
Armin Papperger ist ein vielbeschäftigter Mann. Seit der Zeitenwende ist er der ungekrönte König der deutschen Rüstungsindustrie, ein Mann, dessen Selbstbewusstsein proportional zu den Aktienkursen von Rheinmetall gewachsen ist. Doch wenn man so hoch auf seinem Panzer thront, leidet offenbar gelegentlich die Sicht auf das, was am Boden passiert – besonders, wenn es dort flink, günstig und effizient zugeht.
In einem Anflug von rheinischer Gemütlichkeit erklärte Papperger dem US-Magazin The Atlantic, dass das, was die Ukrainer da an Drohnen zusammenbasteln, eigentlich nur „Hausfrauen-Lego“ sei. In Küchen mit 3D-Druckern produziert, ohne jede echte Innovation. Ein niedliches Hobby also, während die echten Männer in Düsseldorf an hochkomplexen Systemen feilen, die so innovativ sind, dass sie vor allem durch astronomische Preise und Liefertermine im nächsten Jahrzehnt glänzen.
Es ist schon eine besondere Form von Humor, wenn der Chef eines Konzerns, der beim Thema Drohnenabwehr und Künstliche Intelligenz derzeit eher die Rücklichter der Konkurrenz bestaunt, über mangelnde Innovation spottet. Während die „Hausfrauen“ in der Ukraine die modernste Armee der Welt vorführen, verbringt man bei Rheinmetall die Zeit offenbar lieber damit, Skyranger-Flugabwehrpanzer zu planen, die so weit in der Zukunft geliefert werden, dass man sie bis dahin vermutlich schon als Oldtimer zulassen kann.
Das Verteidigungsministerium hat den Witz übrigens verstanden: Bei der letzten Ausschreibung für Kamikazedrohnen durfte Rheinmetall zuschauen, während Millionen an Start-ups gingen. Vielleicht hätten die Düsseldorfer Ingenieure mal in einer ukrainischen Küche vorbeischauen sollen, um zu lernen, wie man Dinge baut, die tatsächlich fliegen und nicht nur in Hochglanzbroschüren gut aussehen.
Es bleibt die Erkenntnis: Wer auf das „Lego“ anderer herabblickt, sollte sicherstellen, dass sein eigener Baukasten nicht nur aus heißen Versprechen und Pappkameraden besteht.
Selenskyj brachte es am Ende glänzend auf den Punkt:
„Wenn jede Hausfrau in der Ukraine Drohnen bauen kann, kann auch jede ukrainische Hausfrau Rheinmetall-Chef werden.“
Quelle ZEIT



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