Was passieren würde, falls der Westen auf Putins nukleare Drohung eingehen würde

Es war einst Julius Cäsar, der ganz Gallien eroberte, indem er einen gallischen Stamm nach dem anderen, mit oder gegen dessen Willen, zu römischen Verbündeten machte, die es dann wieder angeblich vor anderen Galliern zu verteidigen gelte. Cäsar brachte den Krieg und behauptete, er bringe den Frieden.

Ein ähnliches Schema versucht Putin mit seinen Referenden in der Ukraine. Ukrainisches Gebiet solle auf einmal russisches Gebiet sein, das Volk habe es unter vorgehaltener Waffe dann angeblich freiwillig so beschlossen. Und weil das Ganze nach derartigen Scheinreferenden russisches Staatsgebiet sei, werde man das dann atomar verteidigen, der Westen solle schon mal zittern.

Das Problem bei der Sache ist: Wenn die NATO, die EU, die USA, also insgesamt die westlichen Demokratien, sich von der nuklearen Drohung einschüchtern lassen, dann hat sie funktioniert. Dann wird Putin diese Drohung immer wieder zücken. Dann kann er sich mit dieser Drohung die Ukraine aneignen, danach vielleicht Polen, das Baltikum, Deutschland, die gesamte EU.

NATO-Generalsekretär Stoltenberg hatte gestern bei einem Interview im Heute-Journal im ZDF gesagt, die NATO sehe derzeit keine Veränderungen der nuklearen Einsatzbereitschaft Russlands. Das lässt aufatmen.

Aber selbst, falls es hart auf hart kommen sollte, was natürlich schrecklich wäre, darf man aus dem oben genannten Grund Putin nicht gewähren lassen. Es wäre dann der schreckliche Fall, bei dem militärische Logik zum Zuge kommen müsste: Wenn du einmal Bumm machst, dann machen wir bei dir zweimal Bumm, mindestens. Und wenn du in der Ukraine Atomwaffen zündest, dann fühlen wir uns als NATO ganz massiv bedroht und werden entsprechend antworten. Dies hatte NATO-Generalsekretär Stoltenberg bereits vor einiger Zeit auch in ähnlicher Weise sehr unmissverständlich formuliert: Die NATO werde, wenn sie angegriffen werde, mit ihrer gesamten Wucht zurückschlagen. Und wenn Russland nuklear oder mit biologischen Waffen in der Ukraine agieren würde, würde die NATO in gleicher Weise reagieren. Lediglich den Einsatz chemischer Waffen schloss sie aus.

Diese militärische Logik mag man nicht schön finden, aber sie ist die Logik, die den Frieden in der EU garantieren kann. Ohne diese Logik hätte Putin keinen Grund, in der Ukraine Halt zu machen.

Julius Cäsar übrigens beließ es nicht bei Gallien, er wollte im Anschluss an seinen gallischen Eroberungsfeldzug Rom „befreien“. Befreien hieß erobern. Es gab Kämpfe mit dem damals größten römischen Feldherren, Pompeius, der auf Seiten des römischen Senats stand, also auf der Seite der Republik. Caesar besiegte ihn, Caesar besiegte die Republik, Caesar verleibte sich das gesamte römische Reich ein und installierte eine Diktatur. Deshalb wurde er in den Iden des März des Jahres 44 in einer Verschwörung von Senatoren im römischen Senat ermordet.

Lesen Sie auch in der ZEIT: Ist Putin zur nuklearen Eskalation bereit? Vier Gründe sprechen dagegen.

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