der Zusammenhang trotzdem eindeutig. Der Abgeordnete Oleksandr Merezhko spricht von einem Erpressungsversuch.

Was das für uns heißt

Wenn ein Verbündeter jederzeit das Licht ausknipsen kann, ist man kein Verbündeter, sondern Mieter. Das gilt für die Ukraine. Es gilt für jedes Land, dessen Drohnen, Frühwarnung und Aufklärung an amerikanischen Servern hängen, also auch für unseres.

Es ist nicht das erste Mal. Im März 2025 bestätigte CIA-Chef Ratcliffe die Pause der Geheimdienstzusammenarbeit mit Kyjiv. Damals fragten sich viele Europäer still, ob sie als Nächste dran wären. Jetzt wissen wir, dass die Frage berechtigt war.

Mit wem ist Trump eigentlich verbündet?

Die Fakten, nüchtern aneinandergereiht: Er schließt einen Diesel-Deal mit Putin und lockert Sanktionen. Er verlangt den Abgang des Präsidenten des überfallenen Landes. Von Putin verlangt er nicht, die Bombardierung der Ukraine zu stoppen. Musk schrieb zuvor, Selenskyj sei wegen der Angriffe auf russische Treibstoffanlagen zu weit gegangen. Sogar der Republikaner Don Bacon wirft Trump vor, dem Angreifer zu helfen.

Der Hintergrund ist banal und bitter. Der Krieg gegen den Iran und die blockierte Straße von Hormus haben den Ölpreis über 100 Dollar getrieben. Trump räumt ein, dass die Preise wohl erst nach den Zwischenwahlen sinken. Für Wählerstimmen an der Zapfsäule wird die Ukraine geopfert. Mein Urteil: Wer so handelt, steht nicht an der Seite Kyjivs und, wenn es drauf ankommt, auch nicht an der Seite Europas.

Worst Case: Ein Szenario, keine Prognose

Es wird Winter. Moskau soll seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur vor dem Winter verstärken. In einer eiskalten Nacht fällt Starshield aus, diesmal für Wochen. Die Aufklärung versiegt, und die Raketen kommen ohne Sirene. In Charkiv sitzt eine Familie im Dunkeln, ohne Strom, ohne Heizung und ohne Warnung. Die Drohnenpiloten sind taub und blind, die Front gibt nach.

Der Kreml würde jetzt auftrumpfen. Washington würde einen »Frieden« verkünden, der über die Köpfe der Ukrainer hinweg geschlossen wurde. Millionen Menschen zögen Richtung Westen. Und Europa merkte, dass es russische Raketenstarts nicht einmal selbst erkennen kann. Das Baltikum würde getestet, und die Frage, ob Amerika uns im Ernstfall die Augen offen lässt, bliebe unbeantwortet. Wir wären Zuschauer in unserer eigenen Verteidigung.

Was Europa tun muss

Eigene Augen im All. Europa braucht Frühwarnsatelliten und ein eigenes Satelliten-Internet, wie auch der Zeit-Kommentar fordert. Eutelsat/OneWeb ist die vielversprechendste Alternative, die ersten Regierungsdienste von IRIS² sind aber erst für 2030 geplant. Das ist zu spät. Die Gelder müssen jetzt fließen, und Eutelsat gehört massiv ausgebaut.

Eigene Aufklärung. Geheimdienstliche Zusammenarbeit mit Washington ja, Abhängigkeit nein.

Luftabwehr selbst bauen. Abfangraketen und Drohnen müssen in Europa in großen Stückzahlen vom Band laufen, gemeinsam mit der ukrainischen Industrie.

Kyjiv nicht allein bezahlen lassen. Eutelsats Chefin warnte schon 2025, die Abhängigkeit von Starlink werde im Weißen Haus oder in Mar-a-Lago entschieden. Europa muss Alternativen finanzieren, bevor der nächste Schalter umgelegt wird.

Klare Haltung. Nicht mit Trump brechen, aber ihm deutlich sagen: Wer unsere Partner erpresst, gefährdet das Bündnis.

Was jeder Einzelne tun sollte

Nicht wegsehen. Die Erschöpfung ist verständlich, aber Gleichgültigkeit ist die Verbündete des Angreifers. Wir können seriöse Hilfsorganisationen unterstützen und ukrainische Geflüchtete bei uns nicht vergessen. Wir können Abgeordneten schreiben und fragen, was sie für Europas Verteidigung tun. Wo es europäische Alternativen zu Diensten gibt, können wir sie wählen. Wir sollten Desinformation widerstehen, die uns einreden will, das alles gehe uns nichts an, und die Empfehlungen des Bevölkerungsschutzes zur Notfallvorsorge ernst nehmen. Und wir sollten wählen gehen, als hinge es von unserer Stimme ab. Denn irgendwo hängt es davon ab.

Zum Schluss

In Kyjiv gehen sie wieder in den Keller. Die Menschen dort haben keine Wahl, wir haben sie. Wir können warten, bis das Licht bei uns ausgeht, oder jetzt anfangen, unser eigenes anzuzünden.


Quellen:


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